Kissling, Hermann ; Stadtarchiv <Schwäbisch Gmünd> [Editor]
Künstler und Handwerker in Schwäbisch Gmünd 1300 - 1650 — Schwäbisch Gmünd, 1995

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Parier

beim Gerberzunfthaus zwischen dem Garten des Gold-
schmieds Simon Buck* und der Scheuer des Michael
Wagger gelegenen Behausung. 1662 kauft er 1 1/2
Tagwerk Wiesen am Galgenberg um 230 fl von Georg
Franz, deutscher Schulmeister.
Sein Sohn Johann Peter *1663, 1) oo 1686 Anna Bar-
bara Mößnang (1687 1 Kind), 2) cd 1688 Ursula Kaiser
(1689-1705 8 Kinder), t 18.11.1733. Im Familienregi-
ster angemerkt: Goldschmied, auch Glasmaler - Ursula
Ott Glasmalerin, t 20. Dez. 1729.
FamR VI, 48. SterbeB I, 93; II. 114. CProt II (1652) 355; III (1659)
57; III (1660) 109; III (1661) 325 f.; III (1662) 235, 362. KlagB III
(15.11.1625; 3.12.1625; 8.1.1628; 3.10.1629). Debler, Chronik I, 541.
- Klaus, Rechtsgeschichtliches, 98.

P,B
Parier, Baumeister- und Bildhauerfamilie des 14. Jh.,
in Gmünd um 1320/25-1377. Die Tätigkeit der Parier
im Zusammenhang mit dem Bau von Gmünds gotischer
Pfarrkirche, des Heiligkreuz-Münsters, ist unbestritten,
trotz dürftiger Quellenlage. So ist nicht überliefert,
wann die Parier den am Westjoch schon (als Basilika)
begonnenen Bau übernahmen. Und nur indirekt ist zu
erschließen, daß sie den Bau 1377 verließen, um nach
Ulm zum Bau der dortigen großen Pfarrkirche zu ge-
hen. Über die Gmünder Parier folgende Quellen gesi-
chert:
a) Im Triforium des Prager Veitsdomes, über dem pla-
stischen Selbstbildnis des Baumeisters Peter Parier,
nennt eine Inschrift den Sohn des aus Köln gekomme-
nen und in Schwäbisch Gmünd als Meister tätigen
Heinrich Parier: Petrus henrici parleri de colonia, magi-
stri de gemunden in suevia secundus magister huius
fabric[a]e, quem imperator Karolus IV. adduxit de dicta
civitate et fecit cum magistrum huius ecclesiae, et tune
fuerat annorum 23 et incepit regefre] anno domini
MCCCLVI et perfecit chorum istum anno
MCCCLXXXVI [...].- Peter [Sohn] des Heinrich
Parier aus Köln des Meisters aus Gemunden in Schwa-
ben, zweiter Meister dieser Bauhütte, welchen Kaiser
Karl der Vierte herüberholte aus besagter Stadt und
zum Baumeister dieses Domes einsetzte. Er war damals
23 Jahre alt und fing an [den Dombau] zu leiten im
Jahre 1356 und vollendet den Chor 1386 [...].
b) Das Anniversar der Gmünder Priesterbruderschaft
vermerkt am Gallustag (16. Oktober) Magister Hainri-

cus architectoris ecclesie. Im Anniversar 1530 ist hin-
zugefügt: Sepulchrum eius est ad beatam Virginem unn-
den in der kirchen, ist ain großer stain.
c) Im Zusammenhang mit einer beurkundeten Schuld-
begleichung wird am 1. Mai 1372 meister Johanns, un-
ser frauen puwes zu Gmünd genannt, der für die Schul-
den seines gestorbenen Schwagers Niclas* aufkommt.
d) Derselbe Meister Johannes (Johans zu den ziten mai-
ster dez buez der Pfarrkirchen zue Gemunde) beurkun-
det am 8. März 1376, daß er zu seinem eigenen Seelen-
heil und dem seines Vaters und seiner Mutter sowie an-
derer seiner Vorfahren und Nachkommen ein rechtes
Seelgerät gestiftet hat. Der ewige Zins in Höhe von ei-
nem Pfund Heller soll jährlich am Gallustag gegeben
werden. Die Stiftung wurde auf den Gallustag gelegt,
den Jahrtag des Baumeisters Heinrich. Dies läßt auf
eine verwandtschaftliche - man möchte noch weiter
gehen - , auf eine Vater-Sohn-Beziehung zwischen den
Meistem Heinrich und Johannes schließen.
Hier ist anzumerken, daß in der Parier-Genealogie (von
Barbara Schock-Werner, 1978) dieser Johannes keine
Erwähnung findet, vielleicht deshalb nicht, weil in der
Zeit von 1354 bis 1359 ein Johann von Gmünd, Werk-
meister am Dom zu Freiburg i. Br. und Basel nachge-
wiesen ist (in dem ein älterer Bruder des Peter Parier
gesehen wird). Sind die beiden Johannes, der am Ober-
rhein und der in Gmünd tätige, nicht personengleich?
Es ist doch denk- und vorstellbar, daß Johannes nach
dem Tod des Vaters den Gmünder Bau übernahm und
fortsetzte.
e) Die Parier gebrauchten als Steinzeichen einen Win¬
kelhaken (den K. Friedrich als Winkelschablone deu-
tete). Dieses Zeichen tritt am Gmünder Münster 15 mal
auf, jedoch nirgends im Meisterschild, auch nur an
glattflächigen oder profilierten Quadern, nie an einem
Bildwerk. Diese Zeichen stimmen weder in der Form
noch Größe überein, sondern lassen vier Varianten er-
kennen. H "4. hR. I_<
Welchen Anteil haben die genannten Heinrich, Peter
und Johannes Parier am Münster? Heinrich Parier ist
sicher der Meister des Hallen-Langhauses. Ihm wird
auch der Entwurf des Hallenchores zu danken sein,
doch pflegen die Parier-Forscher dem Sohn Peter kon-
zeptionelle Anteile zuzugestehen. Und nach dem Tode
Heinrichs stand Johannes dem Chorbau vor.
Mit noch geringerer Bestimmtheit kann über die parle-
rische Bildhauerleistung in Gmünd gesprochen werden.
Es wechseln die Zuschreibungen. G. Schmidt gibt die
Propheten Jeremias und Isaias (heute beim inneren
Chor-Südportal) dem Heinrich Parier. O. Schmitt sieht

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