Bock, Nils
Die Herolde im römisch-deutschen Reich: Studie zur adligen Kommunikation im späten Mittelalter — Mittelalter-Forschungen, Band 49: Ostfildern, 2015

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Herolde und Zeremonien

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Zur Untersuchung dieser Fragestellungen werden vier verschiedene Zeremo-
nien in den Blick genommen, deren Gliederung sich nach dem den Herolden
zugeschriebenen Handlungsmustern orientiert. Sie reichen von ihrer Präsenz
bei der Einholung einer Braut im Vorfelde ihrer Vermählung an einen frem-
den Hof und anderen Formen von Ein- und Umzügen über öffentliche Ver-
kündigungen bei der Krönung oder Ritterpromotionen bis zu symbolisch auf-
geladenen Handlungen bei Entehrungen und Begängnissen aus Anlass könig-
licher Funeralzeremonien.
Bei der Betrachtung des Untersuchungsfeldes „Herolde und Zeremonien",
ist prinzipiell zwischen der Präsenz von Herolden als Zuschauern sowie Be-
obachtern und ihrer bewussten Einbeziehung in Handlungsabläufe zu unter-
scheiden. Die Anwesenheit von Herolden lässt sich über die Vergabe von Ge-
schenken an sie nach weisen und ist beispielsweise für die Königswahlen und -
krönungen im römisch-deutschen Reich recht früh seit der Erhebung Wen-
zels I. zum römisch-deutschen König im Jahr 1376 belegt.822 Konkrete Hand-
lungsabläufe zur Tätigkeit von Herolden sind erst etwas später erwähnt.
8.1 Hochzeiten
Vor den eigentlichen Hochzeitsfeierlichkeiten konnten Herolde sich den Ge-
sandtschaften anschließen, welche die Vorbereitung der Heiratsverbindung
und die Modalitäten der Zusammenführung der Brautleute begleiteten.823 War

ten des Raumes in zeremoniellen Situationen. Das Heilige Römische Reich, 14.-15. Jahrhun-
dert, in: Zeremoniell und Raum, hg. von Werner PARA VICINI, Sigmaringen 1997 (Residenzen-
forschung, 6), S. 129-153; SPIESS: Kommunikationsformen im Hochadel; SCHENK, Zeremoni-
ell; SCHWEDLER, Herrschertreffen; Jörg PELTZER, Gerald SCHWEDLER, Paul TÖBELMANN
(Hgg.): Politische Versammlungen und ihre Rituale. Repräsentationsformen und Entschei-
dungsprozesse des Reichs und der Kirche im späten Mittelalter, Ostfildern 2009 (Mittelalter-
Forschungen, 27). Zu Festen siehe Andreas Ranft: Feste des deutschen Adels am Ausgang
des Mittelalters, Form und Funktion, in: Il tempo Ubero, economica e società (loisirs, leisure,
tiempo libre, Freizeit) secc. XIII-XVII. Atti della „ventiseiesima settimana di studi", 18-23 ap-
rile 1994, hg. von Simonetta CAVACIOCCHI, Florenz 1995, S. 245-256; Gerhard FOUQUET,
Harm von Seggern, Gabriel Zeilinger (Hgg.): Höfische Feste im Spätmittelalter, Kiel 2003
(Mitteilungen der Residenzen-Kommission. Sonderheft, 6). Zu den Einkleidungspraktiken
als Teil der Inszenierung siehe Frieling, Kleidung.
822 Vgl. die Geschenkliste oben Anm. 646. Bei der Wahl Ruprechts von der Pfalz in Frankfurt im
Jahr 1400; vgl. HAMMES, RitterHcher Fürst, S. 72. Für die Wahl Sigmunds im Jahr 1414 vgl.
Deutsche Reichstagsakten, Altere Reihe, Bd. 7, S. 243-245 und im Nachhinein seiner Kaiser-
krönung siehe Deutsche Reichstagsakten, Altere Reihe, Bd. 9, Nr. 160, S. 294.
823 Im Jahr 1447 hat beispielsweise der Herold Ungarland eine Gesandtschaft Herzog Albrechts
VI. nach Brügge begleitet, die über die mögliche Hochzeit zwischen der Prinzessin von Gel-
dern, Nichte PhiHpps des Guten und dem österreichischen Herzog verhandeln sollte: A Hon-
grelant le Hérault, pour don a lui fait par mondit seigneur quant il est nagaires venu devers luy en la-
diete ville de Bruges avec et en la compagnie de certains ambassadeurs du duc d'Ostriche pour faire et
traitier le mariage de mademoiselle de Gheldres, niepche de mondit seigneur, entre ledit duc d'Ostrich
d'une part et madicte demoiselle de Gheldres d'autre part, la somme de XXX £. liüe, ADN, B 1994,
fol. 166v-167r (Heraudica ID 13122). Wahrscheinlich ist hiermit Maria von Geldern gemeint,
die im Jahr 1449 den schottischen König Jakob II. heiratet. Im Jahr 1446 wurde bereits Fud-
wig I. von Württemberg von dem Herold Pfalz an den burgundischen Hof begleitet, um mit
der Grafschaft von Mömpelgard belehnt zu werden; FiUe, ADN, B 1991, fol. 193r (Heraudica
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