Bock, Nils
Die Herolde im römisch-deutschen Reich: Studie zur adligen Kommunikation im späten Mittelalter — Mittelalter-Forschungen, Band 49: Ostfildern, 2015

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Heroldsamt. Ursprung, Ausbildung, Institutionalisierung

nicht-adlige Gesandte von Fürsten hindeuten. Besonders anschaulich tritt
dieser Umstand in Erscheinung, wenn Personen sich die Bezeichnung als He-
rold zulegten, um in betrügerischer Weise die im Vergleich zu Almosen hohen
Geldgeschenke für Herolde zu erhalten.
Schließlich trat ein symbolischer Wert der Geschenke hinzu, da der Herold
nicht nur ein Geld erhielt, sondern auch sein soziales Kapital vermehrt wurde,
indem sein Status als Repräsentant seines Herrn Anerkennung fand. Mittels
der Gabe wurde zugleich eine Aussage über die Beziehung zwischen dem
Herrn und der Stadt getroffen. Aus diesem Grund konnten die Geschenke an
Herolde als Investitionen zugunsten der diplomatischen Ziele und Mittel der
politischen Kommunikation einer Stadt bezeichnet werden. Die dadurch ent-
stehende Last sollte durch Geschenkordnungen reglementiert und die Ten-
denz zur „Externa li sier ung" der Unterhaltung von Hofunterhaltern durch
Adlige unterbrochen werden.

5 Institutionalisierung
Fragt man nach dem Status der Herolde innerhalb der mittelalterlichen Gesell-
schaft und der adligen Welt so hat dies unter Berücksichtigung des Milieus zu
geschehen, aus dem sie stammen. Die zuvor behandelten Punkte der Entwick-
lung, Übernahme und Verbreitung des Konzepts des Heroldsamtes im Reich
lassen sich zugleich als Beschreibung der Bildung einer eigenständigen Einheit
der Herolde aus der allgemeinen Gruppe der fahrenden Leute im Rahmen des
ritterlichen Turniers lesen. Motor dessen war ein Prozess, der als Ausdifferen-
zierung, Verbreitung und Organisation von Wissensbeständen beschrieben
werden kann und all jenes zum Gegenstand hatte, was Standes- und Rangver-
hältnisse betraf und von dem das Wissen um die Identifizierung von Wappen
und seinem adligen Inhaber nur die Basis bildete und als dessen Spezialisten
die Herolde angesehen wurden.498

498 Zum Verständnis der „Professionalisierung" als Prozess, der sich entlang der steigenden
Bedeutung von Fachwissen ausrichtet, siehe Rainer Christoph SCHWINGES: Zur Professionali-
sierung gelehrter Tätigkeit im deutschen Spätmittelalter, in: Recht und Verfassung im Über-
gang vom Mittelalter zur Neuzeit, Bd. 2: Bericht über Kolloquien der Kommission zur Erfor-
schung der Kultur des Spätmittelalters 1996 bis 1997, hgg. von Hartmut Boockmann (u.a.),
Göttingen 2001 (Abhandlungen der Akademie der Wissenschaften in Göttingen, Philolo-
gisch-Historische Klasse, 3. Folge, 239), S. 473-493, hier S. 473-474. Diese Studie ist für viele
Bereiche anregend gewesen, fokussiert allerdings auf die Gelehrten und Universitätsabsol-
venten. Des Weiteren kann der Begriff die Ausübung einer Tätigkeit als Beruf bezeichnen;
Heinz Noflatscher: Räte und Herrscher. Politische Eliten an den Habsburgerhöfen der ös-
terreichischen Länder 1480-1530, Mainz 1999 (Beiträge zur Sozial- und Verfassungsgeschich-
te des Alten Reiches, 14), S. 292 und Christian Hesse: Amtsträger der Fürsten im spätmittelal-
terlichen Reich. Die Funktionseliten der lokalen Verwaltung in Bayern-Landshut, Hessen,
Sachsen und Württemberg 1350-1515, Göttingen 2005 (Schriftenreihe der Historischen
Kommission bei der Bayrischen Akademie der Wissenschaften, 70), S. 18-20. Für die vorlie-
gende Arbeit fruchtbar war die Anwendung und Adaption des Begriffs auf die Träger städti-
scher Außenpolitik, da sie die Verbindung von Fachwissen und berufsmäßiger Tätigkeit her-
stellt und operational macht; Christian JÖRG, Michael JUCKER: Städtische Gesandte - Städti-
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