Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 23.1905

Page: 97
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Aunst und Anltnr der Dicizesc Gottenvurg und der angrenzenden Gebiete.
lserausgegeben und redigiert von Amtsrichter a. D. Beck in KavenKburg.
Beiträge, Korrespondenzen rc., Rezensions-Exemplare, Tauschzeitschriften rc. wollen
stets direkt an Amtsrichter a. D. Beck in Ravensburg, Bestellungen und Reklamationen an
die Expedition des „Deutschen Volksblatts" in Stuttgart, Urbanstraße 94, gerichtet werden.

Mr. t.
-IS08.

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ZI.
EiahW.

3.5. Bruderschaften und Bündnisse
iin Landlrapitel (Wurzach-)Waldsee.
(Fortsetzung.)
Halste rkirch.
Die ehemals dem Prämonstratenser-
kloster Not inkorporierte Pfarrei Hai st er-
kirch war wegen ihres Brnderschafts-und
Bündniswesenö sozusagen berüchtigt. Denn
dort existierten einst sechs verschiedene
Bruderschaften bezw- Bündnisse gleichzeitig
nebeneinander; nach dieser Richtung hin
marschiert der Ort au der Spitze sämt-
licher Pfarreien des Landkapitels. Nimmt
man dazu noch die in den einstigen Filial-
kirchen errichteten Vereinigungen, so haben
wir zehn verschiedene Bruder-
schaften in einem Pfarrbezirk, von
denen eine (die Rosenkranzbrnderschaft)
an drei oder vier Orten der Pfarrei er-
richtet war. — Bei Dekan Kistler standen
die Haisterkircher wegen ihres „Bigottis-
mus" arg in Verruf. Dazu kam, daß
die dort bestehenden Vereinigungen in den
Pfarrberichten vor 1830 teilweise ver-
schwiegen wurden. Durch die Nach-
forschungen im Jahre 1833 kamen sie an
den Tag. Demnach existierten damals in
Haisterkirch nebeneinander folgende Bruder-
schaften und Bündnisse: 1. Die Rosen-
kranzbruderschaft. Nach einem Be-
richt vom Jahre 1824 wäre sie dort im
Jahre 1727 eingefnhrt worden; tatsäch-
lich verlieh aber schon Papst Klemens XI.
am 3. März 1713 ein Privilegium für
den Altar der Nosenkranzbruderschaft da-
selbst ans siebe» Jahre, wonach alle, die
ihn an den Freitagen besuchten und dort
andächtig für das Wohl der Kirche beteten,

einen Ablaß von 100 Tagen gewinnen
konnten. Am 14. November 1725 er-
neuerte Papst Benedikt XIII. dieses Privi-
legium. Die Prozessionen an den Mo-
natssonntageu hatten 1833 längst aufge-
hört. Bruderschaftsbüchlein waren um
jene Zeit keine im Gebrauch.') — 2.Die
Bruderschaft vom h o ch w ü rd i g st e n
Gut,2) welche nach einem Bericht vom
Jahre 1824 anno 1715 entstanden ist.
Am 14. November des genannten Jahres
verlieh Papst Klemens XI. dieser Bruder-
schaft Ablässe für Allerseelenoktav und alle
Mittwoche. Eine besondere Feier fand
statt an fünf Bruderschaftssonntagen, den
sogenannten hochwürdigen Sonntagen, mit
Prozessionen und Festpredigt. Nach einem
Rezeß vom 23. Februar 1778 mußte der
jeweilige Pfarrvikar von MolpertShauS
wie auch der von Mühlhausen einmal im
Jahre an einem hochwürdigen Sonntag zu
Haisterkirch predigen und bei allen Pro-
zessionen der Bruderschaft daselbst er-
scheinen. Nach einer Mitteilung des
Pfarrers 1^. Schmid von Mühlhausen vom
Jahre 1803 wurde» jene fünf Sonntage
„wegen Beschränkung der Christenlehre
heilsamst von dem Gdgstn Ordinariat be-
sonders zu Haisterkirch abgestellt" (Mühl-

') Bei der feierlichen Einführung des heiligen
Kreuzpartikels zu Laisterkirch am 3. Mai 1726
beteiligte sich die ganze Nosenkranzbruderschaft
mit ihren Insignien; die Männer trugen die
Stäbe, die Weiber die Schilde, die Jungfrauen
Kränze, die Junggesellen zu viert das Bild des
hl. Joseph, zwei ginge» zu beiden Seiten; vier
Jungfrauen trugen das Bild der hl. Jungfrau
Marin, von zwei anderen begleitet.
2) Vgl. Allgemeiner Teil S. ll — Corporis
Christi-Bruderschaft.
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