Die Dioskuren: deutsche Kunstzeitung ; Hauptorgan d. dt. Kunstvereine — 7.1862

Page: 169
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Deutsche Kunst-Zeitung.


Üjcransgtgebrn und rtbigirt ,

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> Siebenter Jahrgang.

) von

1. Sn«*

!' M 22. ,

Dr. Max Schasler,

1862. 1


> Herausgeber des „Deutschen Kunst-Kalenders" in Berlin. <


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Korrespondenzen: A London, Ende Mai. (Die Kunst- und
Industrieausstellung I.) — ch-s- Hamburg, im Mai. (Kunst-
ausstellung V.)

Kiinstchronik: Verschiedene Lokalnachrichten aus Berlin, Düssel-
dorf, Hannover.

Kunstgeschichte und Antiquitäten: Einige Bemerknngeu zu

Waagen's „Handbuch der deutschen u. nieder!. Malerschukdn".

alt:

Kunstlitcratur »nd Album: Becker, Charakterbilder aus der
Kunstgeschichte. — Album: Storch u. Kramer, Norwegische
Hochebene u. s. s.

Kunstinftitutc und Kuiistticrcine: Großherzogl.-Sächsische Kunst
schule in Weimar. (Forsetzung.)

An die Redaktion des deutschen Kunstblattes die „Dioskureu" in
Berlin. — Briefkasten.

Korrespondenzen.

London, Ende Mai. (Die Kunst- und In-
dustrieausstellung L) Das; ich mit meinen Berichten
so lange zögerte, hat seinen Grund nicht eigentlich in der
Uebermasse an Stofs. Zwar kostet die Bewältigung und
Zurechtlegung desselben für das Anatonn'rmesier des kritischen
Bestecks einem gewissenhaften Berichterstatter ebensoviel
Arbeit und Zeit, wie dem Künstler das Entwerfen, Kom-
poniren und Untermalen eines Bildes, ehe er an die ei-
gentliche koloristische Ausführung geht; und darin haben
beide sonst so entgegengesetzte Thätigkeiten, das analytische
Verfahren der Kritik und das synthetische der künstlerischen
Produktion, eine große Aehnlichkcit, daß der Grund und
die Bedingung für das Resultat von der Gewissenhaftigkeit
dieser Vorarbeite nabhängig ist, obschon gerade diese nach-
her dem unkundigen Auge völlig verschwinden. Denn
das unkundige Auge hält sich au der Oberfläche, aber das
„was darunter liegt" und hindurchscheint, wird nicht er-
kannt, obgleich cs der Oberfläche allein erst Bewegung
und Leben ertheilt.

Wenn irgendwo, so trifft für daS Auge des englischen
Publikums im Großen und Ganzen diese Bemerkung zu;
denn für die Fremden und namentlich für den meist in

die Tiefe gehenden Deutschen — der Franzose geht mehr
in die Höhe, sei cs nun auf den Flügeln deS Geistes oder
auf den Stelzen des Eigendünkels — ist cs geradezu un-
glaublich, welches Böotenthum in Allem, was an's Gebiet
des Geschmacks anstößt, hier durchgängig herrscht. Ab-
gesehen von der jammervollen Götzcndiencrei, welche das
„freieste Volk der Erde" mit der abstrakten Namensautorität
treibt und der noch jammervolleren Sklaverei, in welche
der Respekt vor dem Gelde die Geister — erleuchtete wie
bornirtc — schlägt, muß man erstaunen, wie hier dem
bei weitem größten Thcil selbst der Gebildetsten nicht nur
das Bcrständniß sondern selbst die allerdürftigstc Sym-
p ath i c für den konkreten geistigen Inhalt der Dinge abgeht.
Die Realität, welche sich in der Kunst breit macht, ist der
allereinseitigste Materialismus, und ein Kunstwerk hat
nur dann Aussicht auf Erfolg, wenn es cntivedcr einen be-
rühmten Rainen trägt — und wäre es das erbärmlichste Mach-
werk —, oder wenn es fabelhaft theuer ist, so daß es mir
ganz Reiche bezahlen können (und ivärc es auch nur der Ku-
riosität halber) oder wenn es die ganz reale Natur: Pferde,
Hunde, Katzen, Rosen und Radischen, Vergißmeinnicht und
Kohlrüben nebst den obligaten Käfer» und Maden, Schmet-
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