Ars: časopis Ústavu Dejín Umenia Slovenskej Akadémie Vied — 1.1967

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29. Römische Münze Saeculi Felicitas mit Statthaltern als
Sancti oben, Viktorien-Gruppen auf einer Rheinbrücke
unten.

30. Christus Victor. Mosaik zw. 491—519. Capella arci-

vescovile, Ravenna.


Wir sehen da um eine erhöhte Gestalt des St.
Veit, des Vitus, zwei Erbauer der Brücke, Karl
IV. und seinen Nachfolger Wenzel IV. mit Kai-
serkronen thronend, jeder ist also ein imperator
pontifex. Dem Vitus sind an den Seiten zwei
beflügelte Helme beigegeben. Noch im Jahre 1633
schreibt Pavel Stránský in seiner Respublica
Bojema von der Verbindung Sankt Veit {svátý Vít
in tschechischer Sprache) — Svjantovit, der Sonnen
— und Siegesgott der Slawen auf der Insel Rujana
(Rügen), und daß die Slawen nicht aufhören,
sich mit Händeschütteln Vítej, vítej zu begrüßen
und so den Svjantovit als Heiland zu verehren.
Vítej — sei willkommen, also geht es hier um eine
Begrüßung des adventus, der siegreichen Ankunft.
Vergleichen wir die hergebrachte Form der
Svantovit-Säule, auf deren Sockel ein Pferd in
Relief erscheint, mit dem Altar der Victoria Julia,
der eigentlich einen Sockel zu der Statue bildet,
ebenfalls mit einem Relief des Pferdes. Haben die
Slawen nicht mit der Svantovit-Säule zu dem
mächtigen Siegesidol der Römer, ja noch der
Byzantiner in frühester Zeit, eine Antithese
geschaffen, wo doch Svantovit wörtlich „mächtiger
Sieger“ heißt?19 Wobei statt des Weibes der alte
Sonnengott kräftiger erschien wie auch der rö-
mische Herkules Victor, Apollo Victor? Wo doch
die Slawen außer Svantovit und seinen Abarten
(z. B. Triglav) nur unsichtbare Götter in Hainen
verehrten und jedes irgendwie menschliche feste
Gottesbild der Barbaren immer aus antithetischer
Nachahmung der figuralen und steinfesten Mittel-
meerkunst verdächtig erscheint (Strzygowski) ? Wir
haben alle Berechtigung, diese Fragen hier zu
stellen. Wäre eine positive Antwort einmal mög-
lich, würde der Fall Altstädter Brückenturm von
Prag ganz klar sein. Auch ohne dies bleibt sicher,
daß wir da mit einer allegorischen Verwendung der
Heiligenfigur zu tun haben, wie in der böhmischen
und früher schon italienischen Kunst des 14. Jahr-
hunderts es ganz üblich war. Im Umkreis des
höfischen Philologen Claretus ist die Analogie
Vitus—- Vítěz (tschechisch Sieger) ein noch sehr
zahmes Wortspiel, wenn wir die erhaltenen durch-
lesen. Alle drei Figuren bilden hier unter der
blinden Arkade im Rundbogen (ein Sonderfall
in der Gotik der Zeit, von der Parierhütte nur zu
besonderen Zwecken der Monarchie verwendet)
eine klare Siegesgruppe, Vitus, der hier und in der
böhmischen Kunst immer apollinisch dargestellt

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