Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 15.1897

Page: 45
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der jetzigen Filialien zur Pfarrei Schmalcgg
erhoben mit der Bestimmung: daß der
Pfarrer von Berg nebst den Accidenzien
von seiner Besoldung 20 Scheffel Dinkel,
5 Scheffel Haber und 2 Eimer neuen
Wein an den Pfarrer von Schmalegg ab-
trete; jedoch solle derselbe keinen Anteil
an der Weinfnhrfrohne des Mich. Frick
zu Berg, auch den Meßwein nicht mehr
vom Pfarrer zu Berg haben, sowie er
seine sämmtlichen Messen in der Kirche
zu Schmalegg lesen müsse, in Berg selbst
aber gar nichts mehr zu thnn habe.
Die letzte Veränderung vollzog sich im
Jahre 1829, in welchem der Hof Bautzen
von Berg ans- und nach Fronhofen ein-
gepfarrt wurde.
So sind der Mntterkirche von den
früheren 150 Filialicn nur noch 44 ge-
geblieben! —

Pur „Geschichte der schwäbischen
Vialelrrdichruiig" von Aug. Holder
(mit vielen Bildnissen mundartlicher Dichter und
Forscher rc XVI und 245 S. gr. 8°. Br. 4 M. ;
gd. 5 21t., Heilbrvnn, Verlag von Max Kiel-
inaiin, 18S6).
Die schwäbische Dialektforschung hat
sich bislang zumeist ans das grammatische
und lexikographische Gebiet beschränkt und
gerade hierin im letzten Jahrzehnt eine
große Thätigkeit entwickelt. Zeugen dessen
sind n. a. die i. I. 1890 (bei Trübner
in Straßbnrg) erschienene „Geschichte der
schwäbischen Mundart im Mittelalter und
der Neuzeit" hon Fr. Kanffmann und die
„Geschichte der schwäbischen Mundart im
15. Jahrhundert", 1 von Karl Bohnen-
berger (Tübingen, bei Laupp, 1892), so-
wie der „Atlas zur Geographie der schwäbi-
schen Mundart" von Herrn. Fischer (Ttntt-
gart, Verlag von W. Kohlhammer, 1894).
Nun ist auch das bisber fehlende, ein-
gangs bezeichnet?, bereits in der Beilage
zur „Allgemeinen Zeitung" (Nr. 65 vom
18. März 1896), in der „Schwäbischen
Chronik", Sonntagsbeilage, Nr. 74 vom
28. März S. 649, im „St.-A. für Würt-
temberg", den „Blättern für lit. Unter-
haltung", der „Alemannia", XXIV, 1896,
2. Heft, S. 190/191 u. s. w. besprochene
Buch dazu gekommen, welches den Verlauf
der Geschichte der schwäbischen Dialekt-
dichtung darznstellen unternimmt, so daß

in der Hauptsache nur noch das längst
erwartete „Schwäbische Wörterbuch" und
Idiotikon anssteht, mit dessen Vorarbeiten
schon vor vielen Jahren begonnen wurde.
Die Geschichte der schwäbischen Dialekt-
dichtnng beginnt H. nach einem über daS
Allgemeine informierenden Vorwort und
Einleitung mit der Mitte des 16. Jahr-
hunderts und zwar mit dem Auftreten
des „schwäbischen Bauer» ans der Bühne"
(S. 6—19), anS welcher Zeit Belege und
Proben, freilich noch spärlich, vorliegen
und wozu wir gleichzeitig hier einen,
wie wir hoffen, nicht unerwünschten Bei-
trag liefern. Dann folgt das etwas reich-
haltigere Kapitel über den „schwäb. Bauern
im geselligen Lied" (S. 19—34), welchem
ein besonderer Anhang (S. 35—42) über
den Ursprung und Ausbreitung des
Schwankes: „Die 7 Schwaben" beigegeben
ist. Folgt das 18. Jahrhundert mit seinem
Hauptvertreter Seb. Sailer; und dann
die neue Zeit mit ihrer langen, fast un-
aufhörlichen Reihe von Dialektsängern.
So ist es nun, wie die „deutsche Litteratur-
zeitnng" mit Recht als ein gewiß nicht
gering zu veranschlagendes Verdienst des
Werkes hervorhebt, znm erstenmal er-
möglicht, Heerschau über die Gesamt-
leistung der schwäbischen Dialektlitteratur
während dreier an uns vornberziehender,
ein reiches, buntes und wechselvolles Bild
bietender Jahrhunderte zu halten. Der
Hauptwert des Buches liegt zunächst in
seiner Bibliographie und der Fülle und
dem Detail des über die einzelnen Dichter,
nicht selten mit unsäglicher Mühe und
Fleiß und auch nicht unbeträchtlichen Kosten
erstmals znsammengebrachteu biographischen
Materials, bezüglich dessen wir des Näheren
auf das Buch selbst verweisen, dann in
dessen Beziehung zur schwäb. Kultur- und
deutschen Sprachgeschichte. Der Verfasser-
Hat sich hierdurch zugleich das nicht geringe
Verdienst erworben, vieles, welches vielleicht
in kurzer Zeit gar nicht oder kaum mchr
zu erheben bezw. festzustellen möglich ge-
wesen wäre, noch in letzter Stunde vom
Untergange gerettet und der Provinzial-
litteraturgeschichte erhalten und so, wie
derselbe nicht ohne Grund sagt, eine Art
volkSkundlicherNettnngSarbeitvorgcnommen
zu haben! Und, was dem Werke noch
einen besonderen Wert verleiht, das sind
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