Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — N.F. 3.1892

Seite: 457
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Vereine und Gesellschaften.

— Vermischte Nachrichten.

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L89Q/91: Einnahme 11031 M. 25 Pf., Ausgabe 7724 M. 30 Pf.,
Oberschuss demnach 3900 M. 89 Tf. Von den Überschüssen
erhielt das Museum zwei Drittel, ein Drittel blieb für die
Sammlungskasse des Kunstvereins. Für die oben erwähnte
Verlosung wurden bereits 2402 M. 80 Pf. aufgewandt. An
Mitgliedskarten wurden ausgegeben: 914 für einzelne Per-
sonen, 402 Familienkarten und 120 Semesterkarten.

VERMISCHTE NACHRICHTEN.

II. A. L. Das Dresdener Vildoriahaus. An der Ecke
der See-, Waisenhaus- und der neuen Ringstraße, da, wo
früher das Viktoriahotel stand, hat der Goldarbeiter Mau
ein neues großartiges Geschäftshaus erbauen lassen, das die
Bezeichnung Viktoriahaus führen soll. Es ist das gelungenste
Bauwerk, das seit Jahren in Dresden aufgeführt worden ist,
und fesselt das Auge des Beschauers durch seine Größe und
die Pracht seines Materials (schlesischer Sandstein) schon
von weitem. Besonders gelungen erscheint der mächtige,
auf vier Stockwerken ruhende Westgiebel, auf dem sich eine
Viktoria erheben soll. Hinter dem Giebel befindet sich ein
Turm, der noch nicht fertig gestellt ist. In der Mitte des
Giebels bemerken wir ein Wappen, das einen Adler zeigt.
Zwei durch drei Stockwerke hindui'ch gehende Erker lagern
sich zu beiden Seiten der Hauptgiebelfront vor. Das mit ge-
waltigen Granitsäulen versehene Erdgeschoss, das für Läden
bestimmt ist, findet seine Fortsetzung in dem darüber lie-
genden niedrigeren Zwischengeschoss, so dass beide Teile
als zusammengehörig aufgefasst werden können. In ähn-
licher Weise wie die Stirnseite nach der Seestraße sind die
nach der Ringstraße und der Waisenhausstraßo gelegenen
Seitenansichten des Gebäudes behandelt. Auch hier haben
wir es wieder mit zwei gewaltigen Giebelanlagen in je drei
Stockwerken zu thun, die im wesentlichen dieselbe Ausfüh-
rung zeigen, wie der bereits geschilderte Stirngiebel. Reicher
plastischer Schmuck, unter dem die Büste des Fürsten Bis-
marck auffällt, belebt das Ganze in angenehmster Weise.
Jedenfalls ragt das Bauwerk weit über alles hervor, was in
neuester Zeit in Dresden geschaffen worden ist. Dieses Lob
kann selbst der Umstand, dass das Viktoriahaus sich viel-
fach eng an das Braunschweiger Gewandhaus, namentlich
an dessen von den Meistern Magnus Klinge und Baker
Klinge im Jahre 1590 erbauten Ostgiebel anlehnt, nur wenig
beeinträchtigen. So lange unserer Zeit die Kräfte zu selb-
ständigem Erfinden nnd Schaffen fehlen, ist es immer noch
besser, sich an ein gutes Vorbild anzulehnen, als auf eigene
Faust unbrauchbare Pfuscherarbeit zu liefern. — Wie wir
hören, soll vom Herbste dieses Jahres ab der Liehtenbergsehe
Kunstsalon, der den Sommer über geschlossen bleibt, in
einem Raum des neuen Viktoriahauses wieder eröffnet wer-
den, wo er hoffentlich das nötige Licht, das bisher allen
Dresdener Kunsthandlungen fehlt, finden wird.

H. A. L. Aus der Mitteilung über die Tiedgestiftung
in Dresden für das Jahr 1891 ergiebt sich, das,s ' mit dem
31. Januar 1892 das erste halbe Jahrhundert seit dem Be-
stehen der Stiftung verflossen ist. Ihr Vermögen, das am
Schlüsse des ersten Jahres nur 2857 Thaler betrug, beläuft
sich gegenwärtig auf 003200 Mark, welche eine Zinsenein-
nahme .von 20857 Mark 83 Pf. ergaben. Für künstlerische
Zwecke wurden davon 2300 Mark als Abschlagszahlung an
den Bildhauer Professor Kietz in Dresden für Modellirung
einer Herme Richard Wagners verausgabt. 15450 Mark be-
trug der Aufwand für Ehrengeschenke und Unterstützungen
an Dichter, Künstler und deren Hinterlassene. Der nach Ab-

zug dieser Ausgaben und des Verwaltungsaufwandes verblei-
bende Bestand von 22013 Mark 19 Pf. steht für weitere
künstlerische Zwecke zur Verfügung, unter denen außer der
bereits erwähnten Kietzschen Herme vor allem die Herstel-
lung einer Brunnenfigur für den Holbeinplatz in Dresden-
Altstadt ins Auge gefasst worden ist. — Bei dieser Gelegen-
heit sei erwähnt, dass die von dem Bildhauer Professor
Donndorf im Auftrage des Stiftungskomitees angefertigte
Büste des Majors Serre ebenso wie die von Professor Kietz
geschaffene Büste des Bürgermeisters Dr. Hertel in dem neu
begründeten städtischen Museum zu Dresden ihre Aufstel-
lung gefunden haben.

0 Der Plan einer Weltausstellung in Berlin war in den
letzten Wochen in Vereinen, Versammlungen und auch von
den städtischen Behörden Berlins lebhaft erörtert worden.
Es hatte sich dabei eine dem Plane günstige Stimmung unter
den Gewerbetreibenden, Bankiers, Hotelbesitzern und Gast-
wirten Berlins geltend gemacht, und der Vorstand des Ver-
eins zur Beförderung des Gewerbfleißes hatte sich mit einer
Eingabe an den Reichskanzler gewendet. Darauf ist nun
unter dem 20. Mai ein Antwortsschreiben des Grafen von
Caprivi erfolgt, aus dem hervorgeht, dass die Reichsregicrung
dem Plan sehr zurückhaltend gegenüber steht. Graf von
Caprivi ist der Ansicht, dass man erst die von unsern Kauf-
leuten und Gewerbetreibenden nach der Weltausstellung in
Chicago gemachten Erfahrungen abwarten solle, bevor man
an eine Weltausstellung in Berlin geht, „die nur unter-
nommen werden darf, wenn ihr die Aussicht auf einen vollen
Erfolg soweit als irgend möglich gesichert ist."

0 Der Katalog der 63. Ausstellung der königlichen
Akademie derKünste zu Berlin ist im Verlage von Pud. Schuster
wieder in zwei Ausgaben erschienen, in einer kleinen in
Duodezformat zum Preise von 1 M. und einer größeren, mit
100 Abbildungen versehenen Oktavausgabe zu 2 M. Er
führt 1420 Ölgemälde, 370 Aquarelle und Zeichnungen, 40
Kupferstiche u. s. w., 240 Bildhauerwerke und 05 architek-
tonische Zeichnungen auf.

*** Eduard Dc/ailles Gemälde „Auszug der Garnison
von Ilüningen", das zu den Hauptwerken des diesjährigen
Pariser Salons gehört, ist von einem Ungenannten gekauft
und dem Staate für das Luxembourgmuseum geschenkt
worden.

*** Professur Friedrich Prcller in Dresden hat dem Gym-
nasium in Weimar, zu dessen Schülern er gehört hat, die
Kartons zu seinen vier im Museum Albertinum in Dresden
ausgeführten Wandgemälden: Athen, Pergamon, Olympia und
Aegina zum Geschenk gemacht.

z. Die Firma J. Schmidt in Florenz hat ein neues vor-
trefflich ausgeführtes Kunstblatt in Farbenholzschnitt her-
ausgegeben, eine Wiedergabe des Bildes Apollo und die
Musen von Giulio Romano. Die Herstellung der Platten
besorgten wiederum die Meister dieses Gebietes, H. & R.
Knöfler in Wien. Es war weniger auf eine genaue Darstel-
lung des Originals abgesehen, als vielmehr, ein gefälliges
Zierblatt zu schaffen, und die etwas harten Physiognomien
des Bildes sind daher in der Wiedergabe etwas verändert
worden. Die Ausführung des Blattes ist wie bei den frü-
heren derartigen Veröffentlichungen vortrefflich. Das Blatt
trägt die Unterschrift Apollo in choro musarum, hat 42x23
cm Bildgröße und kostet sechs Mark.

H. A. L. Nachdem der letzte Landtag eine größere
Summe für den bildnerischen Schmuck der neuen Dresden' r
Kunstakademie ausgeworfen hat, ist ein großer Teil der
Dresdener Bildhauer mit Aufträgen bedacht werden. Zu
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