Die Dioskuren: deutsche Kunstzeitung ; Hauptorgan d. dt. Kunstvereine — 7.1862

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Di-. Max Schasler,

Herausgeber des „Deutschen Kunst-Kalenders" in Berlin.

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2 nb

Abhandclndcr Artikel . Die Tradition der gothischen Baukunst,
Schinkel gegenüber von I. K. — Was lhut der deutschen
Historienmalerei Noch? von M. Sr. (Fortsetzung.)

Korrespondenzen: st München, d. 25. Febr. (Das Maskenfest
des Künstlervereins Jungmünchen. Schluß.)

a l t:

Kunstchronik: Verschiedene Lokalnachrichten aus Berlin, Danzig,
München, Turin, Lyon, London.

Kunst-Kritik: l. Berliner Kunstschau (Schluß.) 2. Permanente
Gemälde-Ausstellung von Sachse. — 3. Ausstellung der
Portraits I. I. Majestäten des Königs und der Königin.
Kunstgeschichte und Antiquitäten: lieber Winckelinann.

Die Tradition der gothischen Baukunst, Schinkel gegenüber

von I. K.

ennst Du unsere alten deutschen
Städte? — Welche Sehnsucht er-
füllt mich, wenn ich diese ernsten
melancholischen Straßen mit den
hochgegiebelten gothischen Häusern
betrete, — ein heiliger Schauer er-
greift mich, wenn ich sie in stolzer
Ruhe emporragcn sehe, unsere wun-
derschönen alten Dome. Mir ist's,
als erwachten wieder all' die Traumbilder meiner frühsten
Jugendzeit; gleich ihnen erfüllen diese Zeugen frommer
Sitte mich mit der ungetrübten Ahnung eines volle» ir-
dischen Glückes, eines seines Strebens und seiner Ziele
bewußten menschlichen Daseins. —

Siehe, es ist ein Wintermorgen, leise fallen die kleinen
Schneeflocken herab, gar munter spielen sie vor den Fen-

stern, als wollten sie den niedlichen Mädchenkvpfen, welche
zutraulich in dies lustige Gewimmel hinaus schauen, einen
guten Morgen wünschen. — Aber horch! Soeben wird
die Terz geläutet; und aus den geräumigen Fluren der
wohnlichen Häuser treten stattliche Männer mit goldenen
Ehrenketten und liebliche Franengcstalten hervor. Man
eilt mit herzlichem Grußeswort zum Portal des Domes.
Unter dem Geläute der dröhnenden Glocken treten sie in
die weiten heiligen Hallen, umfangen von dem schleier-
artigen Dämmerlicht neigt sich ihre Seele zu stiller An-
dacht. Sie weiß, daß sie im Hause des Herrn weilt,
anfgebaut durch die Seelenkraft und Innigkeit eines liebe»
suchenden Geschlechts, in der Ahnung jenes ewig schaf-
fenden Waltens, das den Bau der Welt gegründet.
— Den» erfüllt das Rauschen im Haine unser Gemüth
nicht auch mit Ruhe? Und sind die schlanken Säulcn-
büschel nicht ein Bild der Waldesbäume, deren Kronen
sich hoch oben in einander schmiegen?
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