Ars: časopis Ústavu Dejín Umenia Slovenskej Akadémie Vied — 1.1967

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dagegen kehrt die ganze Komposition wieder,
wie auf den ersten Blick ohne jeden Kommentar
offenbar wird (Abb. 34, 35).
Beim Ixionrad ist die Bedeutung „Sonne“
geläufig. Das feurige Sonnenrad dreht sich und
wird also durch die Naturmythologie vermen-
schlicht. Diese Bedeutung Sonne ist bekannter-
weise auf Christus als Sol lustitiae, Sol Invictus
übertragen worden, u. a. durch Vermittlung
des mystifizierten spätantiken Apollon-Helios der
Neupythagoräer, der tatsächlich verschiedene
Funktionen Czristi vorausnimmt. Es gibt nun
eine ganze Reihe Abbildungen, in denen Chris-
tus oder Maria mit dem Kind am Hinter-
grund der Sonnenscheibe, des Sonnenrades über
einer irdischen Zone mit Menschen, von denen
wenigstens einige prophetisch hinaufschauen, er-
schienen sind. Selbstverständlich ist Johannes
der Täüfer eine bevorzugte Figur als Prophet des
Sol lustitiae, Sol Invictus, der am Himmel er-
scheint, er ist Johannes der Vorgänger und
Verkünder. Auch die Hauptarten der Abwand-
lung, die Variationen des Themas können im
Grunde erklärt werden. In Egid Quirin Asams
Entwurf zu der Strahlen- oder Sonnenmonstranz
der Johann-Nepomuk-Kirche in München (Char-
lottenburg, Staatl. Museum, um 1740) sehen wir
drei Welten übereinander dargestellt, oben das
brennende Sonnenrad, von ihm wird die Immacula-
ta Conceptio bewirkt, die Immaculata steht wieder
auf der Weltkugel mit Schlange, von einem Engel
gedreht, die Weltkugel ruht noch auf dem Drachen-
Satan der Unterwelt. Also Unterwelt, Welt,
Immaculata als Vermittlerin, Überwelt in Gestalt
des Sonnenrades, wobei noch oben Gottvater
den Engeln befiehlt, das Rad zu drehen. Die
Sonnenmonstranz ist nicht erst in der Spätre-
naissance (z. B. um 1600 die der Schatzkammer,
München) und im Barock entstanden, sondern
die hussitischen Priester trugen sie schon den
Gottesstreitern voran. In Raphaels Transfiguration
Christi auf dem Berge Tabor (mit Schule, 1520)
rotieren Apostel um den verklärten Christus
oben, unten ahmen sterbliche die Rotation nach,
unter ihnen wird auf einmal der blinde Knabe
sehend und weist mit der Hand auf die wunder-
bare Erscheinung. In Michelangelos Freske des
Jüngsten Gerichts, die zugleich die Auferstehung
von den Toten, die Himmelfahrt Christi und
Mariä darstellt, bewirkt der sonnige Christus


16. P. P. Rubens, Der Jänustempel, 1634—1635. Lenin-
grad, Eremitage.

17. J. L. David, Minerva siegt über Mars, 1771. Paris,
Musée du Louvre.


durch eine diagonale magische Handbewegung
eine wunderbare Levitation und einen Kreislauf,
einen Wirbel, der alle Auferstandenen des Jüngsten
Tages mit sich reißt, sie dem ewigen Leben oder
der Verdammnis entgegenträgt.
Das Thema Jüngstes Gericht führt uns noch zu
anderen Übereinander-Darstellungen der Antike
zurück. Die sogenannten Triumph-Sarkophage

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