Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 23.1905

Page: 80
Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/dioezarchivschwab1905/0088
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
80

Keppler a. c>. O. aber nicht bedeutend
und schon der Renaissance sich nähernd.
„Von der inneren Ausschmückung der
Kirche, den Altären, Tabernakel rc. findet
sich nichts mehr, als der obere Teil eines
Weihwasserkessels"; bei Keppler a. a. O.
wird ein achteckiger, gotischer Taufstein
angeführt. „In dem ganz unansehnlichen
hölzernen Türmchen dieser Kapelle befin-
den sich zwei Glocken, eine aus dem Jahre
1443; sie trägt die Inschrift in altdeut-
schen Lettern:
St. Laurenz Glock bin ich,
Panlleon Sidler von Eßling goß mich,
als man zählt 1443."
K. erwähnt eine Glocke von 1493 und
4 (?) Glocken von 1699. Nach einer
späteren Notiz des 9110. Berichts der ge-
nannten Verhandlungen rc." (U. 1855,
S. 5) vom Sommer 1851 wäre das
Bild des hl. Laurentius vor einiger Zeit
abhanden gekommen; „übrigens seien noch
zwei andere Gemälde dort, aus der U.
Schule, jedoch ohne besonderen Wert, eine
hl. Barbara und eine hl. Margareta;
auch sei ein alter Altar noch vor-
handen." Die auf einer Anhöhe schön
gelegene Kapelle scheint in frühere» Zeiten
ein Wallfahrtsort znm hl. Laurentius
gegen den „Brand und Rückenschmerzen" ec.
aewesen zu sein. Nach den im „D.-A."
XXI, 1903, Nr. 10, S. 145 ff. zur
Sprache gebrachten »Hectionulir Nemo-
radil. et Reconclitar.«, Lauingen 1600,
II. p>. 1056 des bekannten Antipapisten
Johann Wolf knüpfte sich an die Wall-
fahrt in diese Kapelle folgender Mißbrauch:
Luperstitioex yu 3 estu (lö97). HeMiit
I§. yuiäsm 6<ie cii^uus rrmicus, Huod non
procul 3 P3gc> 8iess3 M3ior uuncupato, Hui
Olmensiuin ditionis est, et 6eislii>g3 eius-
dein reipudiicae oppido, milliare vulz;3re dislat,
ex DucLtu incl^to VVirteinvergico in Olmensiuin
territoriuirr et ä^nLstiam Iler lacientivus, 2d
8ioistr3m, in proximo colle, vestut» cupeila
conspicistur, nomine Id / b ersp 3cir ad nobilem
^uendanr pontificium spectaus: cui nntic^uitus
praeter aiia pontidcias relij-iositatis j-enera Ilaec
peculiaris superstitio, utl admodum ridicuia,
ita maximopere piis aurivus et animis penitus
adverso, attributa sit.
L'a e8t, nt, r^ni aii^uando illicitis üammis
pellectus moeclratus es8et, 8udlixaculo prae-
latae Lspellas odiato et immi88o (cjuae sudii-
Zacuia in 8umino Mius Lapeiiae pavimento 8unt

asservata: et sllpsrioridus annis cuidain vir
ücle (iij;no satis ma^nus eorum fascicuins e8
visus: qui etinm, ^uo sidi Iiuius superstitionis
irrefra^avile te8timoninm 8uppeteret, unum ex
i8ti8 pecnnia reciemit) in po8terurn 3 inoeelnr-
tionis maio pror8U8 iiver exi8teret, ne^ne cri-
mine vuic nslancio cisnno soret odnoxiu8.
Limiliter et r^ui impermizsa vencre aestuaret,
et cie tvori vioiatione periciitarelur, voram
8ui>Iigse»Iorum, in saepius Memorntam dapeliam
oviatornm uno, suo prelio reciemtu, parte cor-
poris conveniente cinctus uteretur, omne peri-
cuium inalssuadi aeslus Venerei eslugeret, nec
c^uic^uain aciversus conjugale vinculum admit-
teret. Imp. Itnci. II. I?p. LIemsn. VIII.
Lange nicht so alt ist die (jetzt als,
Altertümersammlung dienende 1579, bezw.
1589) neben einem damals neuangelegten
Gottesacker entstandene St. Lorenzkapelle
in Nottweil, zu welcher früher eben-
falls gewallfahrtet worden sein soll (s. über
dieselbe Keppler a.a. O., S. 301, und „Nene
Mitteilungen des archäologischen Vereins
zu Nottweil", 1870, S. 15—31). Unter
den in dieser Kapelle jetzt ausgestellten,
altdeutschen Schnitzwerken befindet sich auch
eine 3'2" hohe Statue des hl. Lauren-
tius mit einem kleinen Rost in der Hand,
welcher sein Martyrium andentet. Diese
Statue wurde mit einer des hl. Bartho-
lomäus sowie mit einem das Brustbild
des mit Dornen gekreuzigten Christus auf
dem Dachboden der alten Wallfahrtskirche
auf dem Heerberg, OA. Gaildorf, woselbst
der berühmte Zeitblomsche Altar stand,
gefunden und gehören diese drei Schnitz-
werke zu den besseren Arbeiten der Nott-
weiler Altertümersammlnng. Dieselbe
Sammlung enthält auch noch an der west-
lichen Wand, links vom Eingang ein alt-
deutsches, den hl. Apostel Paulus und
Märtyrer Laurentius auf Goldgrund
mit gotischer Verzierung darstellendes Ge-
mälde, die innere Seite eines Türflügels
von dem Altäre, der einst in der nun abge-
brochenen Wallfahrtskirche zu Lotenberg bei
Dürnau, OA. Göppingen, stand sowie über
dem Chorbogen ein aus Ehingen a. D. stam-
mendes altdeutsches, den hl. Laurentius
mit dem Rost vorstellendes Gemälde auf
Goldgrund. Alle diese LaurentiuSdarstel-
lungen gehören, wie gesagt, der Nottweiler
Lorenzkapelle nicht ursprünglich an, sondern
sind erst zu Anfang der zweiten Hälfte des
vorigen Jahrhunderts mit den andern Sam-
melstncken in dieselbe verbrackt worden.

Stuttgart, Buchdruckerei der Alt.-G-t- .TeuticheS BoUsblatt".
loading ...