Ars: časopis Ústavu Dejín Umenia Slovenskej Akadémie Vied — 1.1967

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I.
Probleme der Forschung und Erläuterung
der Kunst des 19. Jahrhunderts in der Slowakei

ANNA PETROVÁ-PLESKOTOVÁ

Als die slowakische Kunstgeschichte vor über
zehn Jahren die Bearbeitung des künstlerischen
Vermächtnisses des 19. Jahrhunderts als eine
ihrer grundlegenden und vorrangigen Aufgaben
gestellt bekam, begann sie, einen nur sehr ne-
belhaft und unvollkommen bekannten histo-
rischen Abschnitt zu beleuchten und zu werten.
Als Erbschaft der bürgerlichen Republik standen
zwar einige regional begrenzte Teilbetrachtungen
über die Entwicklung dieser Epoche zur Verfü-
gung, aber sie waren grösstenteils in Ausstelhmgs-
und Museums katalogen verstreut. Ausserdem
entbehrten sie auch eine detaillierte fachliche
Wertung des Materials. Durch das Verdienst
Jozef Poláks, der ebenso im Ausstellungswesen
der zeitgenössischen Kunst, wie auch im Programm
der Exposition der älteren Kunst eine übersicht-
liche, national unbelastete Kulturpolitik betrieb,
wurde im Ostslowakischen Museum in Košice
z. B. eine schöne Kollektion der ostslowakischen
bildenden Kunst des 19. Jahrhunderts konzen-
triert. Eiemir Köszeghy, dem Sekretär des Zipser
historischen Vereins, verdanken wir, dass we-
nigstens in den Katalogen zweier umfangreicher
Ausstellungen — der Ausstellung der Zipser
Landschaftsmalerei und des Zipser Porträts -
ein breites Bild des Zipser Materials dieser Zeit
registriert wurde. Ebenso verdankt heute die
Städtische Galerie in Bratislava als Erbin des
Kunstmaterials des ehemaligen Städtischen
Museums von Bratislava Doz. Dr. Alžběta
Güntherovà eine reiche Kollektion und fachge-
mässe Katalogisierung von Kunstwerken und -
Gegenständen aus dem 19. Jahrhundert. Vom
Aspekt eines Wachsens und einer Entfaltung
unserer nationalen Kunst aus baute dann die
beim Slowakischen Nationalmuseum in Martin
gegründete Bildergalerie schon zur Zeit der

bourgeoisen ČSR eine Kollektion slowakischer
Kunst und stellte sie aus.
Die breiter konzipierten Zusammenfassungen
der Kunst des 19. Jahrhunderts — im Rahmen
von Uebersichten der Geschichte der slowakischen
Kunst (ob es sich nun um die Arbeiten von Vla-
dimir Wagner handelt, um die Studie von Ján
Hofman oder um die kollektive Arbeit „Kunst
in der Slowakei“) — erfassten natürlich nicht
das ganze Material, das diesen Zeitabschnitt
betrifft, ja sie konnten es bei den Schwierigkeiten
der Forschung, die sich auf individuelle, sozusagen
private Initiative stützte, natürlich auch nicht
erfassen. Grösstenteils nützten sie nicht einmal
die vorhandenen Partialunterlagen aus. Daran
hinderte sie vielfach auch ihr Bestreben um einen
nationalen Purismus als Reaktion auf die vor-
hergehende komplizierte Nationalitätenentwik-
klung.
Gerade in Bezug auf die Vergangenheit der
slowakischen Kultur, die durch die spezifischen
national-kulturellen Verhältnisse der Oesterrei-
chisch-Ungarischen Monarchie determiniert war,
war es besonders die Frage der nationalen Kultur,
für die sich die Gründergeneration unserer Kunst-
geschichte im Rahmen der Problematik des
19. Jahrhunderts vorrangig interessierte. Die
gesamte ökonomisch -gesellschaftliche Entwicklung
zusammen mit dem Romantismus des 19. Jahr-
hunderts warf sie nämlich auch bei uns in all
ihrer Dringlichkeit auf.
Vor allem Prof. Vladimir Wagner widmete der
Problematik der Entwicklung des slowakischen
künstlerischen Ausdrucks, der auf nationaler
Basis entsteht, besondere Aufmerksamkeit. Im
Geiste der zeitgenössischen Konzeptionen blieb
Wagner allerdings, vor allem in seinen ersten
Arbeiten, in der Abhängigkeit von objektivisti-

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