Bock, Nils
Die Herolde im römisch-deutschen Reich: Studie zur adligen Kommunikation im späten Mittelalter — Mittelalter-Forschungen, Band 49: Ostfildern, 2015

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Von militärischer Übung zum Kampfspiel

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fer, dessen Turnierteilnahmen von der Demonstration der Konformität mit
dem Ritterideal und der Suche nach persönlicher Auszeichnung bestimmt
waren. Auch unter Karl V. setzte sich die Turniertradition fort, doch gerieten
die Veranstaltungen, wie jene von Franz I. von Frankreich und Heinrich VIII.
von England, zu Veranstaltungen mit immer stärkerem politischem Impetus,
was sich in Burgund der 1460-1470er lahre bereits angedeutet hatte.
2 Aufgaben und Funktion der Herolde beim Turnier
Wie eingangs erwähnt sind das Turnier und die Entwicklung der Herolde auf
das Engste verbunden. Sie waren es, die dazu beitrugen, dass das Turnier zu
einem Ereignis und damit für das Publikum und somit auch für die Akteure
noch attraktiver wurde. Turnier und Hof boten der Gruppe der Unterhalter
und Dichter eine Möglichkeit zur Sicherung ihres Auskommens und aufgrund
ihrer positiven Wirkung auf die Veranstaltung wie auf die Teilnehmer wurde
es nützlich sie im adligen Umkreis einzubinden, auf den sie ihrerseits zu-
rückwirkten. Aus der besagten Gruppe hoben sich die Herolde durch ihre
umfangreichen Kenntnisse von Personen und Wappen hervor. Die Ursachen
für die zwischen dem 11. und der Mitte des 12. lahrhunderts aufkommende
Gewohnheit unter den europäischen Adligen, auf Schilden und Fahnen indi-
viduelle farbliche und symbolische Kennzeichnungen, Wappen, anzubringen,
sind vielfältig.156 Vor allem Fahnen mit Zeichen, welche die Zugehörigkeit zu
einer - häufig auf der Basis der lehnsrechtlichen Verpflichtungen der Einzel-
nen - sich konstituierenden Gruppe unter der Führung ihres Lehnsherrn zeig-
ten, haben einen großen Einfluss auf die weitere Entwicklung des Wappenge-
brauchs gehabt. Zunächst befanden sich individuelle Zeichen auf den Schil-
den, die jedoch nur eine dekorative Funktion besaßen. Im Zuge des Verände-

156 Siehe Michel Pastoureau: Traité héraldique, Paris 20034, S. 20-58. Die Adligen waren weder
die erste noch die einzige Trägergruppe der heraldischen Formsprache. Auch die ita-
lienischen Stadtkommunen sowie der Papsthof gehörten zu ihnen. Vielmehr wird hierin eine
„internationale" Kommunikations- und Wissenskultur deutlich, die zu einem späteren Zeit-
punkt eine gesellschaftsweite Expansion erfährt; Christoph Friedrich Weber: Frühheraldi-
sche Fahnenbilder. Die Entstehung eines neuen Zeichentyps als Medium der hochmittelalter-
lichen Kommunikations- und Wissenskultur, in: La communicazione del sacro (secoli IX-
XVIII), hgg. von Agostino PARA VICINI Bagliani, Antonio RlGON, Rom 2008 (Italia sacra, 82),
S. 143-193, hier S. 148-150. Zur weiteren Entwicklung des Wappenwesens und seiner me-
thodischen Behandlung siehe Werner Para VICINI: Gruppe und Person. Repräsentation durch
Wappen im späteren Mittelalter, in: Die Repräsentation der Gruppe, hgg. von Otto Gerhard
Oexle, Andrea VON Hülsen-Esch, Göttingen 1998 (Veröffentlichungen des Max-Planck-
Instituts für Geschichte, 141), S. 327-389; Ludwig Biewer: Wappen als Träger von Kommu-
nikation im Mittelalter. Einige ausgewählte Beispiele, in: Medien der Kommunikation, hgg.
von Auge / Spiess, S. 139-154; Wolfgang Achnitz (Hg.): Wappen als Zeichen. Mittelalterli-
che Heraldik aus kommunilations- und zeichentheoretischer Perspektive, Berlin 2006 (Das
Mittelalter, 11,2); Torsten Hiltmann: Potentiah ties and Limitations of Medieval Armorials as
Historical Source. The Representation of Hierarchy and Princely Rank in Late Medieval Col-
lections of Arms in France and Germany, in: Princely rank in late medieval Europe. Trodden
paths and promising avenues, hgg. von Thorsten HUTHWELKER, Jörg PELTZER, Maximilian
WemhöNER, Ostfildern 2011 (RANK. Politisch-soziale Ordnungen im mittelalterlichen Euro-
pa, 1), S. 157-198 und Huthwelker, Darstellung, S. 21-67.
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