Kissling, Hermann ; Stadtarchiv <Schwäbisch Gmünd> [Editor]
Künstler und Handwerker in Schwäbisch Gmünd 1300 - 1650 — Schwäbisch Gmünd, 1995

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Sturm Ulrich

geringen Abweichungen von Klemm übernommen und
weitergereicht.
Mit Recht wird Stromeyers Beistand 1536 auf die Grät
bezogen. Deren Umbaudatum 1536, beim Stichbogen-
portal ihrer Schaufront unübersehbar eingemeißelt,
steht dafür ein. Nun, nachdem das neue Rathaus 1523
(s. Brem*) manche Aufgaben und Einrichtungen der
Grät übernommen hatte, erfuhr das alte Amtshaus eine
Umgestaltung. Das bis dahin offene Erdgeschoß (s.
UAG 656, 774 f., 789, 791) und auch die Vorderseite
bis zum zweiten Stock hinauf wurden mit Quadern ge-
schlossen. Für dieses bautechnisch anspruchsvolle Un-
ternehmen erbaten die Gmünder das Gutbedenken des
im Holz- und Steinbau erfahrenen Ulmer Werkmannes.
Daß Stromeyer „den Neubau der Grät durchführte, der
auf den Grundmauern des ältesten Rathauses 1536 er-
richtet wurde“ und daß diese angebliche Tätigkeit die
Abwesenheit des Gmünder Stadtwerkmeisters Peter
Brem* beweise (s. GHB11 7/1934), ist in Unkenntnis
Ulmer und auch Gmünder Quellentexte geschrieben.
Brem erhält 1536 sein Jahrgeld ausbezahlt und amtiert
auch noch 1549.
Stromeyer ist mit der Augsburger Daucher-Familie ver-
schwägert. H. Rott leitet daraus die Vermutung ab,
Adolf Daucher II*, den er fälschlicherweise schon 1525
in Gmünd tätig sieht, könnte S. den Gmünder Auftrag
vermittelt haben. Die Richtigstellung der Daten läßt,
wenn man einen Zusammenhang konstruiert, an eine
umgekehrte Fürsprache denken.
StadtR 1536, 115. StadtA Ulm A 3530, Ratsprotokoll Band XXX,
810’; A 3734, Ulmer Bürgerbuch 1499-1541, 252; Repertorium
1692, Band III, 1143’ f. - ThB XXXII, 204. - A. Weyermann, Neue
historisch-biographisch-artistische Nachrichten von Gelehrten und
Künstlern . . . aus der vormaligen Reichsstadt Ulm, Ulm 1829, 544.
- C. Grüneisen und Ed. Mauch, Ulms Kunstleben im Mittelalter, Ulm
1840. 17. - Klemm. Baumeister, 151. - Mitt. Prof. Dr. Specker,
StadtA Ulm. - S. auch Lit. zu Daucher Adolf I*.
Sturm Ulrich, Maler, *1596, von Passau, Burger zu
Sch. gemundte, cd in Gmünd 1620 Elisabeth Breinle
(1620-1628 3 Kinder; Tochter Eva cd 1642 den Gmün-
der Jäger von Jägersberg), t 16.9.1630. Der Maler hin-
terließ drei signierte Arbeiten, davon zwei Zeichnungen
im Museum Gmünd: eine kleine braun und grau la-
vierte Federzeichnung (19 x 15 cm) einer allegorischen
Figur von 1622 und eine große lavierte und weißge-
höhte Federzeichnung (70,5 x 33,5 cm), signiert Ulrich
Sturm 1623. Diese Darstellung des Jüngsten Gerichts in
einem gestreckten Spitzbogenfeld, die auch im Detail
zeichnerisches Können und Helldunkel-Erfahrung be-
kunden, geht - vermutlich über eine graphische Arbeit

vermittelt - auf ein Tintorettobild in Venedigs San
Marco zurück. Die malerischen Fähigkeiten Sturms las-
sen sich an dem Tafelbild des nördlichen Seitenaltares
der Kirche Stockheim (bei Brackenheim) ablesen (Tafel
180 x 116 cm, signiert auf der Rückseite Ulrich Sturm
von Schwäbisch Gmünd 1623). Selten der Bildtext: Ma-
ria wendet sich als Fürbitterin der Heiligen unter Hin-
weis auf deren Verdienste dem als Trinitätsfigur
schwebenden Christus zu, der drei Speere in der Rech-
ten hält. Die Farben sind sicher gesetzt, auch in kräfti-
gen Kontrasten. Sie erinnern noch an den Manierismus,
auch die figura serpentinata der Mariengestalt. Das Bild
wiederholt formal minutiös einen Kupferstich des Augs-
burgers Raphael Sadeler, der seinerseits ein Hochaltar-
blatt der Kapuziner in Augsburg kopierte, das auf ein
Bild des Italieners Paolo Piazza zurückgeht (* um 1557
Castelfranco, t 1621 Venedig).
FamR VIII, 97. SterbeB I, 7. KZB 100. Gedenkbuch des Joachim
Jäger von Jägersberg, Hs. Museum Gmünd, Inv. Nr. 9.431, S. 216.
- ThB XXXII, 258. - Klaus, Künstler II, 313. - Kissling, Museum,
51 f. - Geissler, Kunst in Schwäbisch Gmünd, 16.

T,d

Taler (Thaler) Hans d. Ä., Steinmetz, Werkmeister,
Kirchenmeister, um 1500/1534; baut 1518-1521 den
Chor der Stadtkirche Gaildorf, dies ein dreiseitig
schließender spätgotischer Raum gängiger Art, von
Maßwerkfenstern geöffnet, Strebepfeilern umstellt und
Sternnetzgewölbe überdeckt. Dessen erster Knoten-
punkt auf der Evangelienseite nahe dem Ostfenster
(vgl. Standort der Meisterschilde im Gmünder Mün-
sterchor!) trägt den Meisterschild mit erhabenem Stein-
zeichen, ein Kreuz über Doppelzacken . Dieses
Zeichen als Gesellenzeichen an der nördlichen Scheid-
mauer des ersten östlichen Münster-Langhausjoches
(vor Abdeckung des Dachraumes festgestellt) und in
der nördlichen Wendeltreppe. Gmünds Pfarrkirche war
demnach ein Lern- und Arbeitsort T.s, das um 1500,
denn die Wiederherstellungsmaßnahmen nach dem
Türmesturz 1497 begannen sicherlich mit dem Auf-
und Einziehen der im Grenzbereich von Langhaus und
Chor zerschlagenen Umfassungswände und Scheid-
mauern.
Nach Gaildorf wird T. von Lindach engagiert, wo er
1524 den Turmchor, auch dieser kreuzrippengewölbt

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