Ars: časopis Ústavu Dejín Umenia Slovenskej Akadémie Vied — 1.1967

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Möglichkeit einer reichen Auswahl an disposi-
tionellen und „künstlerischen“ Lösungen ganzer
Gebäuden und ihrer einzelnen Details geboten.
Aus den Angaben älterer Literatur oder anderer
zeitgenössischer Quellen, die manchmal in Wider-
spruch zu einander stehen, ist es häufig problema-
tisch den Autor oder die Autoren eines Bauwerkes,
ihre Position und ihr Verhältnis zu der ausge-
führten Projektions- oder künstlerischen Arbeit
festzustellen. Wenn der Investor eine Privatperson
war, ist die Sache vom Gesichtspunkt des Kunst-
historikers einfach; wenn der Bauherr eine Rechts-
person war, so konnte dies eine dem Besteller
übergeordnete Institution (der Staat, die Gemeinde,
die Kirche), oder eine andere Konsumentin oder
Benützerin des Gebäudes (eine soziale oder kultu-
relle Institution, Farre usw.) gewesen sein. Die
Institutionen waren durch konkrete Personen ver-
treten, die im Namen der betreffenden Institution
kompetent gehandelt haben, wie z. B. der Leiter

19. Mula, Kirche, 1918.


einer staatlichen Bauverwaltung, der Direktor
einer Firma, Bischöfe oder Pfarrherren, der Bür-
germeister einer Stadt, Chefärzte eines Kranken-
hauses, städtische Ingenieure und technische
Fachleute einer Firma. Die Realisierung des Pro-
jektes wurde Unternehmerfirmen bezw. konzessio-
nierten Handwerksleuten an vertraut; der berech-
tigte „Architekt“ durfte alle mit dem Bauwesen
zusammenhängenden Arbeiten selbstständig ver-
richten, während der „Maurermeister“ lediglich
berechtigt war ebenerdige Wohnhäuser oder Wirt-
schaftsgebäude in limitierten Dimensionen zu
bauen. In einigen zeitgenössischen Aufzeichnungen
sind die Bauleiter bezw. Poliere namentlich an-
gegeben.
Die Aufteilung der Aufgaben bei der Realisie-
rung eines Bauwerkes ist z. B. aus einer Presse-
meldung ersichtlich, wonach der Monumentalbau
des Priesterseminars in Nitra von Augustin Rosko-
ványi errichtet wurde; Roskoványi war Bischof
und Repräsentant des Bestellers. Das Projekt für
dieses Gebäude stammt von den Wiener Architek-
ten Lippert und Schmidt, den Bau selbst haben
Ján Tomášek, Bauunternehmer aus Sered mit den
Architekten Kittier und Grätzel aus Bratislava
(1876) durchgeführt, über die berichtet wurde,
dass sie, wie es heisst, „korrekte Stilisten sind,
die die anspruchsvolleren Teile der Bauarbeiten“
— gemeint ist die dekorative Pseudorenaissance-
Fassade — durchgeführt haben.
Die Baukonjunktur des 19. Jahrhundets wurde
— abweichend von den vorangegangenen Perioden
— auch wenn nicht regelmässig, jedoch schon in
einem gewisse Masse von der Presse beobachtet;
dadurch ist es heute einerseits möglich, über die
einzelnen Phasen des Realisierungsprozesses,
manchmal genau auf den Tag im Monat, nähere
Informationen zu erhalten; andererseits können
bei den einmalig vorkommenden Datenangaben
Differenzen bis zu einigen Jahrzehnten festgestellt
werden. Dies kann dadurch erklärt werden, dass
das Schicksal eines Baues — insbesondere wenn
es sich um ein für eine gesellschaftliche Organi-
sation bestimmtes Bauwerk gehandelt hatte —
von einigen, für den Bau lebenswichtigen Markstei-
nen abhängig war: beginnend mit dem Moment
der ersten Gedanken und Impulse verging eine
gewisse Zeit bis zur Entscheidung hinsichtlich
der Investition, nachher kam das langwierige
Stadium bis zur endgültigen Approbation; es gab

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