Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 27.1902

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R. HERZOG

clel eine sehr schöne Handschrift des Piri Reis angeboten wor-
den, jedoch zu einem so übertriebenen Preise, dass er vom
Ankauf habe absehen müssen. So ist diese Handschrift ver-
schollen, wie wohl noch manche andere.
Die Berliner, Dresdener und Wiener Handschrift hatte ich
im Jahr 1900 dank dem gütigen Entgegenkommen der Biblio-
theksdirektionen alle zusammen in Müsse mit Herrn Professor
Seybolcl studieren können. Um ein klares Bild der Überlieferung
und des Inhalts zu geben wählte ich als Probe die Beschrei-
bung der Küsten von Attika aus, nicht als ob sie wich-
tige neue Notizen enthielte, sondern weil sie an sich beson-
deres Interesse bietet, mit abendländischen Beschreibungen ver-
glichen werden kann1 und nicht zuletzt, weil sie aus einer Zeit
stammt, als man im Abendlande nicht mehr wusste, wo Athen,
die Mutter der Wissenschaften gelegen sei, bis es der Tübin-
ger Humanist Martin Crusius von neuem entdeckte (1575).
Die Varianten der drei Handschriften sind sachlich so ge-
ringfügig, dass es sicher ist, dass sie nicht verschiedene Redak-
tionen, sondern nur Abschriften eines Werkes darstellen. Die
Vergleichung des geAvonnenen Textes mit dem der Jeni-Dscha-
mi-Handschrift ergab dasselbe Resultat.
Zur Veranschaulichung des KartenAverkes giebt Tafel XV die
Karte von Attika in der Berliner, die Abbildung auf S. 425 die-
selbe Karte in der Dresdener Handschrift — beide nach photo-
graphischen Aufnahmen, für deren Herstellung ich Herrn Dr.
LudAvig Lange in Tübingen zu Dank verpflichtet bin. Die er-
stere enthält zugleich den ganzen Text. Von einer Umschrift
des türkischen Textes in lateinische Buchstaben glaube ich an
dieser Stelle absehen zu dürfen. Die Lesung und Übersetzung
ist, AAÜe schon bemerkt, durch die Beihilfe der Herren Professor
Seybold, Dr. Gies und Dr. Halil Edhem Bey zustande gekom-
men, doch kann ich bei dem überaus schAvierigen Stil des Ver-
fassers an einigen Punkten nicht für absolute Richtigkeit bür-
gen. In der Angabe der Varianten sind die Zeichen der Hand-
schriften B D W ohne weiteres verständlich.

1 Wachsmuth Stadt Athen I 725 ff. Athen. Mitt. 1889, 217; 1897, 423 ff. 1899,
72 ff. Michaelis Pausaniae descrißtio arcis Athenarum 3 29 ff.
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