Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 27.1902

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DIE ZEIT DES ÄLTEREN PARTHENON 401
bei Besprechung der Durchschnitte als Werk des Perikies ken-
nen gelernt. Sie reicht nicht bis an die S. W. -Ecke des Tem-
pels, weil die älteren Terrassen hier schon die richtige Höhe
hatten; schon die Porosmauer des zweiten Baustadiums (QH
in Abb. 5) reicht bis zum späteren Tempelplateau hinauf. Nur
im östlichen Teile der Burg, wo die Aufhöhung hauptsächlich
erst in perikleischer Zeit erfolgte — hier sind die grossen Mas-
sen von Marmor-Bauschutt des perikleischen Tempels zur Auf-
schüttung benutzt — wurde die bedeutende Verstärkung für not-
wendig gehalten.
Mit dieser Verstärkung und dem Ergasterion sind wir schon
zum vierten Stadium des Tempelbaues, zur Zeit des Perikies
gelangt. Denn auch das· Ergasterion muss, wie wir schon sahen,
jünger sein als die Mauer des Kimon, und ist wahrscheinlich
erst von den Arbeitern des jüngeren Parthenon als Bauhütte
benutzt worden. In unserer Abb. 6 ist daher auch schon der
perikleische Grundriss des Tempels gezeichnet, von dem älte-
ren Bau sieht man nur noch die durch Schraffierung hervorge-
hobenen über den jüngeren Bau herausragenden Teile des
Unterbaues. Ob jene Werkstatt in erster Linie zur Herstellung
des Goldelfenbeinbildes des Phidias gedient hat, wie es von
dem Ergasterion dieses Künstlers in Olympia überliefert ist
(Paus. V 15), oder ob sie etwa für die Bildhauer der Giebel-
gruppen, der Metopen und des Frieses bestimmt war, wird sich
nicht mehr feststellen lassen.
Erst nach Fertigstellung des jüngeren Parthenon, als die
kimonische Südmauer erhöht und verbreitert wurde, ist im
Osten des Tempels der Fels abgearbeitet und im Westen die
bekannte treppenförmige Stützmauer hergestellt worden. Von
dem nördlichen, aus dem gewachsenen Felsen gehauenen Stück
der letzteren Mauer ist der untere Teil noch erhalten, von ihrem
südlichen Stücke existiert dagegen nur noch das Fundament,
das aus denjenigen Stylobatplatten des «alten Athena-Tempels»
zusammengefügt ist, die bei Errichtung des Erechtheions ent-
fernt werden mussten (vgl. Athen. Mitt. 1897, 166 unten). Dass
durch diese Tatsache die Annahme nahe gelegt wird, dass der
Erechtheionbau sofort nach Fertigstellung des Parthenon be-
gonnen wurde, mag nebenbei erwähnt werden.

ATHEN. MITTEILUNGEN XXVII.

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