Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 27.1902

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EIN TÜRKISCHES WERK ÜBER DAS ÄGÄISCHE MEER

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So ist das Werk des türkischen Seehelden in seiner Voll-
ständigkeit für die Kunde des ägäischen Meeres im Mittelalter
eine unschätzbare Quelle. Es hat aber bis jetzt ein eigener
Unstern über ihm gewaltet, so dass weder von türkischer Seite
je an eine Veröffentlichung durch den Druck gedacht worden
noch im Abendland seine Kenntnis zu den am meisten daran
beteiligten Kreisen gedrungen ist, da sich bislang nur Orienta-
listen und diese unter ungünstigen Umständen mit ihm be-
schäftigt haben. Wenn ich das nachholen und durch eine
Probe das Interesse der Archäologen erwecken kann, so ver-
danke ich dies vor allem dem ersten Forscher in der mittel-
alterlichen Kunde vom ägäischen Meer, Plerrn Dr. E. Jacobs,
der mich auf die Handschrift der Kgl. Bibliothek in Berlin
hingewiesen und durch seine reiche Kenntnis der Litteratur
unterstützt hat, und meinem verehrten Lehrer, dem Tübinger
Orientalisten Herrn Professor Seybolcl, dem ich meine Kennt-
nisse im Türkischen danke und der den Hauptanteil an der
Feststellung des Textes hat.
Den ersten und einzigen Versuch, den Wert des Werkes ins
richtige Licht zu setzen, hat der Orientalist von Diez in seinen
Denkwürdigkeiten aus Asien (Berlin 1811, S. 33—71) gemacht,
an der Hand der von ihm aus der Hinterlassenschaft des 1789
verstorbenen Sultans Abdul Hamid in Constantinopel erwor-
benen Berliner Handschrift. Da jedoch in dieser Handschrift
die Einleitung fehlt und die Anordnung gestört ist, so konnte
er weder den Verfasser noch die ursprüngliche Form des
Werkes erkennen. Als Verfasser nahm er einen sagenhaften
Murad Kaptan an, die Zeit ermittelte er aus einer Notiz in der
Beschreibung von Rhodos richtig als die des Sultans Suleiman.
Den Verfasser hat dann Pertsch in seinem Katalog der türki-
schen Handschriften der Kgl. Bibliothek in Berlin Nr. 184,
S. 203 ff., 58t durch den Vergleich mit der Dresdener und
Wiener Handschrift erkannt 1 ; er merkte aber erst nach der
Niederschrift seiner Beschreibung, dass schon eine von Diez
existierte. Beider Inhaltsangaben sind zum grossen Teil fehler-
1 Vor ihm schon von Hammer Geschickte des Osman. Reiches I, XXXI 12,
III 414 f.
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