Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 15.1897

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inan ano seiner „Hexcnzeilnng" ersehen kan»,
stand Lntz ganz ans demselben Standpunkt,
wie der „durch die Bibel vom Hexen-
glauben srei gewordene" lutherische Theo-
loge. Wer wird jedoch dem Cchlcttstadtcr
Pfarrer nachrühmen wollen, das; er ein
Gegner deö Hexenwahns gewesen? Oder
wer wird ihn „hoch über zahllose AmtS-
genossen im Deutschen Reich" erheben
wollen!
Wir dürfen nicht unerwähnt lassen, das;
Brenz in lobenswerter Weise bei der Ver-
folgung der Hexen zur Vorsicht mahnt,
damit keine Unschuldigen gestraft werde».
Aber Lntz>) und viele andere katholische
Theologen thun dies auch. Der Jesuit
Delrio, der als „der gewaltigste Ver-
fechter der Hexenprozesse" geschildert wirdJ)
geht sogar noch viel weiter, als der luthe-
rische Prediger. Während Brenz behauptet,
eS sei besser, das; z eh n Schuldige ungestraft
ansgehen, als das; nur ein Unschuldiger
gestraft werde, lehrt Delrio: „ES ist
besser, das; h undert Schuldige ungestraft
davonkommen, als das; eine einzige Un-
schuldige verurteilt werde. Jeder Richter
solle stets vor Angen haben, daß ein
sicher ans Rot tw eil, wie ans der Tübinger
Malrikcl zu ersehen ist. Unten» 15. September
1528 ivnrdc er immattiknlicrt: Keulmrclus Dutx
lioUv/lsusis. Urkunden zur Geschichte der Uni-
versität Tübingen. Tübingen 1877. S. 645. Nebst
den bereits angeführte» Schriften sei nvch folgende
erwähnt: Lomnus Llirisliuuorum, seu Dxbor-
latio cle iucommuclis mortis pulienter ferenclis.
Nusileus 1569. Angeführt bei äl.Dipsuius,
NMNolbecu reulis tbeolocstcu. Druucok. 168z.
u, Z2Z.
') I» folgender Schrift, die er unterm 1. März
1557 dem Magistrat seiner Vaterstadt,,reipubli-
cuc Drzalrropolilrcuas'g gewidmet: Koligionis
Lbristianae dletlroclus. IZusilcue izz8. S. 198:
„dlagistratns supieuler, caulc atguo singulis
vplims explorutis ugere äcbet." L»h giebt
hierfnhr einen sonderbare» Grund an. Der
Teufel, ineint er, könne in der Gestalt bekann-
ter, ehrbarer Personen erscheinen, um diesel-
ben zu verdächtige». „I'Ierumque enim prodos
bomiucs infames rectclere ludorul, guo jlli in
clcsperulionem, cum se immunes utgue innoxios
sciaul, lacilius perlrabunlur." Ganz in dem-
selben Sinne schreibt Plantsch in der oben
angeführten Schrift (Bl.L8u):
operuri rutione cuius in mulam lümum inciclat
uncie cupiutur, torguentur. Uncle polest uppurere
insiclens vaccne in spscie mnlieris lronsstas,
ut eaclem Posten cls inalebcio uccusctur."
2) Svlda», II, 29.

höherer Richicr über ihni steht, der ihn
am jüngsten Tage richte» wird.'") Ein
anderer Jesuit, Lay mann, sagt eben-
falls: ES sei besser, wegen eines Häuf-
leins Unschuldiger viele Schuldige nicht zu
strafen.H
Was von Brenz gesagt worden, gilt
auch von Matthäus Alber, der in
seinen „Hexenprediglen" vom Jahre 1562
mit dein erstercn voll und ganz übcrein-
stimmt. Bor allem ein Wort über die
Vorfälle, die zu diesen Predigten Veran-
lassung gegeben haben.
(Schluß folgt.)
Die gräflich DouglaK'sche Glich-
gom-Mr Sammlung im Schlosse
Limgeusteiii bei Sroilrach.
Von Prof. a. D. Dr. Fr. M vne in Karlsruhe.
(Schluß.)
VI.
Die dritte, vierte und fünfte Abteilung
der Donglas'schcn Glasgemäldesammlung
enthält die sogenannte» Schweizer-Scheiben
von 1579 — 1627 und fünf Wappen-Schei-
ben von 1698 und zwölf solche von 1709.
Es sind im ganzen nur 27 Stück. Hier
kommt der Knnstwert wenig in Betracht,
um so größer ist aber die Bedeutung für
die LanRs- und Adelsgeschichte, sowie für
die Heraldik. Auch für die Uebergangö-
zeit der alten Glasmalerei zur Porzellan-
malerei sind diese Abteilungen für den
Kunstkenner interessant. — Die zeh» so-
genannten Schweizer-Scheiben sind von
1579--1627 datiert. Zwei derselben
haben Künstlermonogramine und zwar 1. I I.
1581 und U. ID >. 1579. Alle diese
zehn Stück sind Geschenke, welche an die
Aebte oder daö Kloster von St. Blasien
für die Abtöstnbe oder das Refektorium
bei verschiedenen Veranlassungen gegeben
wurde». Wenn dieselben auch keine her-
vorragende Leistungen i» der Kunst der
schweizerischen Wappenmalere! in Glas
sind, so ergänzen sic doch in mehrfacher
Hinsicht das Buch von lir. Hermann
Meyer, die schweizerische Sitte der Fen-
ster und Wappenschenknng n. s. w. Francn-
0 Delrio, DIscpusiliouum muZicurum Udri
sex. Lloxuntiue 1624. DU, z, sect. 1.
'st LahMttN», Mdeolo^iu morukis. kiloimcdii
1625. DM. z Ir. 6. c. Z.
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