Ars: časopis Ústavu Dejín Umenia Slovenskej Akadémie Vied — 1.1967

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33. Ixion am Rade. Attische Vase, 4. Jh. v. u. Z.

34. Mittelteil des 5 teiligen Diptychons aus Elfenbein:
Thronende Madonna mit Engeln und drei Persern.
5. Jh., London, British Museum.


Tarockkarten ganz heidnisch wiederaufnimmt,
sowie zum Christus Victor des ravennatischen
Mosaik, dem wir uns später noch zuwenden, zu
suchen. Unter dem Victor der Apollinariuskirche
zu Prag zeigt sich undeutlich auch noch die
Linie einer Schlange, was allerdings beim gegen-
wärtigen Zustand des Freskos nicht hundert-
prozentig behauptet werden kann. Das Fresko
war von demselben Wenzel von Radeč, der damals
die parlerische Bauhütte am St. Veitsdom und
somit auch den Bau des Brückenturmes patro-
nierte, zur gleichen Zeit beauftragt.20
Das Thema des großen Brückenturmes von
Prag gibt uns Gelegenheit, den architekto-
nischen Rahmen dieses Kompositionstypus, der
in der Tradition nicht nur hier, sondern öfters
in der Form eines Rundbogens sich geltend macht,
zu erörtern. Die freistehende plastische Nike
wurde als römische Victoria allmählich in einen
festen Architekturrahmen hineingefügt. Das ge-
schah insbesondere schon bei dem Altar der Victo-
ria lulia im Senat. Wir sehen eine Nische in
Rundbogen hinter dem Apoll des cassone um
1450 — ähnliches ist öfters im alten Rom voraus-
zusetzen (ethym. Zusammenhang Nike-Nische,
wenn auch als falsche Ethymologie?). Der Rund-
bogen wurde für das Christentum in der Konstan-
tinzeit als symbolische Form des Triumphes
festgesetzt. Einmal mit dem dreiteiligen Rund-
bogen der Via Appia, dem ersten öffentlichen
Denkmal einer Kunst, die sich christlich nennen
konnte, wenn auch heidnisch durch ihren Ur-
sprung, für das erste Mahnmal des christlichen
Äons später gehalten. Einmal mit dem Triumph-
bogen der alten Petersbasilika, der zwischen
Chor und Hauptschiff vermittelte, und der eine
Inschrift trug, die vom Sieg des Konstantin, der
zugleich Sieg Christi war, sagte, daß durch diesen
Sieg die Welt sich zu den Sternen erhoben habe
(mundus surr exit ad astra). Wir sehen dann in
Ravenna, in der Capella arcivescovile in einem
Mosaik zw. den Jahren 494 und 519 den Christus
Victor auf einen Löwen und einer Schlange
tretend von einem eindrucksvollen Rundbogen
eingerahmt. Etwas früher schon entstand im
5. Jahrhundert die uns erhaltene Freskoausmal-
ung der Apsisnische zu Bawit (Klosterkirchen-
ruine im byz.-koptischen Gebiet, XXVI. Kapelle)
eingerahmt von einem Bogen mit Medaillons, die
auf den Triumphbogen und Stadttoren üblich

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ü. B. HEIDELBERG
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