Kissling, Hermann ; Stadtarchiv <Schwäbisch Gmünd> [Editor]
Künstler und Handwerker in Schwäbisch Gmünd 1300 - 1650 — Schwäbisch Gmünd, 1995

Page: 13
DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/kissling1995/0017
License: Creative Commons - Attribution - ShareAlike Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
Die Reichsstadt Gmünd

Das Territorium
Schwäbisch Gmünd, das ist die Stadt zu Füßen der
schönsten, geschichtsträchtigen Traufkulisse der
Ostalb, eingebettet in eine Tallandschaft, berührt vom
Fluß, von der noch jungen Rems. Sie kann schon reich-
lich Wasser führen, dank der hier zusprudelnden Sei-
tenbäche, insbesondere des Waldstetter Baches. Diese
Mündungssituation, die von den ersten Ansiedlern wohl
gesucht und hier gefunden wurde, gab dem Ort seinen
Namen. Das vorangestellte Schwäbisch kommt sehr
viel später auf. Wir lesen es erstmals 1482 (UAG A
258-1); ab 1500 wird es in den Schriften gebräuchlich1.
Jedoch die Zählebigkeit alter Namen, die handliche
Einsilbe, um nicht zu sagen die Maulfaulheit der
Schwaben, auch die von 1802 bis 1934 amtlich dekre-
tierte Kurzform Gmünd läßt die Eingesessenen bis
heute nur von Gmünd reden.
Die Siedlung Gamundias, deren geschriebene Ge-
schichte undeutlich Ende des 8. Jahrhunderts beginnt,
deren Bürger erstmals 1162 als cives auftreten, kann
sich mit dem Prädikat schmücken, älteste Stauferstadt
in Schwabens Kernland zu sein. Vermutlich war es
Konrad III., der, darauf bedacht, sein Land um den Ho-
henstaufen zu sichern und zu kultivieren, Gmünd am
Remsweg mit Stadtrechten begabte (wie das im einzel-
nen auch geschehen sein mag). Eine große Zukunft war
ihr nicht in die Wiege gelegt. Die Stadtmarkung, her-
ausgeschnitten aus dem Altsiedelland der Umgebung
des Albvorlandes, umfaßte nicht mehr als einen etwa 5
km langen Talabschnitt mit flankierenden Keuperhän-
1 In Königsurkunden der Jahre 1434, 1440 und 1442 werden die
stette Gemünd und swebischen Halle erwähnt (UAG N 33, 35, 37).
Das Attribut der Nachbarstadt wird die Gmünder angeregt haben, es
auch ihrer Stadt zu geben, um Verwechslungen mit anderen
Gmünd-Orten vorzubeugen. Die Haller faßten übrigens erst am
14.9.1489 den Ratsbeschluß, ihre Stadt fortan Schwäbisch Hall zu
nennen. Eine solche Dekretierung ist von Gmünd nicht bekannt, wohl
aber eine Reaktion in Nürnberg auf den Gmünder Doppelnamen. In
den dortigen Briefbüchern vom 21.11.1544 (Nr. 132, S. 162) findet
sich der Eintrag, daß Gmünd ietzo eine Schwebische Statt sei.

gen. Nur Handwerk und Handel ließen Fortkommen er-
hoffen. Erst die Reichsstadt, nun weitgehend auf sich
selbst gestellt, vermochte Höfe und Ortschaften an sich
zu binden. Mit diesen landwirtschaftlichen Gebieten
und Betrieben versuchte die Markt-, Handels- und
Handwerkerstadt die elementare Lebensgrundlage zu
schaffen und zu sichern.
Die Erwerbungsgeschichte des Gmünder Territoriums
reicht weit zurück bis in die Stauferzeit. 1250 kaufte
das Kloster Gotteszell Güter in Hussenhofen und 1259
den großen und kleinen Zehnt in Mulfingen. Von den
größeren Zuwächsen des Spitals müssen genannt wer-
den die Inkorporationen der Pfarreien Dewangen, Lau-
tern, Mögglingen und Weiler in den Bergen samt Un-
terbettringen, auch Oberbettringen, dessen Dorfherr-
schaft mit Kirchensatz 1464 um 1500 fl rh das Spital an
sich brachte. Gmünd erwarb im 16. Jahrhundert neben
Pfersbach und Waldau 1536 5 Güter in Iggingen und
Mutlangen um 2000 fl, ferner von den Rechbergern
1523 7 Güter in Straßdorf, 1541 Lehensgüter in Iggin-
gen und Buch um 2350 fl, 1544 Dorf und Schloß Bar-
gau mit Möhnhof für 32 000 fl, 1581 Weiler in den
Bergen für 2000 fl. Gmünd stieß dafür fernere Liegen-
schaften ab: 1540 die Güter in Essingen um 3200 fl an
Jörg Heinrich von Woellwarth zu Lauterburg und 1575
7 Höfe in Kleinsüßen an die Bubenhofen zu Ramsberg
und Leinstetten um 17500 fl. Aus diesen Käufen und
Verkäufen läßt sich das damalige Bemühen des Magi-
strats herauslesen, das kleine Reichsstadt-Territorium
abzurunden. Doch eine wirkliche Arrondierung gelang
nicht mehr, verwehrt von leeren Kassen und histori-
schen Gegebenheiten.
Wesentliche Anteile des reichsstädtischen Gebietes
brachten die beiden Spitäler bei, insbesondere das Hei-
lig-Geist-Spital. Seine Lagerbücher zählen Besitz in
über 30 Orten auf. Auch die Klöster trugen ihren Teil
bei, voran das an Grundbesitz reichste, das der Domini-
kanerinnen in Gotteszell. Die Stadtregierung verstand
es, das Spital schon 1364 in ihre Hand zu bekommen
und ab 1478 die Schirmherrschaft über das Frauenklo-

13
loading ...