Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 27.1902

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Η. ν. PROTT UND W. KOLBE, DIE INSCHRIFTEN

er muss also die Gelder anweisen. Weshalb man aber diese
Ausgaben mit Geldern für Kultzwecke bezahlte, können wir
aus unserer Inschrift ersehen. Die eingehenden Strafgelder
sollen einen Fonds zur Ausbesserung des Nymphenheiligtums
(IV 32 f.) bilden, d. h. den ί,εραι πρόσοδοι zufliessen. Deshalb
war die Bestimmung gerechtfertigt, dass die Reparaturen der
Quellbrunnen auf diese Kasse angewiesen wurden.
Die folgenden Vorschriften sind interessant für den damaligen
Stand der hygienischen Verhältnisse. Das Waschen und Vieh-
tränken an den öffentlichen Brunnen wird unter empfindliche
Strafen gestellt. Das war gewiss eine Neuerung, durch die sich
Pergamon weit über die übliche Gleichgiltigkeit in diesen Din-
gen erhob. Die Strafandrohungen unterscheiden nicht nur zwi-
schen Freien und Sklaven — das war ja in der griechischen
Rechtsanschauung begründet (Plato Gesetze VI 764 B, vgl. CIA
IV 2, 192 c und Michel Recueil Nr. 405) — sondern auch zwi-
schen Sklaven, die auf Befehl ihrer Herren, und solchen, die
auf eigene Verantwortung handeln. Auch hier gilt der Grund-
satz, dass der Freie nicht geschlagen werden darf, und infol-
gedessen bei ihm eine Geldstrafe zu der Konfiskation des
Eigentums hinzukommt. Handelt nun ein Sklave auf Befehl
seines Herrn, so wird durch die Konfiskation des corpus delicti
der Besitzer getroffen, während der Sklave selbst mit Prügeln
bestraft wird. Ungleich härter ist seine Busse, wenn er ohne den
Schutz eines Befehls die gesetzlichen Bestimmungen überschrei-
tet : er wird seines Eigentums beraubt (ών μέν άν έ'χη) und erhält
hundert Schläge im Marterstock; dann bleibt er zehn Tage im
Holz gebunden und erhält zum Schluss eine zweite Prügelstrafe.
Dass der Stock, κυφών, auch in Athen Anwendung fand, wis-
sen wir aus Kratinos’ Worten εν τφ κΰφωνι τον αυχένα έχων
(Kock Com. Att. fr. 115), die Pollux X 177 anführt und fol-
gendermaassen erklärt: ή που νοητέον ώς σκεύος ήν τι άγορα-
νομικόν, φ τον αυχένα ένΟέντα έδει μαστιγοΰσθαι τον περί την
αγοράν κακουργοΰντα. Wenn der Grammatiker die Anwendung
des Instrumentes auf den Markt beschränkt, so haben wir den
Grund dafür lediglich in dem Zusammenhänge der Stelle bei
Kratinos zu suchen.
Man vergleiche zu diesen Bestimmungen die Inschrift ausKeos
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