Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 27.1902

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FR. CALVERT UND H. THIERSCH

ergeben — in Kollision geriet, scheint ihm unbewusst geblie-
ben zu sein. Schon Leacke Journal of a tour on Asia Minor,
London 1821 hatte auf seiner Karte Paläokastro mit Rhoiteion
identifiziert. Ich komme also nur auf seine Ansicht zurück.
Die Akropolis von Paläokastro, 700 Fuss über dem Meer,
beherrscht in grossartiger Weise den Plellespont. Baureste der
Stadt bedecken das Plateau und ziehen sich besonders am
Westabhang des Berges thalabwärts. Der bereits erwähnte Molo
ist an ruhigen Tagen unter dem Wasser gut sichtbar. Gegen
Osten hin ist die Akropolis von dem übrigen Bergrücken, des-
sen Ende sie bildet, durch Wall und Graben getrennt. Gegen
Norden ist der steile Absturz zum Hellespont ein natürlicher
Schutz1. Nur wenige griechische autonome Münzen stammen
von Paläokastro. Diese sind aber überhaupt noch eine Selten-
heit 2. Griechische Prägungen der Kaiserzeit fehlen, häufig kom-
men dagegen römische vor. Die Nekropolis — Steinkisten und
Ziegelgräber—hat bis jetzt nur wenig andere als römische Fund-
stücke ergeben.
3. Ophrynion.
Da, wo wir eben die Lage des alten Rhoiteion erwiesen ha-
ben, hatte Schliemann Ilios 60 die Stadt Ophrynion 3 angesetzt.
Ich vermute die Stelle dieser Stadt vielmehr in der antiken
Ortslage gerade nördlich vor Ren-köi, zu beiden Seiten des
hier tief einschneidenden μέγα ρέμμα4. Es finden sich nämlich
keine anderen antiken Stadtreste zwischen Paläokastro und Mal-
tepe (Dardanos), und andrerseits giebt es bei den alten Autoren
keine andere alte Stadt zwischen Rhoiteion und Dardanos als
eben Ophrynion. Strabo XIII 1, 29 erwähnt es gleich hinter
Dardanos und sagt, dass es nahe bei diesem liege. Schliemann

1 Vgl. Schliemann, Troja (englische Ausgabe) S. 305.—Wroth Cat. of coins in
the Br. M. Troas S. XXX.
2 Wroth a. a. 0. S. XXXI.
3 Vgl· Virchow Alttrojanische Gräber tind Schädel S. 8 ff.
4 Vgl. Wroth a. a. 0. und die dort angeführte Litteratur. Auch Kiepert hat
diese Ansicht angenommen. Bei «Rhoiteion» kann es zweifelhaft sein, ob er die-
sen Namen Paläokastro oder Tavolia zugedacht hat. Er steht auf der Karte zwi-
schen beiden Ruinenfeldern.
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