Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 27.1902

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PHOBOS

20Ι

genügt es einen flüchtigen Blick auf die dämonische Geltung
des Bären zu werfen, um zu verstehen, wie leicht man in diesem
Tiere auch einen Dämon des Schreckens erblicken konnte.
Die Bedeutung der Artemis Brauronia soll hier nur eben
gestreift werden. Zamolxis wurde bei den Thrakern in Bären-
gestalt verehrt oder, was dasselbe ist, mit einem Bärenfell be-
kleidet vorgestellt (Porphyrius vita Pythagorae 14). Die Spanier
hielten das Gehirn des Tieres für giftig und verbrannten feierlich
die Köpfe getöteter Bären (Plinius n. h. VIII 130). Für dämoni-
sche Geltung des Bären im Volksglauben vergleiche Keller Tiere
des klass. Altertums 109 f. Aus einer Handschrift des XIII. Jahr-
hunderts teilt Du Cange Gloss. med. et inf. Lat. s. v. Carnele-
varium über das römische Fest der Dominica dimissionis car-
nium folgendes mit: occidunt ursum, occiditur diabolus, id est
temptator nostrae carnis (s. A. de Gubernatis Die Tiere in
der indogermanischen Mythologie S. 426, 2).
Der esthnische Name des Donnergottes soll auf ein finni-
sches Nomen für Bär zurückweisen, der nordische Donnergott
Thunar-Thor selbst den Beinamen des Bären geführt haben (de
Gubernatis S. 431). Verehrung des Bären in Innerasien bezeugt
Bachofen a.a. 0. S. 14 f. Nicht ohne Bedeutung ist der Bär als
Münzbild auf gallischem Gelcle (Bachofen S. 38) oder solchem
von Mantineia (Imhoof-Blumer und Keller Tier- und Pflanzeyi-
bilder Taf. II, 3). Eine merkwürdige Darstellung bietet eine
etruskische Aschenkiste des Berliner Museums (Beschreibtmg der
ant. Skulpt. 1302 ; Archäol. Zeitung III 1845 Taf. 25): die Pforte
der Unterwelt, aus deren Rahmen Tierköpfe hervorwachsen,
wird von einem Manne mit tierischem (Bären- oder Wolfs-)
Kopf überragt: gewiss eines von den Schreckensgespenstern
der Unterwelt und des Namens Φόβος nicht unwert1. Aber
ein ungleich wichtigeres Monument führt die Frage weiter.
Es ist eine bekannte Sitte, das Grabmal und seinen Inhalt
vor zerstörungssüchtigen und beutegierigen Händen dadurch
zu sichern, dass man Inschriften anbrachte, die den Grabes-

1 Vgl. in der Beschreibung der antiken Skulpturen zu Berlin S. 510 den Hinweis
auf eine Reihe von Urnen, «auf denen eine ähnliche Figur, aus einem Brunnen
auftauchend,die Umstehenden erschreckt (Conestabile Mon. di /Vr.Taf.LXXIV f.)».
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