Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 15.1897

Page: 113
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Organ für Geschichte, MtertuinMuiide,
Ärmst und Vultur der Wiücese Kottenüurg und der angrenzenden Gebiete.

Herailsgegebeu und redigiert von ttnitsrichter a. D. Beck in Eavcnpkura.
Beiträge. Korrespondenzen -c., Rezensions-Exemplare. Tauschzeitschriflen rc. wollen
stets direkt an Amtsrichter a. D. B e ck in Ravensburg. B estel lnng en und,Reklamationen an
die Expedition des ..Deutschen Volksblatts" ln Stuttgart. Urbansstraße 94. gerichtet werden.

Nr. S.
-issr.

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dung des Betrages direkt von der Expedition um M. 2.10 (außerhalb des
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noncen rc., welche der Richtung dieser Zeitschrift nicht znwiderlansen, werden von
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->s.
ahW-

Beiträge zur Geschichte einzelner
Pfarreien.
3. Das An gu sti n e r klo sie r in
Oberndorf a. N.
(Fortsetzung von Nr. 4.)
Von Stadtpfarrer Brinzinger in Obern-
dorf a. N.
Wir behandeln im folgenden 0. Die
Geschichtedes Ang u st inerklvsterS
im 18. Jahrhundert, als Ergänzung
und Fortsetzung des vorausgegangenen Ab-
schnitts. Anfangs dieses Jahrhunderts
sowie am Schlüsse desselben belästigten
Oberndorf und das Kloster wieder ver-
schiedene Kriegslisten: 1703 plünderten
Franzosen, 1704 Kaiserliche, ebenso waren
schwere Einquartierungen 1708, 1733,
1734 und 1744 von Franzosen und kaiser-
lichen HilfStrnppen. 1780 in der Nacht
vom 21. auf 22. Juni brach im Gasthof
zum Paradies ein Brand aus, der inner-
halb zwei Stunden 81 Häuser, die Kirche
und den Turm samt Pfarrhaus zerstörte.
Pfarrer Mühlbacher mußte seine Wohnung
in das Angustinerkloster verlegen über
zwei Jahre lang, bis das Pfarrhaus
wieder anfgebaut war, gegen ein jährliches
Logisgeld von 80 Gulden. Der Gottes-
dienst der Stadtpfarrei wurde in die
Augnstinerkirche verlegt, bis die Kirche
wieder hergestellt war. Verschiedene Pro-
zesse belästigte» in jener Zeit das Kloster.
1729 9. März mit Rosenfeld wegen des
Haarhanser BannS, 1728 ein Waldprozeß
mit Brittheim, 1749 mit den Oberndorfer
Müllern wegen Mahlens in der Kloster-
mühlc, 1750 Marknngsstreit mit Voll in
der Gegend auf Schlath (jetzt noch Schlatt-
hof genannt). Im Jahre 1702 wurde

?. Hermannns Hermann ans Wnrzbnrg
in Franken, vorher Prior in Launigen
und Gmünd, einstimmig in Oberndorf zum
Provinzial gewählt. Er starb 25. April
1757 in Oberndorf als Prior, 70 Jahre
alt und wurde beim Hauptaltar begraben
unter der Ewiglicht-Lampe. Er halte für
das Kloster eine große Vorliebe und be-
stimmte es als Noviziat für Erziehung
der Kleriker der Angnstinerprovinz. So
finden wir im 18. Jahrhundert das Au-
gnstinerkloster in Oberndvrf zahlreich be-
setzt, nämlich: 1723 mit 20 Personen,
1749 mit 24, 1755 mit 16, 1764 mit
20, 1767 mit 19, 1771 mir 21, 1774
mit 16, 1791 mit 10 Personen. Die
Namensverzeichnisse dieser Religiösen fanden
wir zum Teil in den Archive» zu Stutt-
gart und Ludwigsburg. 1774 wird als
Bandirektor des Klosters genannt
Definitor Theobald Kirsch» er ans
Konstanz, 66 Jahre alt (vgl. Hohcnberger
Archiv in Lndwigsbnrg K. 67 F. 8, den
offiziellen Katalog des Prior Alipins Flnr-
schntz nach Nottenburg an die österreichische
Negierung). Einige kleinere interessante
Notizen verzeichnet das Stuttgarter Pro-
tokoll 5ub 1778. 1778 18. Januar starb
?. Wilhelm Herder am hitzigen Fieber,
begraben in der neuen Klosterkirche am
NikolanSaltar. Am 23. Februar hernach
starb der Laienbruder Wilhelm Glich „ein
geschickter Bränmeister, Gärtner und im
Kastenwesen und Klostereinkünften ein
lebendiges Protokoll". 1778 3. Mai
feierte Graf Ernst von Bissingen, später
Generalvikar in Konstanz, seine Primiz
in Schramberg, der auch unser Chronist
?. Benning anwohnte. Im Oktober 1778
hatte das Kloster große Uebcrschwemmnng-
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