Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 23.1905

Page: 188
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Wenn in Ahldorf neben Konrad auch
PelagiuS als Patron erscheint, so läßt
sich das ans dem Nebeneinander der beiden
Heiligen überhaupt am einfachste» erklären.
Daß das Fest des Heiligen (28. August)
fiüher besonders müsse gefeiert worden
sein, entnehmen wir einem alten Kirch-
bierlinger Kalender (Verzeichnis von Jahr-
tagen), wo der Tag die rote Farbe z-ugt.
In einem Meßbuch vom Jahre 1597 wird
in der Allerbeiligenlitanei nach S. Vin-
zentius auch Sanctus PelagiuS augernfen.
Als Kirchenpatron haben wir den hl.
PelagiuS auch in Bischofzell bei S. Gallen
und in Bonndorf, Amt Ueberliugen, getroffen.
In dem Werke: „Die Kirche unserer
Zeit und ihre Diener in Wort und Bild"
wird ans S. 255 ein Pelagiberg im
Thurgau als Wallfahrtsort genannt.
Heiltnm von S. PelagiuS ruhte ca.
987—1039 zu Einsiedeln in einem kleinen
Kn uz. (Stü ckelbcrg, Geschichte der Re-
liquien in der Schweiz.)

Aus der Marrriiirschjchte von
Wurgach.
Von Kreuzkaplan Fink kein er daselbst.
I. Tcr Göllesberg bei Wurznch
(»ach den Alten des sürstl. Schloßarchios,
FaSzikel 38).
(Fortsetzung.)
c) Geistliche und Mesner.
Der erste, aber nur misericorcliter
(„aus Erbarmen") auf dem Gotteöberg
angestellte Priester war Matthias Dermle.
Derselbe besorgte schon an der ursprüng-
lichen Kapelle den Gottesdienst (wohnte
wahtschtinlich ans dem GotteSberg) und
starb im September 1719. Nach seinem
Tode entstand über seine Hinterlassenschaft
ein langwieriger ObsignalivnSstreit, der
bis zum Jahre 1726 dauerte, indem
einerseits die Herrschaft auf seine Hab-
seligkeitcn Anspruch' erhob, weil sie den
betrrffknden Geistlichen angestellt hatte,
und andererseits die geistliche Obrigkeit
ihre Ncchte geltend machte Erst nach-
dem die Hinterlassenschait durch die Länge
der Zeit teilweise zu Grunde gegangen
war, entschied man sich für Teilung.
Der er ste B e n e fiziat, der im Iaht e
1723 definitiv für den Gottesberg (jetzt
Heiligkrenzkaplan) angestellt wurde, hieß

Johannes Holzer und wohnte be-
reits im jetzigen südliche» Kaplaneigebäude
(>m Dachgebälke findet sich die Jahrzahl
1715).
Nachstehende Instruktion von seiten des
damaligen Grafen Ernst Jakob vom Jahre
1723 gibt uns Aufschluß über die Ver-
pflichtungen und Einkünfte des ersten
Benefiziaten — Bestimmungen, welche teil-
weise auch heutzutage noch für die Heilig-
krenzkaplanei in Kraft sind:
„Wir Ernst Jakob, des Heil. röm. Reichs Erb-
truchseß Graf zu Zeit, Freiherr zu Waldbnrg,
Herr zu Wnrzach, Marstette», Almannshofen,
Wolfegg und Wnldsee :c., der röni. I'I'. Majestät
geheiinbder Rat und Käinerer rc. erkennen hier-
mit, daß Wir den Ehrwürdig und Wohlgelehrten
Herrn Johann Holzer zur Vorsehung dos denelicii
manualis auf Unserem Gottesberg allhier ange-
nommen und derselbe hingegen nachstehende
snuctic> nes und c> d I i g » r i i> u e s fleißig zu
verrichten und zu halten versprochen: Als
t.mo Soll derselbe allwöchentlich zwei Heil.
Messen, benanntlich am Mitwoch und Freytag.
wenn kein Feyertng vorfallet, und da am F-rep-
tag kein fsslum cluplex ist, vutivam Ue passione
clomini : Ilumiliavir (Votivmesss vom Leiden
Christi), beede aber zu Unserer Intention ans
ermeldtem Gottesberg lesen und applizieren, die
übrige Tag ihme zu seiner willkürlichen Appli-
cation freyüberlasseud. Und damit
L.clo dem Gottesdienst in unserer Pfarrkirchen
kein Abbruch geschehe, werdet Er Herr Beue-
flciatnS an Sonn- und Fepertagen' zu der von
Uns oder unserm H. Pfarrer ihme bestimmenden
Zeit daselbst die H. Blesse lesen. Und gleichwie
Z.tio selbiger bereits pro cnrn (für die Seel-
sorge) examiniert und admittiret (zugelassen)
worden ist, also auch solle Er ermeldt unserm
H. Pfarrer in seine» vielen pfarrlichen Ver-
richtungen, so es nöthig seyn würdet, in xudxicüum
(aushilfsweise) mit Beichthören, Predig- Kinder-
lehr-Halten, Providirnng (Versehen) der Kranken
hier und auf dem Land, taufen, auch singen und
musiciren auf der Orgel (!), und all übrigen
geistlichen Hebungen beispringen und an Händen
gehen, auch nach desselben ciircction sich gänzlich
richten. Ist Uns auch
3.>o sehr lieb, wenn derselbe nicht nur an
Sonn- und Feyertägen, sondern auch zu denen
Ordinari (gewöhnlichen) Gottesdiensten mit Thalar
und Chorrock angethan aus seiner Wohnung in
die Kirchen sich begeben wirket. Und wie Wir
nun
5.to das gute Vertrauen zu ihme H. Holzer
stellen, daß derselbe nicht alleinig allem vor-
stehenden getreulich Nachkommen, auch gegen Uns,
denen Unsrigen und männiglich sich gebührlich,
fried- und exemplarisch aussühreu werde, da wir
widrigen Falls Uns die gebührende correctiou
von geistlicher Obrigkeit auszubringen, oder ihne
nach der Sachen Beschaffenheit selbst zu dimittircn
(entlassen) reservieret haben wollen: also auch
und zu Wiedervergeltung alles dessen Wir Ihme
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