Zeitschrift für Ästhetik und allgemeine Kunstwissenschaft — 11.1916

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346 BESPRECHUNGEN.

durch Angabe anderweitiger Momente in der complexio oppositorum jener seltsam-
großen Zeit ergänzt (S. 106, 131). Mit besonderem Interesse macht er die Besitzer
der Antikensammlungen namhaft (S. 55, 61 ff., 65 f., 73, 84, 86, 89 ff., 92 f.), dabei
auch solche von Gemäldesammlungen (S. 61 f., 86), und berichtet, daß »fast alle
Wohnungen der Vornehmen zahlreiche Antiken bargen« (S. 34). Auch über die
Wanderungen der kostbaren Schätze unterrichtet uns der Historiker (S. 13, 55, 84).
Anschaulich schildert der Verfasser das Mittelalterliche im Bilde Roms der Renais-
sance: »Nicht bloß in Trastevere, auch sonst starren jene zahlreichen Burgtürme
zum Himmel, mit denen einst alle Wohnungen der Vornehmen, besonders der
Kardinäle, versehen waren und die auch noch später als Zeichen des Adels bei-
behalten wurden. Vierkantig, mit Schießscharten ausgestattet und mit Zinnen ge-
krönt .. . Der Hauptturm des Senatspalastes auf dem Kapitol mit seinen Zinnen
und den Laternen an den vier Ecken trägt noch völlig das Gepräge des 14. Jahr-
hunderts. Aber auch bei den Kirchen erblickt man fast nur mittelalterliche Glocken-
türme; die wenigen Kuppeln aus der Zeit Sixtus' IV. verschwinden infolge ihrer
Niedrigkeit fast gänzlich ...« (S. 8; z. v. 33, 56, 60, 81). »An malerischem Reiz
kam damals kein Stadtteil Trastevere gleich . ..« Im Jahre 1553 hat es Pieter
Brueghel aufgenommen (S. 70). Der Rione di Ponte mit seinen Wohnhäusern des
Quattrocento (S. 33 ff.) und der Rione di Parione mit seinen Palästen (S. 50 ff.) re-
präsentieren den Renaissancetypus. Die beigegebenen Abbildungen für das Tre-
cento (und früher) und das Quattrocento sind besonders dankenswert, nur daß bei
einigen (S. 35, 52) der Schatten in der photographischen Aufnahme den Stilcha-
rakter des Bildes schädigt.

Wir schließen uns dem Urteil des Verfassers an: »Neben diesen Palästen sind
von nicht geringem kunstgeschichtlichen Interesse die kleineren Wohnhäuser, denen
man erst in neuester Zeit eingehendere Beachtung geschenkt hat. An ihnen kann
man die ganze Entwicklung des römischen Häuserbaues vom Mittelalter bis zur
modernen Zeit studieren« (S. 36) und möchten es auch — in der entsprechenden
Beschränkung — auf die vorliegende eigene Arbeit des Verfassers beziehen.

München.

___________Georg Schwaiger.

Han6 Preuß, Das Bild Christi im Wandel der Zeiten. Leipzig, Verlag
R. Voigtländer, 1915. 2. Auflage. Lex. 8°. 113 S. und 113 Abbildungen.

In der vorliegenden Schrift weist der Verfasser darauf hin, daß die vier Evange-
lien uns mit keinem Wort etwas über das Äußere Christi sagen. Die menschliche
Phantasie versuchte schon frühzeitig, ein Bild von ihm zu schaffen; es wurden drei
Bildnisse als authentisch ausgegeben: 1. Das Abgarusbild, das Christus dem König
Abgarus von Edessa zugeschickt haben soll (Rom, Paris und Genua streiten sich
um den Besitz des echten Bildnisses; es ist ein byzantinisches Werk aus dem
4. Jahrhundert). 2. Das Veronikabild, auf dem Reste eines verblichenen Christus-
kopfes zu sehen sind; dieses Bild wird in der Peterskirche zu Rom aufbewahrt.
3. Ein Christusbild, das einer Medaille nachgebildet ist, die Abguß einer alten
Gemme ist. Da die Medaille erst im 15. Jahrhundert bekannt wurde, läßt sich die
Echtheit nicht feststellen.

Jede Zeit, so führt Preuß aus, malte sich selbst in ihrem Christusbild. Im 1. Jahr-
hundert waren wohl Reminiszenzen an die Antike vorhanden, aber keine unmittel-
bare Anlehnung, denn die Christusdarstellung mit Zeuszügen wäre nach damaliger
Anschauung mit Verdorrung der Hände gebüßt worden. Der »gute Hirte« hat mit
dem einen Widder tragenden Hermes nichts Gemeinsames, da zur Zeit des guten
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