Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 27.1902

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DIE ZEIT DES ÄLTEREN PARTHENON.
(Hierzu Tafel XIII. XIV).

Vor io Jahren veröffentlichte ich in dieser Zeitschrift (1892,
S. 158) einen Aufsatz über den «älteren Parthenon», jenen
Tempel, den L. Ross bei seinen Ausgrabungen auf der Akro-
polis im Jahre 1835 unter dem perikleischen Parthenon ent-
deckt hatte. Unter anderem suchte ich darin nachzuweisen,
dass dieser Tempel nicht der alte von den Persern zerstörte
Hekatompedos sei, wie man früher allgemein geglaubt hatte,
sondern ein viel grösserer Tempel, der erst nach den Perser-
kriegen errichtet worden sei. Die ältere Ansicht hatte sich zu
einer Zeit gebildet, als der weiter nördlich gelegene «alte
Athena - Tempel» noch nicht bekannt war und daher der «äl-
tere Parthenon» als der einzige grössere vorpersische Tempel
gelten musste. Die Nachricht des Hesych über einen von den
Persern verbrannten älteren Tempel (s. v. έκατόμπεδος νεώς)
konnte man damals nur auf die unter dem Parthenon liegen-
den Reste beziehen. An ein älteres Erechtheion zu denken, war
wegen des grossen Maasses von 100 Fuss ausgeschlossen.
Aber zwei Thatsachen blieben bei der älteren Ansicht ohne
Erklärung. Erstens sollte der verbrannte Tempel nach Hesych
um 50 Fuss kürzer sein als der perikleische Bau ; aber in
Wirklichkeit iibertraf der ältere Parthenon den jüngeren Tem-
pel noch um mehrere Meter. Zweitens bestanden die in der
Nordmauer der Akropolis verbauten Säulentrommeln, welche
man dem alten Hekatompedos zuschrieb, aus Marmor und wa-
ren unfertig, während die weiter westlich eingebauten Gebälk-
stücke, die man ihm ebenfalls zuteilte, einem fertigen und
schon bemalten Porosbau angehörten.
Das erste Bedenken suchte man dadurch wegzuschaffen,
dass man auf dem grossen, vorzüglich fundamentierten Unter-
bau einen kleineren, den Maassen Hesychs entsprechenden
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