Bock, Nils
Die Herolde im römisch-deutschen Reich: Studie zur adligen Kommunikation im späten Mittelalter — Mittelalter-Forschungen, Band 49: Ostfildern, 2015

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Die Entstehung des Heroldsamtes

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Kategorien, die sich vor allem anhand der überlieferten Rechnungsbücher gut
bewerten lassen.
4.2 Europäischer Verbreitungsprozess des Heroldsamtes im 14. Jahrhundert
Die Patronage und Aufnahme von Herolden an die Höfe Adliger kann als der
Prozess beschrieben werden, der zur Ausdifferenzierung des Heroldsamtes im
14. Jahrhundert entscheidend beigetragen hat. Die präzise Zuschreibung eines
Herolds zu einem Herrn und die Vergabe von Namen mit einem eindeutigen
Bezug auf einen bestimmten Herrn (Patronage) bilden die wichtigsten Etap-
pen innerhalb dieses Prozesses.362 Die Bezeichnungen von patronisierten He-
rolden orientieren sich zumeist an Toponymen der Herrschaft, einer Burg,
einer Stadt ihrer Herren, mit dem vermehrten Gebrauch von Devisen. Die
Zugehörigkeit zu Ritterorden bildet einen weiteren Bezugspunkt. Dem fügt
sich die Vergabe der Wappenröcke ihrer Herren hinzu. Im Gegensatz dazu
standen die lautmalerischen Namen vom Typus fahrender Leute, wie sie in
höfischen Romanen in Erscheinung getreten sind. Da über diese Zeit hinaus
keine weiteren Editionen königlicher Rechnungen aus England vorliegen,
wird auf die gut erschlossenen Hofhaltungsrechnungen des Grafenhauses
Holland und des Grafen Johann von Blois-Chätillon-Blois zurückgegriffen.363
Aufgrund der räumlichen Nähe auch zu den Gebieten des Reichs östlich des
Rheins kann ihnen zugleich eine erhebliche Aussagekraft über die Entwick-
lung des Heroldsamtes im Reich zugesprochen werden.364
4.3 Patronage: Instrument der höfischen Integration von Herolden am Beispiel hollän-
disch-hennegauischer Rechnungsbücher
Die Rechnungsbücher der holländisch-hennegauischen Grafen und des Grafen
Johann von Blois-Chätillon sollen im Folgenden auf den Kontext der ersten
Erwähnungen von Herolden, den Prozess ihrer Aufnahme an adlige Höfe,
Charakteristika dieses Vorgangs und Unterschiede zu fahrenden Herolden
sowie die den Herolden zugewiesenen Tätigkeitsfelder hin untersucht wer-
den. Den Anfang machen die französischsprachigen Dokumente der Ausga-

Hiltmann darauf hingewiesen, dass der in der älteren Forschung angeführte Verweis auf die
vermeintliche Zugehörigkeit der Herolde zu einem einheitlichen sozialen Milieu des fahren-
den Volkes nicht ausreicht, um ihren Status zu klären. Auch der Hinweis auf die in den
Schriften der Herolde zum Ausdruck kommende Zuschreibung eines gewissen Standes und
Ansehens muss kritisch hinterfragt werden; HlLTMANN, Heroldskompendien, S. 20-29. Aus
diesem Grund steht in der vorliegenden Arbeit die Wechselbeziehung zwischen der Perspek-
tive des einzelnen Herolds und der Gruppe der Hofunterhalter im Mittelpunkt der Betrach-
tung, soweit dies aufgrund der Überlieferung möglich ist.
362 Im Zusammenhang der von Eduard III. im Jahr 1338 verteilten Geschenke konnte dies be-
reits beobachtet werden; siehe oben Anm. 358.
363 Vgl. oben Anm. 328 und Anrooji, Spiegel, S. 21. Die gleichzeitigen Rechnungen des Grafen
von Geldern (1342/43) enthalten keine Heroldsbelege; siehe Janssen, Fürstenhof.
364 Hierauf haben in Hinblick auf das Phänomen der Herolde hingewiesen Peters, Herolde,
S. 236 und Para vicini, Kultur, S. 81.
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