Kissling, Hermann ; Stadtarchiv <Schwäbisch Gmünd> [Editor]
Künstler und Handwerker in Schwäbisch Gmünd 1300 - 1650 — Schwäbisch Gmünd, 1995

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Vogt Caspar

tales. Hier bei den Pilastern mit Beschlagwerkzierde
zeigt sich, daß V. mit dem Meißel präziser umging als
Völkle, mit dem er sich verbunden fühlte, wie die Pa-
tenschaften zeigen. V.s handwerkliche Geschicklichkeit
bekundet auch die Brunnensäule des oberen Marktplat-
zes, dessen Kapitell sein Zeichen trägt, demnach um
1600 zu datieren ist (nicht aber die ihr später aufge-
stellte barocke Doppelmadonna). 1604 arbeitet er im
Münster. Eine Balustradenplatte der unteren Empore
zeigt in einfacher Kartuschenrahmung seinen Meister-
schild ® zwischen dem Monogramm C V und der
Jahreszahl 1604.
FamR VIII, 213. RP 1584, 11’; 1607 II, 75, 101 f. LR 1606, 20. UAK
249. UAL 331. - Klein, Caspar Vogt. - Kissling, Schmalzgrube. -
Gmünder Tagespost Nr. 293/1982 (nach Th. Zanek).
Vogt Caspar II, Steinmetz, Bildhauer, Kirchenmeister,
*1582 (Eltern Matthäus Vogt und Brigitta), cd 1611
Maria Mayer (1611-1627 9 Kinder), t 23.3.1646 60
Jahre alt. Eine ungenaue Altersangabe (wie nicht sel-
ten) im Sterbebuch. 1601 hat er als Geselle die Lehre
hinter sich, denn er führt sein Steinmetzzeichen ,
das er dem erneuerten Maßwerk des 6. südlichen Mün-
ster-Langhausfensters (Original in der Johanniskirche
aufgestellt) mit Jahreszahl 1601 einmeißelt. Nicht 1611
(wie sich der Chronist Friedrich Vogt wohl irrt) sondern
1601 wird die starke Rinderbacher Thorbruck, so in 2
Bogen und Pfeiler besteht, samt dem Thorhäusle von
Caspar Vogt Stein Metzen, so erst dis Jar aus Lehr Jah-
ren kommen, gemacht, der hernach ein kunstreicher
Meister worden. Demnach wurde seine Begabung früh
erkannt.
Respektabel allein schon die Quantität seiner Leistun-
gen: 1608/09 Mitarbeit am Südportal des Ellwanger
Schlosses (nach W. Klein durch Steinzeichen belegt).
1610 datiert und mit Meisterschild bez. Bekrönung des
Löwenbrunnens beim Münster. Über einem kauernden
Hund hält ein aufgerichteter Löwe beide Wappen-
schilde der Reichsstadt vor. In der realistischen, stoffli-
chen Durchbildung das Werk eines Könners. Warum ist
aber dieser Aufsatz (100 cm hoch) für die wuchtige Ba-
lustersäule zu klein geraten? Handelt es sich um ein
kompiliertes Werk? Original (jetzt im Foyer des Schef-
fold-Gymnasiums) durch einen Nachguß ersetzt. 1618
Erweiterung des 1442 gebauten Langhauses der Mögg-
linger Kirche, trotz Abbruch im 19. Jahrhundert durch
erhaltene Inschrifttafel dokumentiert: [. . . ] Es hats er-
bauhen Caspar Vogt Stainmetz, Kirchenmaister zue
Gemende. 1617/1621 Doppelkapelle St. Salvator und
nachfolgend Bildstöcke seines Kreuzweges, 1622 Bau

der Herrgottsruhkapelle, in der 10. Münsterchorkapelle
die Grabplatte des Hans von Haußen (t 17. 12.1622),
1627 Renovierungsarbeiten am Münster für 262 fl und
6 Malter Korn (Schneedruck hatte Fialen, Maßwerkga-
lerie und Pfeiler beschädigt), 1642/43 Wiederaufbau
der im Krieg niedergebrannten Martinskirche Iggingen
um 53 fl (eine Chorturmanlage, die Wepfer 1856 durch
einen Neubau ersetzen wird).
Weitere Arbeiten Vogts:
a) im Auftrag der Stadt: 1623 Beteiligung am Bau der
Rennen [Rinne] über die Rems (bei der heutigen Pfit-
zerbrücke), auch Lieferung von Steinen für 16 fl; 1635
um Stürz 5 b; 1638 etliche Entlohnungen, darunter 9 b
für Feuerschau Präsenz, zusammen mit dem Stadt-
knecht; 1641 Arbeiten an der Ratstieg, dem Außen-
aufgang an der Ostseite des Fachwerk-Rathauses, für 19
fl 10 b, ferner Ausgaben für den Kirchenmeister und
seine Maurer (12 fl 4 b 15 kr), dem Kirchenmeister,
seinen Gesellen und Jung 15 fl 2 b, dem Kirchenmei-
ster, seinem Sohn und Jung 10 fl 3 b, 1645 dem Kir-
chenmeister und seinen Leut 18 fl 2 b 1 kr.
b) im Auftrag der Katharinenpflege: 1639/40 in des
Hofmeisters, in des Armen Haus wie auch in die Kirche
verdient, welches durch die Soldaten zerschlagen wor-
den 1 fl 5 b; - dem Kirchenmeister und Lorentz Säcke-
lin* geben miessem von der Ziendtscheuren zu decken
sambt Merthelrieherer 1 fl 3 b 3 kr; - den 26. Decemb-
ris 1638 hat Caspar Vogt Kürchenmeister ain Opfer-
stockh zu S. Catharina in die Kürche gemacht dafür
geben 1 fl 11 b 1 kr. 1639/40 den 10. Aprilis dem Kür-
chenmayster weylen er und seine 2 Söhne bey S. Katha-
rina ain bronnen cästle, das auch ain stuckh zugemau-
ert, die kiche widerumb den Trog pflesterdt, auch uff
200 blatten uff die Dächer gestossen, in allem bezahlt 1
fl 9 b. 1640/41: [ . . . ] so verdündt am bad, so bald
eingefallen wäre, dan auch ain nehes mauren uff den
Kürchhofen und anders fleckh werckh, so hat sein mies-
sen, in allem 12 fl. Im selben Jahr liefert V. auch neue
Gewichtsteine für die Uhr in St. Katharina (s. J. Ph.
Reiffinger*). 1645/46 dem Kirchenmaister für 10
Markstayn, so zwischen S. Catharina und dem Spithal
gesetzt. Die Pfleg zu Ihrem Thail bezahlt 2 fl 7 b 2 k.
c) im Auftrag der vac. Pfründe: 1623 verdient V. an der
Behausung des Dr. Fritz 33 fl 5 b (5 b Taglohn der
Meister, 4 1/2 b der Jung, 6 kr der bueb); 1626 Arbei-
ten am Dach des Herrn Stahl, Priesters alt, für 1 fl 7 b 2
kr; 1627 Renovierung der Giebel des Visierhofes
(Schwörhaus, s. auch Herlikofer*): Caspar Vögten
Kürchenmaister von ermeltem Giebel auf und wider-
umb zuemachen [...], den hindern gibel auß zu bes-

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