Zeitschrift für Ästhetik und allgemeine Kunstwissenschaft — 1.1906

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DIE ÄSTHETISCHE ILLUSION IM 18. JAHRHUNDERT. 43

durch gewisse idealistisch-metaphysische Anwandlungen abgedrängt
worden ist, und wie er, unter dem Einfluß der Kantischen Ethik doch
wieder unversehens das ethische Moment in das ästhetische einge-
mengt hat. Dies würde uns aber hier zu weit führen und auch nicht
mehr unmittelbar mit der Illusion zusammenhängen. Uns muß ge-
nügen, gezeigt zu haben, daß die ersten Geister des 18. Jahrhunderts
den Zweck der Kunst in der Lust sahen, ihre Analogie mit dem Spiel
deutlich empfanden, ihre Wirkung auf die Illusion zurückführten und
das Charakteristische der ästhetischen Anschauung nicht in dem
Gefühl, sondern in der Herrschaft über das Gefühl, in der geistigen
Freiheit erkannten. Es ist deshalb nicht zu viel gesagt, wenn man die
Illusionsästhetik als eine Fortsetzung der klassischen Ästhetik,
genauer gesagt der nicht metaphysischen, nicht ethischen Seiten der
klassischen Ästhetik bezeichnet.
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