Zeitschrift für Ästhetik und allgemeine Kunstwissenschaft — 34.1940

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BESPRECHUNGEN

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„Innerhalb des Hochbarock gehört Borromini zunächst zu jenem Zweig, der die
„Einflächigkeit" bewahrt. Das bindet ihn über den „Frühbarock" zurück an die klas-
sische Kunst" (S. 159). Insofern seine Kunst Reliefkunst ist, gehört er noch zu der
vorangehenden Kunst des 16. Jahrh. „Endlich hat Borromini in einzelnen Gebilden
eine Auffassung angebahnt, die umgedeutet zu einem Grundprinzip des Spätbarock,
vor allem des deutschen, geworden ist" (S. 160).

Man kann gegen die Ausführungen Sedlmayrs — wie es im Vorhergehenden an
einigen Stellen angedeutet wurde — im einzelnen manchen Einwand logischer und
systematischer Art geltend machen, aber man wird ihm im Methodischen zustimmen
und die grundsätzlichen Erkenntnisse, die mit Hilfe dieser Methode errungen wer-
den, anerkennen müssen. Wie der „Neue Versuch über Borromini", der dem Text
voransteht, zeigt — und vielleicht liegt dies auch mit in der knappen Kürze des
Aufsatzes begründet —, ist der Verfasser hier zu einer neuen und klaren Sicht
gelangt, und man möchte dem Leser raten, diese Abhandlung am Schlüsse des
Buches noch einmal zu lesen. Dann wird ihm das Wesentliche, das was der Ver-
fasser über den Künstler aussagen wollte, erst eigentlich vor Augen treten. Inso-
fern ist dieser Aufsatz eine bedeutende Bereicherung der Neuauflage des Buches,
dessen eigentlicher Wert — dies sei nochmals betont — nicht in der Darbietung
neuen Materials, sondern in seinem Reichtum an Anregungen gelegen ist.

Breslau. Hubertus Lossow.

Stoltenberg, Hans L.: Reine Farbkunst in Raum und Zeit. Eine
Einführung in das Filmtonbuntspiel. Zweite, völlig umgearbeitete und vermehrte
Auflage. 1937. Verlag Unesma G.m.b.H., Berlin NW. 87.
Der eine oder andere Leser dieser Zeitschrift wird gewiß Gelegenheit gehabt
haben, einen Buntfilm von Fischinger oder Ruttmann zu sehen, wenn er auch nicht,
wie zufällig der Verfasser dieser Zeilen vor vielen Jahren an jener Matinee auf dem
Kurfürstendamm in Berlin teilgenommen hat, bei der eine ganze Reihe verschiedener
„abstrakter" Filme vorgeführt wurde. Mindestens werden dem ästhetisch interessier-
ten Besucher des Kinos die Wandlungen aufgefallen sein, die bei gewissen Reklame-
filmen unter dem Einfluß eines Strebens nach ästhetisch genießbarer Bildgestaltung
zu beobachten sind. Die Nachwirkungen des ästhetischen — nicht des „weltanschau-
lichen" — Expressionismus sind hier, wie auf vielen anderen Gebieten der Werbung
unverkennbar. Abgesehen aber von dieser praktisch-künstlerischen Auswertung haben
die Experimente des farblich „abstrakten" Filmes auch ihre grundsätzliche ästhe-
tische Bedeutung. Diese besteht in der Untersuchung des ästhetischen Wertes der
farblichen, bewegten Lichtbilder. Die psychologische und phänomenologische Ästhetik
hat hier ein dankbares Arbeitsgebiet, das bislang im wesentlichen außer von Anschütz
in Hamburg wohl nur von Stoltenberg in seiner lebendigen Bedeutung gewürdigt
worden ist.

Einen Grundriß der Beschreibung und Deutung der sich hier darbietenden Er-
scheinungen hat Stoltenberg in dem vorliegenden kleinen Werk aufgezeichnet. Wie
der Gegenstand ein unbegrifflich-anschaulicher ist, so sind seine Ausführungen über-
wiegend darauf gerichtet, die Phänomene in möglichst anschaulicher Sprache fest-
zuhalten. Dies gelingt weitaus am besten in dem fünften Teil, der sprachbildlich eine
Schilderung „Im Farbspielhaus" darbietet, die dem Leser am ehesten einen Eindruck
von den in Frage stehenden Phänomenen vermittelt. Zu dieser Schilderung wird der
Leser gedanklich hingeführt in kurzen und eindringlichen Darlegungen einiger
Grundfragen der reinen Tonkunst, der reinen Farbkunst und der Verhältnisse beider
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