Ars: časopis Ústavu Dejín Umenia Slovenskej Akadémie Vied — 1.1967

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Madonna
erscheint im Oval
Augustus und Si-
bylle. Lombardische
Miniatur, 13. Jh.
Aus Liber de tem-
poribus et etatibus,
Modena, Biblioteca
Estense, Ms. oc M.
J. F. 92’.


40. Amuletum
Kircherianum.
Spanisch, Mitte
13.Jhs. (nach A. A.
Barb).

Baldachin, Bogen ist der Regenbogenthron des
Gottes im Judentum und Christentum gedacht,
oft in direkter Antithese zu den Thronen orien-
talischer Weltherrscher, der Thron des Chosroe
wurde wenigstens in der Legende als mit Himmels
kuppel mit Sonne, Mond, und Gestirnen, die sich
sogar drehen, beschrieben, die Erinnerung an den
Thron Salomos spielte auch hinein.24 Darauf
beziehen sich mehr oder weniger direkt die Dar-
stellungen des Christus oder der Maria auf dem
Himmelsthrone, oft unter einem Bogen oder
Baldachin, Kuppel u. ä. So in der Vision der
,,santa conversazione“, Madonna auf dem Thron
von Heiligen und Engels umgeben, das prophe-
tische Übereinander der Sonnenjungfrau und der
Propheten unten kontaminiert sich manchmal
mit dieser anderen Tradition. Oben und Unten
unter einem einzigen Triumphbogen des Adventus
zusammenfaßt, das heißt dann, daß mit dem
Adventus der alte Zwiespalt zwischen dem Thrä-
nental hieunten und der idealen Welt am Himmel
nun aufhören soll. Wie Kämpers in seiner „Kai-
sersage“ z. B. bemerkt, glaubte der Chiliasmus
an eine Wiedervereinigung der Welt, die durch
die Erbsünde gespalten wurde, für tausend Jahre
(chilioi = tausend).25 Die böse Materie soll wieder
geheiligt werden, der gute und schöne Geist,
heilige Geist, ihr wieder einverleibt werden. Die
Variationen des triumphalen Adventus, der in
sich das Oben und das Unten, die zwei Welten
im Sinne des Transzendentismus schließt, spre-
chen solche utopische Hoffnung aus.
Die Tradition des Ixionrades, des feurigen
Sonnenrades geht dabei nicht verloren. Sie hat
nicht nur zur unmittelbaren Naturbeobachtung
(Sonnenscheibe) Beziehung, sondern auch zur
Spekulation über den Kreis als das Vollkommene,
der höheren Welt Angehörende, was dieser Welt
als Vorbild zur Nachahmung gelten soll (Platon).
Sie ist zugleich ein Reflex von der uralten Weltan-
schauung, dernach die Welt ein großes Feuer zu
ihrem Zentrum hat, welches wieder den ganzen
Kreislauf des Kosmos und des Lebens bewirkt.
Wir können diese Weltanschauung von Herakleitos
bis Plotin verfolgen, für Plotin ist das Feuer
Vermittler zwischen anderen Elementen und
dem Geistigen. Der Lehre vom himmlischen
Feuer wenden wir uns im nächsten Abschnitt,
über die Diagonale, zu, denn die Zeichen des
strafenden himmlischen Feuers zeigen sich oft in

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