Bock, Nils
Die Herolde im römisch-deutschen Reich: Studie zur adligen Kommunikation im späten Mittelalter — Mittelalter-Forschungen, Band 49: Ostfildern, 2015

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Herolde und Zeremonien

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Augsburg in dessen unmittelbaren Nähe. Der Herold sei auf die lange Reihe
von Grafen gefolgt, die der Herzog von Sachsen angeführt habe. Einzig der
Hauptmarschall Wilhelm von Pappenheim als Träger des Reichsschwertes
habe sich zwischen Herold und König befunden. Diese Positionierung des
Herolds hat sich sowohl beim Einzug Maximilians I. beim Kölner Reichstag
1505 als auch im Rahmen dessen Kaiser kr önung im fahr 1508 in Trient wie-
derholt.845
Seine idealisierte Form fand der Einzug unter Maximilian I. im sogenann-
ten „Triumphzug". Dieser ist eine überdimensionale Allegorisierung des kai-
serlichen Lebens und bot, wie bei antiken Triumphzug auch, viel Platz zur
Repräsentation. Er sollte die Erinnerung an den Hofstaat, das adlige Gefolge
und die Verwandten Maxmilians festhalten sowie seine Überlegenheit in allen
höfischen Bereichen rühmen. Des Weiteren sollten die Länder seines Hauses,
die Dynastie, die Siege sowie die Staatsakte dargestellt und der dauerhaften
Erinnerung eingeschrieben werden. Dabei prägte allerdings die antike Form
herrscherlicher Selbstdarstellung weder die Kostüme der Personen noch die
Inhalte. Der römische Triumph diente lediglich als Rahmen zur Darstellung
des Herrscherhauses und der res gestae Maximilians.846
In diesem Zug gehen die Herolde (hier Ernholde genannt) direkt vor dem
Reichsbanner, dem Reichsschwert und dem kaiserlichen Triumphwagen. Da-
mit nehmen die Herolde die Position ein, die Romreich beim Einzug in Aachen
1486 innehatte. Dies bedeutet zum einen, dass der „Triumphzug" in der
Marschreihenfolge durchaus an historischen Beispielen angelehnt ist, wenn-
gleich die Anzahl der Teilnehmer und die Ausstattung diese übersteigen. Zum
andern lässt sich erkennen, dass der „Triumphzug" vor allem darüber Aus-
kunft gibt, welche Elemente für Maximilian I. zum Zeitpunkt der Entstehung

845 Zum Reichstag in Freiburg siehe Deutsche Reichstagsakten, Mittlere Reihe, Deutsche Reichs-
tagsakten unter Maximilian I., Bd. 6: Reichstage von Lindau, Worms und Freiburg 1496-
1498, bearb. von Heinz GOLLWITZER, Göttingen 1979, Nr. 3,1, S. 603-605; für den Einzug in
Augsburg siehe Regesta Imperii XIV, Nr. 10511 und für Köln siehe Deutsche Reichstagsak-
ten, Mittlere Reihe, Bd. 8, Nr. 786, S. 1118-1168, hier S. 1143-1146 sowie die Abrechnungen
Ebd., Nr. 803, S. 1238-1246, hier S. 1238-1240 und Ebd., Nr. 808, S. 1252-1267, hier S. 1257-
1265. Zum Einzug in Trient am Tag vor der Kaiserkrönung am 04.02.1508 siehe Francesco
GUICCIARDINI: Storia d'Italia, hg. von Silvana SEIDEL Menchi, Turin 1971, Buch 7, Kap. 12.
Fugger gibt nur an, dass Romreich die Krönung Maximilians I. im Anschluss in den Straßen
Trients verkündet haben soll. Fugger, Spiegel, Buch VI, Chap. XIII, S. 1246. Zum histori-
schen Kontext und den Begleitumständen der Kaiserkrönung an einem außergewöhnlichen
Ort siehe Wiesflecker, Maximilian I., Bd. 4, S. 9-10. Wiesflecker spricht dem Reichsherold(?)
die Aufgabe zu, dass entblößte Reichsschwert vorangetragen zu haben. Dies lässt sich Guic-
ciardini nicht entnehmen: però venuto a Trento per dare principio alla guerra, fece fare il terzog di
di febbraio una solenne processione, dove andò in persona, avendo innanzi a sé gli araldi imperiali e la
spada imperiale nuda; Guicciardini, Storia, Buch 7, Kap. 12. Marino Sanuto erwähnt die He-
rolde gar nicht; Sanudo, I diarii di Marino Sanuto, Bd. 7, Sp. 293-294.
846 Müller, Gedechtnus, S. 150-153. Siehe die Editionen von Kaiser Maximilians I. Triumph, hg.
von Franz Schestag, Graz 1995 (ND aus dem Jahrbuch der Kunsthistorischen Sammlungen
des Allerhöchsten Kaiserhauses 1, 1883); Horst Appuhn: Der Triumphzug Kaiser Maximili-
ans I. 1516-1518. 147 Holzschnitte von Albrecht Altdorfer, Hans Burgkmair, Albrecht Dürer
(u.a.). Mit dem vom Kaiser Maximilian diktierten Programm und einem Nachwort von Horst
Appuhn, Dortmund 1979.
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