Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — N.F. 3.1892

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Die akademische Kunstausstellung in Berlin.

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lin und einer Börse für Frankfurt a. M., es sind die
berlinisch-griechischen Formen der fünfziger Jahre.
Außerdem sind von demselben viele Reiseskizzen,
namentlich aus Italien und dem Orient ausgestellt.
— Peter Paul Fuchs stellt schöne Häuserfassaden
und die Ansicht einer edel gedachten Villa in Her-
ford aus. — Franz Deckers und Karl Hecher haben
das Hotel auf dem Petersberge gebaut und thun
sich durch eine sehr geschmackvolle Villa in Bar-
men hervor. — Von Boldt & Frings rührt die präch-
tige Fassade des Hauses Cramer in der Hofgarten-
straße her. — polier & Sohn haben die neue Villa
bei der Fahnenburg gebaut, welche deutsche Renais-
sanceformen höchst originell verwertet. Auch die
hübsche Fassade des Deutschen Hauses in der Nähe
des neuen Bahnhofes ist von diesen Architekten. —
Unter den fein gegliederten Häuserfassaden von Otto
van Eis zeichnet sich namentlich die für das Haus
Andreas Achenbachs an der Grafenberger Chaussee
aus, namentlich durch die reizvolle Lösung des Bal-
kons. — Von A. Peters und F. Rüting rühren Wohn-
häuser und Villen her. — Klein <0 Dörschel haben
Entwürfe für Museen in Krefeld und Flensburg. —

Der Rundgang durch die Ausstellung lässt ein
rühriges künstlerisches Schaffen erkennen, das sich
an den zahlreich gestellten Anfgaben heranzubilden
strebt. Möge dem Verein ein ferneres Gedeihen be-
schieden sein, das dem glücklichen Anfang entspricht!

Düsseldorf. —nn.

DIE AKADEMISCHE KUNSTAUSSTELLUNG
IN BERLIN.
II.

Die auch in diesem Jahre wieder durch eine
Reihe tüchtiger Werke bekundete Überlegenheit der
deutschen Plastik über die Malerei giebt uns den
willkommenen Anlass, einige der eigenartigsten und
hervorragendsten dieser Schöpfungen den Lesern in
der „Zeitschrift" in Abbildungen vorzuführen, die
ein tüchtiger Maler und Zeichner, der selbst mit einem
sehr energisch charakterisirten Bildnis des bekannten
Architekten Karl von Großheim auf der Ausstellung
vertreten ist, Kurt Stoeving, nach den Originalen ge-
zeichnet hat. Wir gehen deshalb an dieser Stelle
nicht weiter auf die Plastik ein und beschränken uns
auf die Malerei, die sehr wenig Anlass zu gerechter
Begeisterung und vaterländischem Stolz geben würde,
soweit eben Deutschland in Betracht kommt, wenn
die schon erwähnten Sonder- und Sammelaus-
stellungen nicht dem Ganzen einen gewissen Glanz

gäben, der freilich nicht zu der richtigen Wirkung
gelangt, weil die Leitung auf den Gedanken ge-
kommen ist, diese Sonderausstellungen in schlecht
beleuchteten Seitenkabinetten unterzubringen und die
großen Oberlichtsäle der Hauptachse mit einer Flut
von mittelmäßiger Marktware zu überfüllen, aus der
man nicht zehn, geschweige denn nach der jetzt in
Paris beliebten Mode „hundert Meisterwerke" auslesen
kann.

Der Gedanke oder die Absicht, in diesen Sonder-
ausstellungen der radikalen Jugend der Gegenwart
im Spiegel der Vergangenheit zu zeigen, was sie ver-
leugnen und vernichten will, ist höchsten Lobes wert,
aber er ist so zaghaft, unvollkommen und vor allen
Dingen unlogisch durchgeführt worden, dass nicht
Menzel, Knaus, E. v. Gebhardt, L. Passini, Geselschap,
G. Spangenberg, wie sich's gehören sollte, das große
Wort führen, sondern die breite Mittelmäßigkeit von
heute, die Faprestos, die Spezialisten der Motive,
die jährlich zwei Dutzend Bilder mit einer sich lange
Zeit auf einer gewissen Höhe haltenden Virtuosität
auf den Markt bringen. Mit dem Worte „Markt"
haben wir den wundesten Punkt des Kunstausstellungs-
wesens unserer Zeit berührt. In dem Grade als der
Kunstausstellungsaufwand wächst, als eine neue inter-
nationale Kunstausstellung den früheren den Rang ab-
laufen will, als der Antagonismus zwischen München
und Berlin zunimmt, steigern sich auch die Ansprüche
der am Ausstellungsorte heimischen oder ihm zuge-
hörigen Künstler. Als Mitglieder der Ortsvereine
und der deutschen Kunstgenossenschaft pochen sie
auf ihr Recht, sie wollen den Markt für ihre Schöp-
fungen frei haben, und je mehr man ihnen mit sen-
sationellen d. h. auf das große Publikum wirkenden
Gemälden und Bildwerken ausländischer Künstler
kommt, desto mehr wächst ihre Unzufriedenheit,
die schließlich in Erbitterung umschlägt. Diese Em-
pfindungen und Wünsche haben die Leiter der Aus-
stellung offenbar berücksichtigen wollen, indem sie
die besten und am gleichmäßigsten beleuchteten
Räume der Tagesproduktion öffneten. Wie sehr diese
Maßregel auch vom wirtschaftlichen Standpunkte der
Künstler aus anzuerkennen ist, so wirkt sie doch sehr
nachteilig auf das Gesamturteil über den Wert der
Ausstellung, das vom großen Publikum gewöhnlich
nach dem Inhalte der Hauptsäle abgegeben wird.
Den Anhängern der neuen Richtung, die grundsätzlich
alles ablehnen und bekämpfen, was von seiten einer
akademischen Körperschaft unternommen oder patro-
nisirt wird, und ihren Wortführern in der Presse,
die mit Eifer die Partei Münchens gegen Berlin er-
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