Bock, Nils
Die Herolde im römisch-deutschen Reich: Studie zur adligen Kommunikation im späten Mittelalter — Mittelalter-Forschungen, Band 49: Ostfildern, 2015

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Medium adliger Kommunikation

vom König lag.851 Diese heraus gehobene Stellung wurde auch dadurch in
Szene gesetzt, dass die königliche Fahne als Symbol des Königs gesondert
durch den Herold als königlichen Repräsentanten überführt wurde. Auf diese
Weise wurde die Zurschaustellung majestätischen Geltungsanspruchs der
herrscherlichen Majestät verstärkt, was sich in die Gesamtbewertung des Köl-
ner Reichstages einfügt, der als Höhepunkt der Regierungszeit Maximilians I.
gewertet wird.852
8.4 Adliges Selbstverständnis und Zugehörigkeitsvoraussetzung des Adels: Ritterschaft
8.4.1 Ritterpromotionen
Das Herausstellen der besten und tapfersten Kämpfer durch Herolde war eine
essentielle Aufgabe beim Turnier. Gleiches galt auch für die Taten der Adligen
bei Kriegszügen und Schlachten, wovon insbesondere ein Teil der Schriften
der Herolde zeugt. Einen besonderen Kontext stellten die bereits erwähnten
Preußenreisen dar, bei denen es Herolden zugestanden haben soll, die am
meisten ausgezeichneten Adligen an den Ehrentisch auf der Marienburg zu
platzieren.853
Eine andere Form der ritterlichen Promotion war die Vergabe des Ritter-
schlages, in deren Rahmen die Einbeziehung eines deutschen Herolds nur im
Zusammenhang der Aachener Krönung Maximilians im fahr 1486 als Ausru-
fer nachgewiesen werden konnte. Aufmerksamkeit erregt dieser Befund
dadurch, dass Herolde in diesem Zusammenhang in Frankreich nicht belegt
sind.854
Vom König oder Kaiser zum Ritter geschlagen zu werden, hatte einen ho-
hen symbolischen Wert, was sich an mehreren Faktoren ermessen lässt.855 Als

851 Vgl. Karl-Heinz Spiess: Das Lehnszeremoniell als konstitutives Element der Reichsverfas-
sung, in: Lehenswesen in Deutschland, hg. von Dems., S. 171-173 und zur symbolischen
Ausdeutung feierlicher Belehnungen als Aktes „sozialer Magie" in Anlehnung an Bourdieu
Barbara Stollberg-Rilinger: Des Kaisers alte Kleider, S. 64-85.
852 Zu den weiteren Bewertungen des Kölner Reichstages siehe Dietmar Heil: Einleitung, in:
Deutsche Reichstagsakten, Mittlere Reihe, Bd. 8, S. 76-77.
853 Vgl. zu den Schriften der Herolde unten Anm. 940. Zum Ehrentisch siehe Para vicini, Preu-
ßenreisen, Bd. 1, S. 316-329.
854 Der Ritterschlag wird auch in Frankreich im Rahmen der Krönungen seit Karl VI. vorge-
nommen, was etwas später ist, als dies für römisch-deutsche Könige der Fall ist; vgl. Phlippe
Contamine: Points de vue sur la chevalerie en France à la fin du Moyen Age, in: Francia
4 (1976), S. 255-285, hier S. 276-279 und oben Anm. 856. Die Einbeziehung von Herolden in
diese Zeremonie ist aber unbekannt, wie die Beispiele der nur zwei vor der Aachener Krö-
nung vorgenommenen Konsekrationen Ludwigs XI. im Jahr 1461 und Karls VIII. im Jahr
1484 belegen. Stattdessen begleiteten die Herolde den Zug zur Einholung der Heiligen Am-
pulle; vgl. für 1461 Théodore GODEFROY: Le cérémonial françois. Bd. 1, Paris 1649, S. 172-173
und 184-207; für 1484 MOLINET, Chroniques, Bd. 1, Kap. XCVII, S. 426-427 (Heraudica
ID 17262) und GODEFROY, Cérémonial, Bd. 1, S. 227-228.
855 Das ganze Spektrum möglicher Rahmen für den Erhalt des Ritterschlages und seine zeitliche
Entwicklung findet sich dargestellt von Contamine, Points de vue. Des Weiteren Werner
RÖSENER: Art. Schwertleite, in: Lexikon des Mittelalters, Bd. 7 (1995), Sp. 1646-1647; Para VI-
CINI, Kultur, S. 34 und 41. Zum Ritterschlag entsteht eine Doktorarbeit von Daniel Lizius
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