Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 15.1897

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anders als „Herr Patriarch!" ansprach,
solchen Spaß hätte mit ihm treiben lassen.
Wenn an dieser Geschichte überhaupt etwas
ist, so darf man daran erinnern, daß in
dem nahen Schemmerberg, einer Kloster
Salcmschen Besitzung, ein ?. Statthalter
dieses Cistercünserreichsstists und ein dem-
selben angehöriger Kaplan, sowie in den
nicht unfern gelegenen Franenklvstern dieses
Ordens, Heggbach, Guteuzell und Heilig-
krenzthal ?. Beichtiger aus den Klöstern
Salem und Kaisersheim stationiert waren
und daß möglicherweise einer dieser Reli-
giösen den Gegenstand des fraglichen Ulkes
abgab. Es findet sich übrigens eine andere
ähnliche Anekdote — vielleicht bloß eine
Variante der ersten? — bei As sing a.
a. O. (S. 119/120), nur mit der Ab-
weichung, daß lüer ein rechtgläubiger
Pastor, ein schwäbischer Landprediger,
etwa aus den protestantischen Orten der
Umgegend, wie Attenweiler, Oberholzheim,
Rottenacker, welcher durch die altwürttem-
bergischen Klosterschulen und Vikariate
gegangen, die Zielscheibe des Spasses war.
Noch eine andere Anekdote, welche Heggelin
und Wieland betrifft, wird von Christoph
Schmid in seinen „Erinnerungen auS
meinem Leben" (Augsburg bei I. Wolfs,
1853, L?. 72) nach I. M. Sailer und
danach auch in OslerdingerS Schrift
(S. 175) erzählt. Nach derselben sei die
Herrschaft, von Wieland begleitet, einmal
in den Gottesdienst gekommen, welchen sie
an Sonn- und Festtagen in der Regel in
der Warthauser Pfarrkirche zu besuchen
pflegte. Heggelin bot dem Grafen und
der Gräfin das Weihwasser, Wielandeu
aber nicht. Wieland, welcher Heggeliu
sehr hoch ehrte, fragte nachher: „Warum
habe» Sie mir kein Weihwasser geboten?"
H. erwiderte: „Weil Sie, Ihrer Konfession
zufolge, das Weihwasser als eine leere
Zeremonie betrachten müssen, ich aber die
Gebräuche meiner Kirche entweihen würde,
wenn ich sie zu bloßen Höflichkeitsbezen-
gungen herabwürdigte!" Ein bis jetzt zu
wenig hervorgehobener Zug darf Wieland
nicht vergesse» bleiben und bildet gleichsam
einen wohlthnenden Abschluß der roman-
tische», wie im Traum verlaufenden Wart-
hauser Musenepisode, an deren viele schone
Stunden W. stets, noch am Abende seines
reichbewegtcn Lebens, in wehmütiger Er-

innerung znrückgedacht hat. Wieland be-
fand sich (nach Ofterdinger a. a. O. S. 221)
am Abende des 27. Okt. 1768 znm letzten-
niale bei seinem schwerkranken hohen Freund
und Gönner. Als nun letzterer seine letzte
Stunde herankommen sah, ließ er sich in
die Bibliothek bringen und fragte hier
Wieland ans sein Gewissen, ob wohl So-
krates lind Plato könne toi eine Un-
sterblichkeit behauptet hätten? Als Wieland
dies bestimmt bejahte, war der Gras,
seiner Lebtage ein Freigeist, augenscheinlich
verblüfft, wurde aber hiedurch doch anderen
Sinnes, ging in sich, legte die Beichte
ab, empfing die Sterbesakramente seiner
Kirche und starb ausgesöhnt mit derselben
bereits anderen Tages. Welch ein Gegen-
satz zu einem anderen benachbarte», aller-
dings nm eine Generation jüngeren ober-
schwäbischen Tory, zu dem Grafe» Franz
Lud. Schenk v. Castell, dem sog. „Malefiz-
schenk" , gleichfalls einem Kinde des an
merkwürdigen Menschen so reichen philo-
sophischen Jahrhunderts!
Die Rlosterhöse in der Reichsstadt
Reutlingen.
Von Theodor Schön.
Nicht weniger als 5 Klöster (Beben-
Hansen, Königebroun, Marchthal, Sal-
mannsweiler und Zwiefalten) besaßen in der
Reichsstadt Reutlingen Klosterhöfe, welche
dazu bestimmt waren, die Gefälle und
Zehnten einzuziehen, die dem Kloster aus
der Stadt und deren Umgebung zuflossen,
und darum mit einem Verwalter, sowie
Mönchen, Laienbrüdern und Knechten be-
setzt waren. ES sollen im folgenden die
Schicksale der Höfe dieser 5 Klöster, zu-
erst des badischen und dann der 4 würl-
tembergischen geschildert werden.
1 Der S almanusw ei ler Hof.
Vergebens sucht man in dein oockex
Lulemitauus, einer trefflichen, allerdings
noch nicht vollendeten Qnellenpublikatiou
nach einer Urkunde, welche die Schenkung
von Gütern in Reutlingen au das Kloster
Salmannsweiler oder Salem betrisst. Da
schon 1304 eine Schenknng an den Sal-
mannsweiler Hof erwähnt wirdZ) ist der
Gayler I, S. NI, der sich auf eine leider
nunmehr verschollene Urkunde in den Mnsenms-
akien bernfl.
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