Zeitschrift für Ästhetik und allgemeine Kunstwissenschaft — 11.1916

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4g6 BESPRECHUNGEN.

darin den festen Willen und die Hoffnung Voelckers, sein Material durch das prak-
tische Experiment zu beleben und dann erst das letzte Wort zu seinem Problem
zu sprechen. Hoffen wir, daß das neugegründete Institut zur Heranbildung von
Inszenatoren und Regisseuren kein Kriegsprovisorium ist, sondern zu einer bleiben-
den, kunstwissenschaftlichen Institution wird. Vielleicht kann Voelckers »Hamlet«-
arbeit dann auch den Fakultäten die Notwendigkeit klarlegen, daß die junge Bühnen-
wissenschaft ebenso ihr Laboratorium und Seminar braucht, wie die Kunstwissen-
schaft,'Musikwissenschaft und seit Lamprecht jede Geschichtsforschung.
Leipzig.

Ernst Lert.

Franz Studniczka, Die griechische Kunst an Kriegergräbern. 8". 31 S.,
l'J Abbildungen im Text u. 24 Tafeln. B. Q. Teubner, Leipzig.

Die kleine Schrift, die vom Verlage besonders reich ausgestattet wurde, ist aus
einem Vortrage erwachsen, die F. Studniczka an einem »vaterländischen Abend« in
Leipzig gehalten hat. Er nennt sie einen »ohne wissenschaftliche Ansprüche unter-
nommenen Versuch, einen weiten Kreis durch Bild und Wort mit der griechischen
Kunst an Kriegergräbern bekannt zu machen«. Diese Absicht erfüllt das Büchlein
in vollem Maße. Die behandelten Gegenstände dürften allerdings vielfach auch
weiteren Kreisen bekannt sein. Die Grabvase vom Dipylon in Athen, Klazomenische
Tonsarkophage, Reliefs vom Grabturm in Xanthos, um nur einige der beschriebenen
Kunstwerke zu nennen, sind schon sehr oft stilistisch und historisch eingeordnet
worden. Aber die Zusammenstellung des Gebotenen ist neu und spricht für die
Meisterschaft des Verfassers, mit einem überreichen Stoffe souverän zu schalten.
Auf eine Disharmonie sei jedoch aufmerksam gemacht, die den Genuß an der
Lektüre beeinträchtigt. Der Verfasser hat die Form der Rede im Druck beibehalten;
er wendet sich an eine »Hochansehnliche Versammlung«, die er sehr bald darauf
verweist, Tafelbild l1 zu betrachten oder Benndorf, Heroon von Gjölbaschi-Trysa
Taf. 10, B. 4, S. 122 zu vergleichen, »nur daß hier der Schwertarm noch höher gegen
die linke Schulter hinauf geschwungen ist«. Derartige Anmerkungen, welche das
wissenschaftliche Pflichtgefühl des Verfassers bezeugen, könnten wohl bei populärer
Behandlung des Stoffes fortbleiben oder an den Schluß gerückt werden, um so
mehr als die Form des Vortrags beibehalten wurde.

Berlin. Alfred Werner.
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