Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 27.1902

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INSCHRIFTEN AUS LEUKAS

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Als Fundort wurde uns von dem damaligen Besitzer der
Bronze1 eine Stätte Sto Gulä auf den Bergen südwestlich von
Sywros genannt; obwohl dieser seine erste unbefangene Aus-
sage später selber zurückgenommen hat, ist an ihrer Richtig-
keit nicht zu zweifeln. Der Name Gulä2 eröffnete gute Aus-
sichten—Guläs heissen z. B. heute die von De Ridder und Noack
untersuchte, von diesem mit Arne identifizierte, gewaltige myke-
nische Burgruine am Kopais-See und die nicht minder gross-
artige bei Lato auf Kreta—und so unternahmen auf Dörpfelds
Aufforderung E. van Hille und ich an der Stelle eine kleine
Ausgrabung, leider ohne grossen Erfolg.
Sto Gulä liegt hoch oben auf einem Ausläufer, den das Dia-
miliani-Gebirge in die sumpfige Ebene von Wassiliki entsendet,
innerhalb des spitzen Winkels, den südwestlich von Sywros
die beiden sich vereinigenden Bäche Rupakiäs und Karucha
bilden : ein kleines von Nordwesten nach Südosten orientiertes
Plateau, nach Westen und Osten steil abfallend, eingesattelt
zwischen zackigen, schnell ansteigenden Felsmassen im Norden
und einer letzten Felserhebung im Süden, die hinreicht, dem
Südwinde freien Zutritt zu wehren; daher, da gegen Osten
das mächtige Diamiliani-Gebirge Schutz bietet, eigentlich nur
West- und Südwestseite ungeschützt liegen. Nach Südwesten
öffnet sich der Blick auf die Ebene, aus der sich die von
Partsch (Leukas S. 20) Phara benannte Ruinenstätte, davor
eine andere kleinere, Sta Marmara, erheben, und weiterhin
auf die Bai von Wassiliki. Alles in allem ein Platz wie ge-
schaffen für ein kleines einsames Heiligtum. Und dass ein
solches in der That hier oben gelegen hat, haben die z. T.
auf und dicht unter der Oberfläche aufgefundenen zahlreichen
Ziegelstücke und einzelne bis zur Unkenntlichkeit abgewaschene
Terrakotten, die sich allenfalls als Athena-Statuetten ausdeu-
ten Hessen, Gefässscherben, ein Spinnwirtel, Bronzeblechstrei-
1 Er besass ausserdem noch eine Doppelaxt mit stark gebogenen Schneiden
aus dünnem Bronzeblech, etwa 8 cm breit, 6,5 hoch, in der Mitte 0,75 cm breit
und zur Aufnahme des Stiles durchlocht.
2 Nach Lölling in Bädekers Griechenland3 * S. 192 heisst Guläs albanesisch
'Turm5, nach De Ridder BCH 1894, 2701 Cchäteau\ Bei G. Meyer Etymol. Wörter-
buch der alban. Sprache findet sich das Wort in dieser Bedeutung nicht.
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