Siebern, Heinrich [Hrsg.]; Brunner, Hugo [Hrsg.]
Die Bau- und Kunstdenkmäler im Regierungsbezirk Cassel (Band 3): Kreis Grafschaft Schaumburg: Textband — Marburg, 1907

Seite: 75
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beiden Seiten des als achtteiliges Pomeilum gebildeten, flachen Knaufs mit eingraviertem Linienornament
bedeckt; Kuppa fast halbkugelförmig.

Nach Heldmann hatte die 1503 vollendete Kirche außer dem Altar in der Krypta drei weitere: 1. S. Johannis des
Evangelisten und S. Joh. des Täufers, 2. S. Anna, 3. Aller Heiligen. Den letzteren hatte der Mönch Hermann Blothudt, fl554,
aus Coesfeld auf seine Kosten errichtet und mit Gemälden aus der Kindheits- und Leidensgeschichte des Herrn ausschmücken
lassen. Sie stellten dar: Geburt Christi, — Darstellung im Tempel, — Händewaschen Pilafi, — Geißelung, — Krönung mit
Dornen, — Hinausführung nach dem Richtplatz, — Kreuzigung, — Begräbnis, — Auferstehung u. a. m., und waren zu Paulus
Zeit (1784) noch vorhanden.

1620 läßt der Prior Henr. Calmeier eine Kanzel bauen, mit allerlei Bildern auszieren und anstreichen. „Der ehrenfeste
und kunsterfahrene Meister Hans Wolf von Obernkirchen, Bildschnitzer", schreibt Hojer (Dedikation der Einweihungspredigt an
Calmeier), „hat unsern Predigtstuhl kunstreich gemacht, der auch ehrenfeste und kunstreiche Meister Jobst Moller von Stadthagen,
Conterfeiter, denselbigen, wie dann auch die Orgel und neu aufgerüstete Kirche aufs zierlichste orniert, vermalt und an-
gestrichen". (Paulus, Möllenbeck, S. 195 ff.)

Die zweigeschossige Klausur liegt an der Nordseite der Kirche. Die Räume des Erdgeschosses sind ^"f"J"
um den mit gurt- und rippenlosen Kreuzgewölben überdeckten Kreuzgang gruppiert. Die Schlußsteine Tafei 85.
tragen mannigfache Verzierungen: Monogramme Christi, der Maria und Anna, ferner die Namen „o-ijnrjnifiUö",
„^•abghftin9" oder die Mahnung „tu.*um-tinu*¥" Auf einem erscheint die Jahreszahl 1493, andere wieder
haben Tartschenschilde mit denselben Figuren wie im Mittelschiff der Kirche, denen sich hier noch Marter-
werkzeuge, das von einem Dolch durchbohrte Herz, eine Dornenkrone anreihen. Ein Wappen mit Pferde-
kopf und unleserlicher Umschrift scheint von besonderer Bedeutung zu sein. Die Umrahmungen der flach-
bogigen Verbindungstüren sind durch Hohlkehle, Viertelstab gegliedert. Der Ostflügel mündet neben dem
Chore in einen Raum, dessen höher ansetzende Kreuzgewölbe, mit gut erhaltenen Malereien bedeckt,
ebenfalls ohne Rippen, aber durch breite Gurte getrennt sind. Von hier führt eine Treppe zur Krypta
hinunter, eine andere auf den vor dem Raum A (Tafel 76) angeordneten Verbindungsgang, von dem man
auf den in gleicher Höhe liegenden Chor und andererseits zu der Treppe des Obergeschosses gelangt.
Der Raum A, zu dem man wieder einige Stufen hinuntersteigt, wird als Kapitelsaal gedient haben, darüber Tafci 86.
lag die Bibliothek. Im übrigen ist die Bestimmung der jetzt zu Lagerzwecken benutzten Räume nicht
mehr zu erkennen. Saal C muß das Refektorium gewesen sein. Hier finden sich auf den Fensterpfeilern
Reste alter Wandmalereien, lebensgroße Heiligenfiguren unter flachbogigen Arkaden. Die von einem
Unterzug getragene Decke ist mit Stabwerk verziert. Die farbige Bemalung gehört aber einer späteren Zeit Tafei 87.
an. Jedes Feld enthält zwei Kartuschen mit Frauen- und Männerköpfen, dazwischen Intarsien nachahmende
Arabesken auf einem mit breiter Holzmaserung bedeckten Grunde1). Die auf demselben Blatt gezeichneten
Deckenteile mit schönen, in Gipsstuck auf Lehmputz aufgetragenen Frührenaissanceornamenten gehören
dem Raum D (Tafel 76) an, der früher durch Fachwerkwände in mehrere Zimmer geteilt gewesen ist.
Von der strichiert eingetragenen Treppe sind nur einige Sandsteinstufen oberhalb des Kreuzganges erhalten,
während das den Kellereingang überdeckende Tonnengewölbe noch jetzt in den Raum einschneidet.

In einem Raum des Ostflügels befindet sich ein eiserner Ofen aus dem 17. Jahrhundert, der auf
den Seitenflächen mit je zwei Wappen geschmückt ist. Die Vorderseite zeigt eine Galeone, darüber in
den Wolken drei Engelsköpfchen, die eine Kanone, ein Buch und eine Wage halten. „ELAVENTIS H1S
LEVANTVR."

Unter dem größten Teil des Erdgeschosses ist ein mit flachbogigen, rippenlosen Kreuzgewölben
überdeckter Keller angelegt, der durch eine Reihe achteckiger Stützen von gleicher Form wie die der West- Tafei 77.
empöre in der Kirche in zwei Schiffe geteilt ist und, da das Terrain nach Osten und Norden sich senkt, zu
ebener Erde liegt. Auf dem Schlußstein der kleinen flachbogigen Nordtür ist die Jahreszahl 1487 eingehauen.

Die Einfahrten zum Kreuzganghof haben im 17. Jahrhundert eine andere Gestalt erhalten. Das Ost-
portal hat noch die alte durch kreis- und herzförmige Ausschnitte belebte Eichentür, das der Westseite von Tafei 87.
gleicher Form ist durch einen steilen Dreieckgiebel ausgezeichnet, der das hessisch-brandenburgische
Wappen umschließt; auf dem Fries die Inschrift:

„WILHELMVS VI L H P H C D Z N & S
HEDWIGIS SOPHIA L H N E S E B B M I C-M S P D P H-
M & H C C D Z N S & R D R T & R - ANNO • M • DC • LXX •"

i) Piderit, Möllenbeck, p. 26, berichtet: Das große Refektorium oder Speisesaal hat ein in der Malerei erfahrener
Bruder Blothudt aus Coesfeld, derselbe, welcher der Kirche ein Gemälde, das jüngste Gericht, schenkte und den Altar schmückte,
1540 künstlich ausgemalt, wie die wenigen noch (1836) vorhandenen Reste an der Decke des Zimmers beweisen.

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