Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 15.1897

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Wertschätzung dieser Glasgemälde ins
Gewicht fällt und den Ausschlag giebt. —
Die Namen der Glasmaler und deren
Heimat sind vorerst nicht bekannt, aber
einige Anhaltspunkte bieten diese Scheiben
dennoch. Dahin darf man das Zeichen
oder Monogramm zählen, welches in der
Form nnd an der Stelle eines Stempels
des Waffenschmiedes an Lanzenspitzen und
auf einem Schwerte angebracht ist. Diese
(fünf) Scheiben scheinen 1514 in Konstanz
hergestellt worden zu sein. — Die Ver-
mutung, daß der 1524—25 in Pfnllen-
dvrf als Glasmaler thätige Goldschmied
Heinrich von Wien der Künstler der
Kreuzigungsgrnppe gewesen sei, hat man-
ches für sich. Sein Monogramm hat
etwas Aehnlichkeit mit dem Wasfenschmied-
stempel, der bei der Kreuzigungsgruppe
dreimal vorkommt.
Außer diesen genannten Punkten kommt
den Langensteiner Glasgemälden auch
wegen der Darstellung ein Monographischer
Wert zu. Vier derselben haben einige Aehn-
lichkeit mit den im Freiburger Münster im
hohen Chore angebrachten Scheiben, welche
eine Stiftung von Kaiser Maximilian,
Karl V. nnd dem Herrn von Rappold-
stein sind und welche nach allgemeiner
Annahme 1511 und 1512 von einem
Ulmer Künstler hergestellt wurden. Das
Miserikordiabild oder der sog. Schmer-
zensmann zeigt einige Annäherung an den
gleichen Gegenstand, welchen Albr. Dürer
als Kupferstich behandelte. Ans dem Hoch-
altäre des Münsters in Freiburg, welchen
Waldung Grien 1517 gemalt hat, entdeckte
Herr Glasmaler Merzweiler in Freibnrg
die Figuren des hl. Hieronymus und der
hl. Ursula, wie solche auf dem Langen-
steinschen Glasgemälde Vorkommen. —
Die Maria als re§inn nn^elorum mit
der Einhornjagd als Miniatüre nnd der
hl. Christophorns, beide vorzüglich in der
Komposition nnd Technik, sind ikonographisch
in mehrfacher Hinsicht als rnricm zu be-
zeichnen.
Was den Wert betrifft, welcher diesen
Glasgemälden als historischen Dokumenten
zukvmmt, so sind drei Punkte zu unter-
scheiden: erstens die Orte, wo und für
welche dieselben angefertigt wurden, zwei-
tens die Bereicherung der Biographieen von
Holbein d. I. nnd Waldung Grien, welche

auS denselben gewonnen wird. Und als
drittens ist endlich anznführen, daß die Na-
men und Wappen der Familien: Vom Brunn,
Widmann, Spilmann, v. Schnewlin, v. Wan-
gen, Baßler, von Bossenstein, v. Botzheim,
Thannheim darauf Vorkommen. Auch das
kann als geschichtliches Denkmal gelten, daß
die Wappen des Bistums Konstanz und deS
Königs Karl V. auf zwei Stücken sich
finden. Daß diese Glasgemälde zum
größten Teil in Basel nnd für diese Stadt
gemacht wurden, unterliegt keinem Zweifel.
Nur fünf Stücke könnten nach der Lebens-
geschichte des Domherrn Johann von Botz-
heim, gestorben 1535 in Freiburg oder in
Konstanz, gemacht worden sein. Einige
haben für die Genealogie der genannten
Adelsgeschlechter nnd für die Heraldik,
andere als Porträts, weil sie nck vivum
gemalt sind, einen besonderen Wert für
die badische nnd Baseler Landesgeschichte.
Was die Arbeiten des Malers Hans
Waldung Grien, über welche schon viel
geschrieben worden ist, betrifft, so kommt
den Donglas'schen vierzehn Figurensenstern
dieses Meisters insofern ein hoher Wert
zu, als sie die Entwicklung dieses Meisters
als Wappenmaler von 1512—1516 zeigen.
Das 1896 erschienene Buch von Robert
Stiassny: Hans Waldung Griens Wap-
penzeichnungen in Coburg, ein Beitrag zur
Biographie des oberrheinischen Meisters,
giebt meistens solche Zeichnungen, die ans
den Jahren 1520—30 stammen, mithin
jünger sind, als die Glasgemälde aus der
Baseler Karlhanse. Die zwei Werke von
Or. Gabriel von Terrey, Kustos der
Knpferstichsammlnng an der National-
galerie in Budapest, Verzeichnis der Gemälde
des Hans Baldnng, gen. Grien, 1894 und
die Handzeichnnngen deS HanS Baldnng
Grien mit Text Heft 1, 2, 3, 1896 und 97,
wurden aufmerksam bezüglich der Baseler
Glasgemälde geprüft. Robert Stiassny
a. a. O. S. 16 behauptet, die Anwesenheit
Baldnngs unter dem Namen „Hans von
Gmünd" in Freiburg 1511 sei „durchaus
unbegründet". Die Donglas'schen Glas-
gemäldc beweisen aber, daß er schon
1512 in Freibnrg für Basel gearbeitet
hat. Ich nehme weiter an, daß Baldnng
1511 in Freibnrg einzelne Kartons für
die Baseler Glasmalereien von 1512 an-
gefertigt habe.
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