Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — N.F. 3.1892

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KUNSTCHRONIK

WOCHENSCHRIFT FÜR KUNST UND KUNSTGEWERBE.
Ankündigungsblatt des Verbandes der deutschen Kunstgewerbevereine,

HERAUSGEBER:

CARL von LÜTZOW und ARTHUR PABST

WIEN KÖLN
Heugasse 58. Kaiser-Willielmsring 24.

Verlag von E. A. SEEMANN in LEIPZIG, Gartenstr. 15. Berlin: W. H. KÜHL, Jiigerstr. 73.

Neue Folge. III. Jahrgang. 1891/92. Nr. 2G. 26. Mai.

Die Kunstchronik erscheint als Beiblatt zur „Zeitschrift für bildende Kunst" und zum „Kunstgewerbeblatt" monatlich dreimal, in den
Sommermonaten Juli bis September monatlich einmal. Der Jahrgang kostet 8 Mark und umfasst 33 Nummern. Die Abonnenten der „Zeit-
schrift für bildende Kunst" erhalten die Kunstchronik gratis. — Inserate, ä 30 Pf. für die dreispaltige Petitzeile, nehmen außer der Ver-
lagshandlung die Annoncenexpeditionen von Haasenstein & Vogler, Rud. Mosse u. s. w. an.

die akademische kunstausstellung
in berlin.
l

Die am 15. Mai eröffnete große Kunstausstellung
im Glaspalast am Lehrter Bahnhof untersteht wieder
der Leitung der Akademie. Es ist die 63. in der
1786 begonnenen Reihe, die nur einmal im vorigen
Jahre durch die Jubiläumsausstellung des Vereins
Berliner Künstler unterbrochen worden ist. Wie
verlautet, ist schon für das nächste Jahr (s. die Mit-
teilung an anderer Stelle dieses Blattes) eine neue
Einrichtung des offiziellen Berliner Ausstellungs-
wesens beabsichtigt, vermutlich, weil man eingesehen
hat, dass die gegenwärtigen Zustände nicht länger
haltbar sind. Man will anscheinend auch die großen
Kunstausstellungen „verstaatlichen", d. h. eine Be-
hörde schaffen, die wie die ausgleichende Gerechtig-
keit über den beiden sich oft widerstrebenden Körper-
schaften, dem Senat der Akademie und dem Verein
Berliner Künstler schwebt, die beide mehr oder
weniger verbriefte Rechte auf die Veranstaltung großer
Kunstausstellungen unter der Aegide des Staates zu
haben scheinen. Wir glauben nach zwanzigjähriger
Beobachtung der streitenden Faktoren und der Er-
gebnisse ihrer Kämpfe sagen zu dürfen, dass mit
einer Lösung der Frage in dem eben angedeuteten
Sinne das Kriegsbeil nicht begraben werden wird.
Wenn die Staatsregierung, d. h. doch nach Lage der
Sache eine bestimmte Persönlichkeit im Ministerium,
zu deren Ressort die obersten Kunstangelegenheiten
gehören, die Leitung der Ausstellung in die Hand
nimmt, wird das Misstrauen der freien, nicht mit
der Akademie in Zusammenhang stehenden Künstler,

die ihren Sammel- und Schwerpunkt im Künstler-
verein finden, eher vermehrt als verringert werden,
weil sie sich sagen, der Staat und die Akademie
sind im Grunde eins. Der Senat der Akademie hat
aber bisher noch nicht den Beweis erbracht, dass er
im stände ist, Ausstellungen zu veranstalten, die
dem sich immer stärker ausbildenden Übergewicht
Münchens die Spitze bieten können. Die Jubiläums-
ausstellung von 1886 kann dabei nicht mehr ins
Treffen geführt werden, weil sie durch die inter-
nationale Ausstellung von 1891 in den Schatten ge-
stellt worden ist. Diese ist mit großem Opfermut
und mit geringen Mitteln vom Verein Berliner
Künstler unternommen und mit Ehren, sogar auch
noch mit einem stattlichen Überschuss durchgeführt
worden. Aus dieser internationalen Ausstellung ist
auch nicht, wie von vielen Schwarzsehern befürchtet
wurde, den deutschen Künstlern ein wirtschaft-
licher Schaden erwachsen: der bei weitem größere
Teil der aus dem Verkauf von Kunstwerken ge-
lösten Summen ist vielmehr auf Berliner, Düssel-
dorfer und Münchener Künster entfallen, obwohl
diese der Zahl der ausgestellten Werke nach ge-
ringer vertreten waren als die ausländischen.

An Bemühungen hat es der Senat der Kunstaka-
demie freilich nicht fehlen lassen, damit der Abstand
zwischen der vorjährigen und der diesjährigen Aus-
stellung nicht allzu fühlbar werde. Dem im vorigen
Jahre in München gegebenen Beispiele folgend hat
er die Berliner und auswärtigen Mitglieder der Aka-
demie und, wie es scheint, auch einige andere her-
vorragende Künstler zur Veranstaltung von Sammel-
ausstellungen eingeladen, und dieser Aufforderung
sind Menzel, L. Knaus, Carl Becher, F. Gesekchap,
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