Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 23.1905

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zusühren, das einen im Schoße seiner
Mutier schlafenden Jesus voistellt. Nach
siebenjährigem Aufenthalte in Venedig be-
suchte er auch noch andere Städte Italiens,
vornehmlich Turin. Von Italien ging er
nach Frankreich, und zwar zuerst gen
Paris, wo er nickt wenig, darunter ein
seinerzeit gerühmtes Bild : „Die Sultanin
im Bad", malte, zog aber wieder von
dannen, weil er die ihm gebührende An-
erkennung nicht zu finden glaubte, bezw.
wegen seiner Nachtaufnahme in die Aka-
demie der schönen Künste und wegen des
Gespöttes seiner Neider. Darauf wandte
er sich nach LangreS, wo damals »och ein
künstlerisches Leben herrschte und er einige
Altargemälde in die St. PeterS (?Pfarr-)
kirche lieferte, in der Haupisache aber sich
aufs Porträtfach verlegte, in welchem er
mit Leichtigkeit und in allen Manieren,
vorzüglich in Pastell, arbeitete. Hier war
es auch, wo er sich (mit einer Französin ?)
verehelichte. Er fand viele Beschäftigung
in den Schlössern bei LangreS, mit der
Zeit in der ganzen Champagne und
Franche-Com e, wo man vielfach noch die
Spure» seines künstlerischen Schaffens
finden konnte; auch war vor einigen Jahr-
zehnten in LangreS (nach gütigen Mit-
teilungen meines Gewährsmannes, Pro-
fessor G. de Beausejour in Besau?»»)
noch das schön von ihm gemalte Bildnis
seiner Mutter zu sehen. Dann suchte er
Dtjon auf, wo er u. a. den Kapitelsaal
(nach andern die Kapelle der heiligen
Jungfrau) der leider währeud der Revo-
lution beinahe ganz zerstörten Kartause
mit sieben Scene» ans dem Leben
Marias (»sept tudleaux, Mrnis cle
cucircs, en böig clore et inurbre,
a^ant environ 8 piecls cle ioriA sur
6 cle baut«: Anbetung der Hirten
und Weilen; Reinigung; Flucht nach
Aegypten; Vorstellung im Tempel; Ver-
kündigung ; Heimsuchung) ausmalte; sein
ebenfalls nicht mehr vorhandenes Gemälde:
„Magdalena am Tische Simons, des
Pharisäers", im Speisesaal daselbst galt
als sein Meisterstück. Er fand indes
seine Rechnung nicht dabei; arm, ver-
schuldet zog er nach Lyon, wo er u. a.
drei Altarblätter in die Küche cke Lte Croix
(alias von Xotre-Oalils) und eines in
die Kirche ü la proviclence lieferte. Diese

Altarbilder kamen über die Revolution
in das Palais St. Pierre, welches als
Museum diente. Bei der Wiederöffnung
der Gotteshäuser nach der Revolution
würben die religiösen Gemälde unter die
verschiedenen Kirchen Lyons, so von
St. Bruno, St. Just und 3t. ?ierre —
Iss Xonuins verteilt. Die Kraueschen
Stücke sind aber nicht mehr zu finden.
Ju Lyon traf ihn nun der Ruf des Fürst-
abtes Nikolaus II. Jmfeld von Einsicdeln,
welchem er im Jahre 1745 nach einigem
Aufenthalte in Bern folgte. Zuerst inalte
er in Einsiedeln, gleichsam zur Probe,
das Blatt des Patroziniumsaltars binnen
sechs Monate» um zirka 500 fl., welches
zur Zufriedenheit aussiel. Sodann ent-
warf er, zugleich in der Architektur und
Bildhauerei erfahren, zu Anfang des
Jahres 1746 ein Modell für den Umbau
des Chors in besonders gutem und
apartem Geschmack, und am 6. April des-
selben Jahres schloß der Konvent mit ihm
einen Vertrag, wonach er den unteren
Chor samt Statuen und Bildern, Slnccatnr-
und Manuorarbeit neben freier Station
um 18 000 st. zu malen hatte. Krauß
konnte natürlich diese vielseitige Auf-
gabe nicht allein bewältigen und schloß
zu diesem Behnfe alsbald Scparatveriräge
mit anderen Meistern ab, auf die er unter
Vorbehalt der Oberleitung einen Teil des
Werkes übertrug; die Modelle der vielen
Statuen bossierte Kraus aber noch selbst.
Er machte sich, durch tüchtige Schüler,
namentlich durch Cölestin Birchler und
Nikolaus Weiß von Einsiedeln unter-
stützt, alsbald rüstig an seine Aufgabe,
die größte seines Lebens, und nahm zu-
nächst die Fresken im neuen (unteren)
Chor in Angnff, wo er zu Anfang August
1746 bereits ein Stück, „Das Paradies",
im September desselben Jahres ein wei-
teres, „Sodoma", trefflich fertiggestellt
halte. Kraus war aber viel kränklich und
beim besten Willen nicht im stände, die
Ausmalung des Chores zu Ende zu führen;
so mußte er denn hiezu im Jahre 1748
eine fremde Hand z» Hilfe nehmen, welche
er in dem bekannten Schnellmalcr Balthasar
Ni epp aus Kempten (s. über denselben
„D.-A." XVII. S. 26/27), einem vor-
züglichen Kolonsten, fand. Letzterer er-
ledigte dann auch seine Arbeit, bei welcher
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