Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 15.1897

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Stuttgarter Archiv fanden (Protokoll 1749
5. 469 ff.), in, Jahre 1777 gefertigt
worden von dem jetzt verschollenen Stuc-
cator Andreas Heckel aus Mindelheim,
ebenso die Stnccaturen in der einstigen
Sakristei. Heckel erhielt 1800 Gulden
und ein Douceur von drei Louisdor.
Enderle erhielt 800 Gulden und Kost
und Wohnung im Kloster. Enderle malte
auch drei chronologische Wappenschilder
nach Angaben und Entwürfen des Paters
Prior Sauer. Die fettgemalten lateinischen
Buchstaben derselben ergeben jedesmal die
Jahreszahl l 777 als VollendnngSjahr der
Arbeiten für die Klosterkirche- Im Sep-
tember 1778 wurde die Orgel in der neuen
Kirche aufgestellt und dort die erste Pre-
digt gehalten (Protokoll 1749 S. 483).
Enderle malte sodann nach Vollendung
seiner Kirchenmalereien vom 17. Mai bis
6. August 1779 51 Ordensheilige ün Kreuz-
gang des Klosters. Dieselben sind jetzt unter
einer späteren Tünche spurlos verschwunden,
ebenso malte er die Sakristei und erhielt für
letztere Arbeiten 140 Gulden. Im Refekto-
rium und Priorat des Klosters malte Maler-
Ferdinand Deut aus Gammertingen im
August, September, Oktober 1774 einige
Bilder und erhielt dafür 120 Gulden.
Dieselben sind jetzt ebenfalls verschwunden.
Enderle muß ein sehr tüchtiger Kirchen-
maler gewesen sein. Die Komposition
seiner Fresken ist geistvoll, die Technik
flott und gewandt, das Kolorit ist heute
noch licht und hell, dem Rokokostil der
Klosterkirche alles gut angepaßt, die Stnc-
catnren von Andreas Heckel sind von
reizender Anmut. Ein Maler, der diese
fast unbekannten Fresken einstens be-
sichtigte, soll ihren Wert auf 40 000 M.
geschätzt haben. Die württembergischen
Kameralistcn haben, wie bekanntlich ander-
wärts auch, bei Aufhebung des Klosters
im Jahre 1806 durch Vernnstaltnng der
Kirche, wie wir später noch berichten wer-
den, sehr schwer gesündigt.
(Schluß folgt.)
Grchiidentiiilale im lUostrr Hirsau.
Von Max Bach.
Das weit über die Grenzen unseres
engeren Vaterlandes hinaus bekannte Bene-
diktinerkloster Hirsau war verhältnis-
mäßig arm an Grabdenkmale». Von den

44 katholischen Aebten des Klosters sind
nur acht Denksteine nachweisbar und von
den 27 lutherischen haben nur die drei
ältesten Prälaten Gedächtnissteine bezw.
Gedenktafeln hinterlassen. Im Kloster war
kein Familienbegräbniö des umliegenden
Adels, selbst von den Stiftern, den Grafen
von Calw,') ist kein Grabdenkmal nach-
weisbar. Der Denkstein des Stifters, des
Grafen Erlafried von Calw, ist neueren
Datums und wahrscheinlich erst von dem
banlnstigen Abt Blasius 1484—1503 er-
richtet. Ebenso der Stein des hl. Anre-
lins, dessen Reliquien Abt Blasius im
Jahre 1488 vom allen in das neue Kloster-
übertragen ließ. Diese beiden Grabmale
werden von Crnsins in seinem Tagebuch
und in seinen Annalen besonders erwähnt
und waren im Chor der Kirche in liegen-
der Stellung auf je vier Piedestalen aus-
gestellt?)
Auf dem Denkstein des Grafen Erla-
fried ist das Wappen der Grafen von
Calw; ein gekrönter schreitender Löwe ans
Drciberg ansgehaue». Der Wappenschild
wird von zwei leider sehr beschädigten
Engeln gehalten, die Helmdecken sind dra-
perieartig in schönen spätgotischen Formen
gebildet, als Helmkleinod wiederholt sich
das Wappenbild, der Löwe. Die Umschrift
in Minuskeln, jetzt nur noch teilweise les-
bar, lautet: iucarnatioue. Orristi.
anno. octiuZeutssimo. XXX. kunclatuur.
esk. Iroc. mouasterium. a. Asneroso.
ckomino. Urlalricko. comike. 6s. OaUv.
cujus, cleposikio. LAitur. IIII. cal. Usd-
ruarü. Auf dem Grabstein des hl. Aure-
lins sehen wir die Figur eines Bischofs
im Ornat mit Mitra und Stab, um das
Haupt den Heiligenschein. Die Umschrift
in lateinischen Buchstaben mit vielfachen Ab-
kürzungen lautet: ,,7Viriro. beum§rnkatis.
OctinAenkesiirro. tricesurro. ulmi. prue-
sulis. T^urelii. vsirerairclo. corpore. 6e.
Italia. vrairslako. esk. eickeur. ÜlirsauAia.
suscipieucko. lrnrclaka."

0 Parsimonius schreibt an Crnsins am
23. März 1588: „von denen Grabschriften derer
Grafen von Calw aber, welche auch schon Andere
von nur begehrt haben, habe ich weiter keine
als des Stifters Erlafrid."
2) „Ein Besuch in Liebenzell^nnd Hirsan
vor 300 Jahren" in „Ans dem Schwarzwald"
I. S. 12.
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