Ars: časopis Ústavu Dejín Umenia Slovenskej Akadémie Vied — 1.1967

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31. Duccio di Buoninsegna, Ungläubiger Thomas. Tafel-
malerei, Siena, um 1300.

wird, steht über einem Brückenfragment mit
zwei Bogen, wie die Victorien der Münze Felicitas
saeculi, wie der Apollo Victor, der nach älterer
Überlieferung Konstantin erschienen sein soll.
Die Humanisten um Karl und Wenzel können
dieses herausgestöbert haben. Karl wurde für
einen zweiten Konstantin gehalten. Von der
Arkadenreihe über dem Gurtgesims beschirmen
die Siegesallegorie der unteren Zone noch zwei
Heilige, Adalbert-Vojtěch (tsch. Trost des Hee-
res) und Sigismund (Sieges-Mund). Wir haben da
zwei Zonen übereinander: die Zone des himmlichen
Jerusalem, darunter die der weltlichen Herr-
schaft, der Vitus-Victor direkt beisteht und sie
beschirmt. Unter dieser Zone liegt dann noch die
Erdzone mit dem Toreingang. Die Berufung auf
den Typus Victoria oder Victor auf einer Kugel
stehend für den hl. Vitus hat außerdem konkrete
Berechtigung im Vergleich dieser Figur mit einer
gleichzeitigen an der Wand der St. Apollinaris-
von-Ravenna-Kirche in Prag, nahe von Karlov
(Karlshof — durch Karl IV. gegründete Kirche
Karls des Großen). Hier erscheint im Fresko ein
Heiliger auf einer Kugel stehend, mit Doppel-
flügeln, die zwar früher Engeln angehörten (die
Engel wurden frühzeitig überstrichen), sie waren
jedoch der Hauptfigur derart zugeneigt, als
gehörten die Flügel ihr selbst. Vor dem Sieger
demütigt sich ein Mann, wohl der uns schon
bekannte Radslav Zlický vor dem hl. Wenzel mit
Engeln. Wir können jedoch diesem Victor, der
zudem Gesichtszüge des hl. Vitus am Turme
aufweist, mit der Tradition vergleichen, die im
beflügelten Apollo auf einer Kugel am Florentini-
schen cassone aus der Mitte des 15. Jhs (vgl. oben)
wiederauflebt. Darüber hinaus auch direkt mit
dem hellenistischen Nikos Horns Apollon, der
mit Doppelflügeln über einem Krokodil und
einem Tiger oder Löwen erscheint. In diesem
Umkreis ist auch die Quelle zu dem auf eine
Schlange oder einen Löwen tretenden Weibe,
wie es Dürer 1493 in einer Zeichnung für die

32. H. B. Grien, Maria mit Kind. Federzeichnung, Ger-

manisches National-museum, Nürnberg.



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