Bock, Nils
Die Herolde im römisch-deutschen Reich: Studie zur adligen Kommunikation im späten Mittelalter — Mittelalter-Forschungen, Band 49: Ostfildern, 2015

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Medium adliger Kommunikation

lagen dieser Kenntnisse können auf der Basis der bekannten Vergleichsbei-
spiele nur vermutet werden, der holländisch-brabantische Raum scheint aber
für Herolde des römisch-deutschen Reichs eine große Bedeutung besessen zu
haben.

8 Herolde und Zeremonien
Seiner Aussage zur Rolle der Herolde bei der Übergabe von Absagen gleich
schrieb Thomas Isaac, alias Toison d'or, in seinem Traktat über das Heroldsamt
auch eine Passage bezüglich des Platzes, den Herolde bei jeglicher Art von
Zeremonien besetzen sollten:
Item ont lesdits empererurs, roys et princes ordonnez que quan Uz chevau-
chleront soit en ville ou aux champs, auxl entrées des bonnes villes, en guerre
ou aulx grandes festes solemnelles et principales de Tan, assavoir Pasques,
Penthecoste, Toussainctz et Noel, ou quant les diettes et estatz se tiendront,
iceulx officiers d'armes allent ou chevauchent devant eulx, chevauchant au
plus pres de leurs personnes, leurs costes d'armes vestues, ou vrayment a
aultre grande assemblée de nobles.820
Isaac postuliert also, dass Herolde sich bei Einzügen, im Rahmen von Zere-
monien, religiösen Festen und Versammlungen „so-nah-wie-möglich-beim-
Herrscher" befinden und ihren Wappenrock tragen sollten. Auch hier schließt
sich die Frage an, ob dies der historischen Realität des Heroldsamtes im rö-
misch-deutschen Reich entsprochen haben kann. Zugleich knüpft dies an den
Befund an, wonach Herolde als Repräsentanten ihrer Herren agierten. Die
zentralen Fragestellungen bilden hier ebenfalls diejenigen Fragen nach den
Inhalten, die über den Einsatz von Herolden symbolisch-expressiv vermittelt
werden sollten, der Funktion dieser Handlungen im Rahmen der jeweiligen
historischen Kontexte und der Entwicklung, die sich innerhalb des Reichs und
im europäischen Vergleich erkennen lässt. Übernahme und Adaptation von
kulturellen Praktiken und der europaweite Austausch sind dabei Kategorien,
die im Folgenden in Bezug auf die Tätigkeit der Herolde untersucht werden
sollen.
Vor dem Hintergrund der aktuellen Forschungen über Feste, Rituale und
Zeremonien, die deren bewusste Gestaltung durch die Herrschaftsträger und
ihr Umfeld hervorheben, schließen sich die Fragen an, welche Funktion die
Präsenz von Herolden gehabt haben könnte und was durch sie zum Ausdruck
gebracht werden sollte.821

820 Wien, ÖNB, cod. 7223, fol. 149v. Transkribiert von SlMONNEAU, Grandeur, S. 160 und An-
nexe 18.
821 Vgl. oben Anm. 55 und Barbara Stollberg-Rilinger: Zeremoniell als politisches Verfahren.
Rangordnung und Rangstreit als Strukturmerkmal des frühneuzeitlichen Reichstags, in:
Neue Studien zur frühneuzeitlichen Reichsgeschichte, hg. von Johannes Kunisch, Berlin
1997 (Zeitschrift für historische Forschung. Beiheft 19), S. 91-132; Michail A. BOJCOV: Qualità-
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