Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 15.1897

Page: 183
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Kormnesser- und Weinsticherlohn. Das
Gotteshaus durfte auf der Reutlinger
Roßweide so viele Füllen „schlahen", als
viel einem Bürger von Jahr zu Jahr
gebührte. Will der Abt Korn zn Reut-
lingeu verkaufen, so mag er seinem Ab-
käufer andingen, den Messerlohn den
Stadtmessern zu zahlen, oder wenn er
es nicht will, den Lohn selbst zn geben.
Der Abt mag Wein ohne Berufung der
Weinstecher verkaufen und ist nichts schul-
dig den Weinstechcrn zn geben, wie an-
dere Bürger. Beruft er den Weinstecher,
so mag er seinem Abkänfer andingen, dem
Weinstecher Belohnung zu thun oder seinen
Teil dem Weinstecher selbst geben.') Den
Unlerkänserlohn, von Ochsen und Schweinen
herrührend mag der Abt dem Käufer andingen
oder selbst entrichten. Am 7. Dezember 1496
verlieh das Kloster Zwiefalten die Schleif-
mühle mit drei Nädern, zwischen Reut-
lingen und Pfullingen „auf Staingnn"
oberhalb der Brücke den Reutlinger Bür-
gern Peter Schilling, Conrat Linnggk,
Peter Pfatzlen, Conlin Aulen-
s ch m id, Jorg Eberbecken, Schleifer.
L nmm enh a n se n, Jakob Sirobel,
Biichel Noggenstil und Martin Lutz,
allen Messerschmieden zn stetem Erblehen
(St.-A.) _(Forts, folgt.)
F>chwstliischr Biographien.
l3. Johann GaudentiuS Anhau-
ser, ein Württemb erger Theologe
des 16. Jahrhunderts.
Von vr. N. Paulus tu München.
lieber den obengenannten Theologen
schreibt der Wiener Bibliograph Michael
Denis: „Ich glaube, dieser Mann habe
zur Aufrechthaltnng der wahren Religion
zn seiner Zeit unter uns viel beigetragen.
Er war einer der einzigen zwei Doktoren
der theologischen Fakultät. Aber wer ge-
denkt der Arbeiten dieser beschweißten
Kämpfer?"') Eine Klage, die auch heute
noch nicht ganz nnberechligt ist!
Johann Gandentins Anhanser wurde
geboren nm 1510 zn Reutlingen.
Am 5. Dezember 1526 bezog er die Tü-
binger Hochschule, wo er 1528 Bacca-
laurens und 1529 Magister wurde. Im
Jahre 1531 erhielt er eine Anstellung an
der Burse. Kaum hatte aber Herzog
Staatsarchiv; Gaylcr I, 142, bestbegrüu- >
dete, rechtliche KsprLeseiitrUio 1714, Behlage 6. s

Ulrich im Jahre 1534 begonnen, in sei-
nem Lande die neue Lehre einznführen,
so legte Anhanser sein Amt nieder, um
den Untergang der katholischen Hochschule
nicht mitzuerleben?) Mit voller Ueber-
legnng und freier Wahl hatte er sich dem
geistlichen Stande gewidmet, in einer Zeit,
deren Ungunst er wohl empfand. Sein
Entschluß, als Priester der Kirche zn
dienen, sagt er von sich selbst,") sei un-
erschütterlich gewesen, nichts habe ihn
wankend machen können, nicht der Unwille
der Eltern, nicht das Abmahnen der Ver-
wandten, nicht die dargebotene Gelegen-
heit zu einer Heirat, nicht das Hohnge-
lächter der Welt über die Priester.
Von Tübingen ging er nach Freibnrg,
wo cr sich am 26. Oktober 1534 imma-
trikulieren ließ?) Er wurde Vorstand
an der Burse und Lektor an derselben;
auch wurde er 1535 znm Dekan der philo-
sophischen Fakultät gewählt. Doch widmete
er sich hauptsächlich der Theologie und er-
hielt auch am 3. Oktober 1536 den Doktor-
grad?)
Hiermit ausgerüstet begab er sich Ende
1536 unter Vermittlung des Bischofs
Johann Faber und des königlichen Hof-
Predigers Gallus Müller nach Wien, wo
ihm eine theologische Professur an der
Universität verliehen wurde. Seine An-
trittsrede erschien 1537 im Drucke;")
ebenso ei» lateinischer Vortrag, den er an
Weihnachten 1536 hielt?) Zwei dog-
matische Schriften, die er in den Wid-
mnngsschreiben zu den erwähnten Publi-
kationen ankündigt, sind nie gedruckt wor-
den. In dem Wintersemester 1537 — 1538
hatte Anhanser an der Universität das
Amt eines Rektors zn versehen; in den
Jahren —1539 wurde er auch drei-
mal znm Dekan der theologischen Fakultät
erwählt?) Zudem beauftragte ihn am
3. April 1538 der Bischof Faber, an den
Sonntagen der Advents- und Fastenzeit
sowie an etlichen Sonntagen des Jahres
an seiner Stelle im Dom zn predigen?)
Daß er es aber, wie N. Roth im An-
schlüsse an Crnsius behauptet,'«) „in
Wien bis zum Bischöfe gebracht haben
soll", ist unrichtig. Durch seine über-
mäßigen Arbeiten zog sich der hoffnungs-
volle Gelehrte im Dienste der Kirche einen
frühzeitigen Tod zu. Infolge von allzu
großen Ueberanstrengnnge» starb er am
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