Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — N.F. 3.1892

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Die akademische Kunstausstellung in Berlin.

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Feststellungen nur insofern ins Gewicht, als selbst
bei nur flüchtiger Betrachtung der Kunstweise des
Meisters des Universitiitsaltares kein Zweifel bestehen
kann, dass ein von der Renaissance so vollständig
unberührter Künstler unmöglich der Maler jener
Fresken sein kann, welche in ihrem unmittelbaren
Zusammenhang mit der Architektur des Hofes zweifel-
los die Kunst Italiens verraten.

JULIUS OROESCI1EL.

DIE AKADEMISCHE KUNSTAUSSTELLUNG
IN BERLIN.
III.

Dass die deutsche Landschaftsmalerei trotz des
gewaltigen Aufschwungs, den sie während des letz-
ten Jahrzehnts genommen hat, sich immer noch in
aufsteigender Linie bewegt, ist eine der erfreulichen
Beobachtungen, die wir auf dieser Kunstausstellung
machen, die bei näherem Studium im Grunde ge-
nommen doch besser ist als ihr durch allerhand
Missgriffe und ungünstige Nebenumstände begrün-
deter Ruf. Wir brauchen dabei nicht einmal unsere
Zuflucht zu der bequemen Wendung zu nehmen,
dass die guten Alten sich auf ihrer alten Höhe ge-
halten haben und dass ein wackerer jüngerer Nach-
wuchs ■ dafür sorgt, dass für die Lücken, die der
Tod reißt, schnell ein entsprechender Ersatz gefunden
wird. Selbst einige der Alten und der der mittleren
Generation Angehörigen, von denen man glauben
durfte, dass sie längst zu dem Höhepunkt des für
sie Erreichbaren gelangt wären, haben ihre Kraft
wiederum gesteigert und zum Teil Überraschendes
geboten, vor allen Hans Gude, der nicht mehr weit
von seinem siebenzigsten Jahre entfernt ist, aber
niemals etwas Besseres, Wirkungs- und Poesievolleres
gemalt hat als die „Heimkehr" betitelte Marine,
eine ruhige See, über die im Mittelgrunde ein stolzes
Segelschiff dahinstreicht, während im Vordergrunde
die Insassen von zwei Fischerbooten ihre Netze
emporziehen, in denen die Gefangenen beim Schein
der von Wolken leicht verhüllten Abendsonne in
silbernem Glänze schimmern. Diese Art romantisch-
poetischer Naturanschauung würde bald manierirt
werden, wenn sie nicht immer wieder durch
den unmittelbaren Verkehr mit der Natur ver-
tieft würde, und dieser beständigen Einwirkung
des Vorbildes auf die künstlerische Gestaltungs-
kraft verdankt Gude die geistige und koloristische
Frische seiner Schöpfungen. Mit seinem Namen ist
eigentlich die Geschichte der Landschaftsmalerei in

Deutschland, soweit sie sich mit Norwegen beschäf-
tigt, eng verbunden. Er hat sie in Düsseldorf be-
gründet, in Karlsruhe lebendig erhalten, und seitdem
er in Berlin lebt und schafft, hat sie einen Auf-
schwung genommen, der zwar zum Teil durch nicht
rein künstlerische Gründe hervorgerufen worden,
zum großen Teil aber auch seiner Person zuzu-
schreiben ist. Er war und ist der feste Punkt, um
den sich alle Schilderer der norwegischen Land-
schaften, Strandbilder, Fjorde und Genreszenen in
Berlin vereinigen, und ihm sind aus Düsseldorf
Hans Dahl, A. Normarm, Th. von Eckenbrecher, Frit*
Grebe u. a. nachgezogen. Die Nordlandsmalerei hat
jetzt ihren Sitz in Berlin, wo ihr Weizen blüht,
seitdem Kaiser Wilhelm II. seine Neigung für die
norwegischen Küsten und Hochgebirge durch meh-
rere Nordlandsfahrten kundgegeben hat und an
dieser Neigung festzuhalten scheint.

Zu leichtfertiger Fabrikation sind die Nordlands-
maler trotz der stärker gewordenen Nachfrage aber
nicht verführt worden, und diese Beobachtung giebt
uns die Zuversicht, dass ihr Eifer und die Gründ-
lichkeit ihrer Arbeit auch nicht nachlassen wird,
wenn sich einmal die Mode des Tages Schottland,
Island oder Spitzbergen zuwenden sollte. Es scheint,
dass mehrere dieser Nordlandsmaler im vorigen Jahre
eine gemeinsame Reise nach dem Naeroefjord unter-
nommen und dort ihre Studien gemacht haben, deren
Ergebnisse jetzt in drei Ansichten des von höchst
pittoresken Felsspitzen und -kulmen überragten, von
einem Flüßchen durchzogenen Naeroethals von A.
Normann, Th. v. Eckenbrecher und Fritz Grebe vor
uns stehen. In dem Wettstreit um dieses Motiv hat
Normann den Preis errungen, und er hat außerdem
in vier anderen norwegischen Strand- und Fjord-
landschaften eine so große Kraft der aus rein kolo-
ristischen Gegensätzen gewonnenen, dramatischen
Darstellung entfaltet, dass die beiden anderen an
äußerer "Wirkung hinter ihm zurückbleiben. Ecken-
brecher weiß aber gewisse poetische Luft- und
Lichtstimmungen festzuhalten und malerisch durch-
zubilden, die ihn auch neben den großen Bravour-
stücken Normanns zur Geltung kommen lassen.

Dass die persönlichen, auf die Kunst gerichteten
Neigungen des jetzigen Kaisers einen starken Ein-
fluss auf gewisse Zweige der Malerei und der Plastik
üben, macht sich von Jahr zu Jahr immer mehr gel-
tend, soweit sich bis jetzt übersehen lässt, nur zur
Förderung dieser Kunstzweige. EinegewisseEinseitig-
keit ist dabei freilich maßgebend und herrschend. Neben
den Nordlandslandschaften wird die Marinemalerei,
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