Die Dioskuren: deutsche Kunstzeitung ; Hauptorgan d. dt. Kunstvereine — 7.1862

Page: 356
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Verhäßlichung, weil sie den wahren Charakter der
Natur verwischt. Es hängt diese falsche Jdealisirung bei
ihm durchaus mit der Weise der Technik zusammen, wes-
halb wir hierüber einige Worte sagen müssen.

Wir wissen wohl und erkennen es gern an, daß Mey-
erheim in dieser „feinen" Manier unübertrefflich ist, daß
ihm das „Keiner nachmacht"; wir erstaunen über diese
minutiöse Sorgfalt, über diese unendliche Mühe der Durch-
führung und bewundern vor Allem die Geduld des Künst-
lers, an ein Werk von verhältnißmäßig geringem Gedan-
keninhalt solche ungeheure Arbeit zu setzen. Allein diese
Anerkenntnisse liegen doch schließlich außerhalb der eigent-
lich künstlerischen Frage, wir meinen abseiten der Frage
nach dem inneren künstlerischen Werth des Werkes wie
der ganzen Richtung. Es giebt einen kleinen, aber sehr-
wesentlichen Unterschied zwischen dem künstlerischen Reiz
und dem natürlichen Reiz, und in der Jgnorirung dieses
Unterschiedes liegt unsers Erachtens der Jrrthum vieler so-
genannten Kleinmeister. Sie meinen nämlich durch die bis
zum Mikroskopischen gehende Durchführung die Natur in
ihrer Detailwirkung erreichen zu können. Allein abge-
sehen davon, daß sie immerhin auf die stereoskopische Plastik
der Natur verzichten müssen*), bedarf es auch nur der
Anwendung eines Vergrößerungsglases, um die feinste
Meyerheimffche Malerei zu desorganisiren, d. h. in
eine Technik zu verwandeln, welche sich zu jener wie eine
Bastmatte zu Spinnweben verhält, während die Natur, durch
ein tausend- ja millionenmal mehr vergrößerndes Mi-
kroskop betrachtet, bis in die Unendlichkeit hinein immer
organisch bleibt. Hierin liegt also die Grenze der Natur-

*) Beiläufig gesagt, wäre es sehr interessant, wenn ein solches
Meyerheimsches Bild einmal doppelt und zwar stereoskopisch, d. h.
mit geringer Veränderung des Standpunkts/ um für jedes Auge
ein besonderes Bild zu haben, gemalt würde, um den plastischen Effekt
eines solchen DoppclbildeL mit dem der Natur vergleichen zu
können.

Nachahmung deutlich genug, und zugleich die Lehre, daß
die Aufgabe und der Werth des Kunstschaffens worin an-
ders liegt, nämlich — um es mit einem Wort zu sagen —
in der für das Auge allein berechneten Hervorbringung
des charakterischen Scheins der schönen Natur, nicht in
dem vergeblichen Versuch, diese Schönheit durch direkte
Nachahmung zu rcproduciren oder wohl gar noch zu ver-
schönern.

Dies sind unsere principiellen Bedenken gegen die Ma-
nier überhaupt, und bannt auch gegen jedes dieselben ver-
tretende Werk. Es giebt allerdings Gebiete, auf denen
diese mikroskopische Malerei zulässiger erscheint, z. B. das
kleine Stillleben; es giebt aber auch Künstler, die in den
höheren Meldeten der Kleinmalerei etwas in höherem
technischen Sinne Künstlerisches leisten, z. B. M'cissonier.
Allein dieser ist iveit von einer glatten Nachahmung der
Natur entfernt. Seine kleinen und so sauber durchgeführ-
tcn Bilder sind keineswegs mikroskopisch behandelt, oder
doch nur in dem Sinne, daß sie mikroskopische Berkleine-
rungen größer gedachter Bilder sind. In ihnen kommt
der künstlerische Schein völlig zu seinem Recht, und
deshalb sind sie auch in koloristischer Beziehung Meister-
werke. Im graden Gegensatz zur Meyerheim'schen „schö-
nen Naturnachahmung", welche das Charakteristische der
„Schönheit" opfert, steht Menzel, welcher in der Anti-
pathie gegen die bloße Naturschönheit bis zum Karrikatur-
artigen fortgeht, indem er umgekehrt die Schönheit dem
Charakteristischen opfert und letzteres dadurch zum Häßli-
chen denaturirt. Doch wir wollen uns nicht zu weit von
unserer Aufgabe verirren, glauben jedoch, daß grade der-
gleichen allgemein principielle Betrachtungen über eine
bestimmte Kunstrichtung für das Verständniß der Kunst
und ihrer Zwecke zuträglicher ist, als bogenlange Beschrei-
bungen von Bildern, womit Niemandem wirklich gedient
wird. (Fortsetzung folgt.)

Briefkasten.

Herrn I>r. S. in Weimar. Erhalten allerdings, aber noch uns sehr erfreut. Ob wir im Stande sein werden, schon in
immer nicht —^ die hiesige Ausstellung nahm bisher unsre Auf- nächster Zeit etwas zu senden, steht dahin; wenn es irgend inög-

merksamkeit zu sehr in Anspruch — dazu gekommen, es zu be- lich ist, wird es geschehen. Der Brief ist besorgt. Den ver-
sprechen. Ihre Mittheilung in Betreff des neuen Journals hat sprochenen Bericht erbitten wir baldigst. D. Red.

Schwarzes Mett.

Kcrr Landschaftsmaler Waron G. Kund von Kafftcn wird
hiermit in seinem eignen Interesse dringend ersucht, uns

sofort seinen Aufenthaltsort anznzeigen oder sich persönlich in un-
fern Geschästslokal einfinden zu wollen. Die Exp. d. „Diosk."

Wir machen unsere Leser auf den
dieser Nummer beiliegenden, von der
Zeiser'schen Buchhandlung in Nürnberg
veröffentlichten

Prospekt des Albrecht-Dürer-
Albums

aufmerksam.

______D. Exp, d. Diosknren.

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