Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 15.1897

Page: 107
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Kirch gesammelt morde», ist dem Pfarrer
besohle» morde», solcher bei de» Hoch-
zeiten anznfachen, mit vorgehe»dcr ernstlicher
Ermahnung Gott mvhlgefällige Werk der
Barmherzigkeit. Es hat auch i» diese»,
Ort keine Stiftung.
Sekten:
Nichts.
Leonhard Paul, Vogt und Meßner hat
sich zeitlang des heiligen Abendmahls ent-
halten, weit er den todtschläger so ihm
s. Vater entleibt, täglich vor Augen sehen
muß. Ist solcher beim Landgericht Höch-
stadt anhängig. Hat auf Erinnerung zur
Antmvrt geben, es sei ihm leyd, daß er
nicht zum Abendmahl gehen könne,, wolle
Gott bitten, daß er ihm das Herz geben
wolle, damit er seinem Feind verzeihen
und alle Sachen Gott und dem Recht be-
fehlen und also das Nachtmahl würdig
empfangen möge.
SvnntagStanz und Knnkelhäuser sind
an diesem Ort verboten. Gleichwohl die
Kunkelhänser wider Verbot gehalten wer-
den, will der Vogt abschasfen.
Snperintendenz zu Laningen
Abraham Mane.

Württtittvorgur Hexenpredigteu aust
dum 16. Mhrlillliderr.
Von vr. N. Paulus i» Ätüuchen.
(Schluß.)
Zu Anfang des Jahres 1562 hatte
Graf Ulrich von Helfen stein, der
ans dem Schlosse zu Wiescusteig wohnte,
mehrere Hexen verhaften lassen. AuS
diesen, Anlaß predigte in Eßlingen der
Oberpfarrer Thomas Naogeorgns')
mehrere Sonntage nach einander über die
„Unholden" und deren verderbliche Wirk-
samkeit. Als nun noch am 3. August
1562 ein furchtbares Hagelwetter die
Gegend von Eßlingen »nd Stuttgart auf
18 Meilen im Umkreise gänzlich verheerte,
erklärten Naogeorgns und dessen Amts-
genossen das Gewitter für ein Werk der
Hexen; sie predigten anfS heftigste gegen
die „Unholden" und brachten dadurch eine
so große Aufregung hervor, daß ihnen
der Rat am 18. August ernstlich befahl,
Z Auch Kirchuinir genannt, lieber dessen
Schmähschriften gegen die katholische Kirche vrgl.
Janssen VI, 301 fs.

„sie sollten der Sache gemäß und nicht
so predigen, wie neulich mit dem Hagel
geschehen sei, damit sie den gemeinen Mann
nicht also verbitterten."')
Weniger schroff traten in Stuttgart
Matthäus Alber und Wilhelm
Bidenbach auf. Sie glaubten ebenfalls,
anläßlich des schrecklichen Hagelwetters
einige Predigten halten zu sollen?) Statt
jedoch in thörichler Weise gegen die Hexen
loszuziehen, ermahnten sie die Zuhöhrer
eindringlich zur Buße und Besserung des
Lebens. Das große Unglück, erklärten sie,
sei eine gerechte Strafe für das gottlose
Leben, das allgemein geführt werde.
„Was ist bei allen Stände» für eine Ver-
achtung Gottes nnd seines Worts! Was ist für
ein nberschwänglisches rnfianisches Schworen bei
Alten und Jungen, bei Manns- und Weibsper-
sonen! Wie so eine schändliche Undankbarkeit
gegen dem hl. Evangclio! Was für eine un-
menschliche Unbarmherzigkeit gegen armen Leuten!
Niemand will etwas zu Erhaltung der Kirchen,
Schulen, Armenkästcn, Spitäler nnd Vergleich.n
Gottesdienste geben oder sonst armer Leut Noth
nnd Anliegen recht ernstlich beherzigen. Was
soll dann Wunders sein, wenn schon der Donner
und Hagel drein schlägt und dasjenige, womit
wir weder Gottes Ehre noch der Menschen
Wohlfahrt fördern mögen, dem Teufel unter
seine Hände geben würde, daß er's verderbe?"
Wegen dev vielen Sünden, die so leicht-
fertig begangen werde», erlaube Gott dem
bösen Feinde, die undankbaren Menschen
mit allerlei Unglück heimzusnchen. Ohne
Gottes Zulassung könnten weder die Teufel,
noch viel weniger die Hexen irgend einen
Schaden uns znfügen. „So der Teufel
selbst ans eigener Gewalt nichts vermag,
was wollten dann seine Boten nnd Diener,
die ihm, also zu reden, das Schindmesfer
nachtragen, als Zauberer, Segensprccher,
Hexen und Unholden vermögen?" Aber
warum dann die Hexenverfolgnng? „Wa-
rum pflegt man dann nach Ausweisung
') K. Pfaf.f, die Hexenprozessc zu Eßlingen
im 16. und 17. Jahrhundert, in der Zeitschrift
für deutsche Kulturgeschichte. Jahrg. I. Nürn-
berg 1856. S- 257.
'ch Ein Summa etlicher Predigen von Hagel
und Unholden, gethvn in der Pfarrkirch zu
Stultgarten im Monat Augnsto, Anno LI. O.
UXII. — Durch D. Matheum Alberum und
D. Wilhelmum Aidenbach, sehr nützlich und
tröstlich zu diser zeit znlesen. Tübingen 1562.
12 Bl. 4". Abgcdrnckt in Lonsiliorum ll'Im«.
logioorum Oecms l. Durch Felix Bidenbach.
Franks, a. M. 1611. S. 118-133.
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